Schäuble: "Verbot von "Killerspielen" verhindert keine Gewaltexzesse"

von Marcel Källner (23. April 2009)

Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble hat sich jetzt auf abgeordnetenwatch.de überraschenderweise eher distanziert zur Verbotsdiskussion von "Killerspielen" geäußert.

Die Frage, was denn "Killerspiele" genau seien, beantwortete er mit den folgenden Worten: "Der Begriff "Killerspiele" ist kein Rechtsbegriff, sondern eher die umgangssprachliche Beschreibung für Video- und Computerspiele mit gewalthaltigen und -verherrlichenden Inhalten. Weder im Jugendschutzgesetz, im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag noch im Strafgesetzbuch wird der Begriff "Killerspiele" verwendet."

Auf die Frage zur schädlichen Wirkung der Medien meinte Schäuble: "Wenngleich von Gewalthandeln bestimmte Video- und Computerspiele nicht generell und bei jedem die Gewaltbereitschaft im realen Leben fördert, gibt es dennoch eine Reihe sehr ernst zunehmender Studien, die je nach Persönlichkeit oder Umfeldbedingungen klare Risiken nachweisen. Bei aller notwendigen Differenziertheit in der Diskussion um so genannte "Killerspiele" machen zudem nur wenige Sequenzen vieler solcher Spiele deutlich, dass beispielsweise Empathie oder Toleranz durch derartige Angebote jedenfalls nicht gefördert werden. Die öffentliche Thematisierung ist darüber hinaus unverzichtbar, weil Eltern beziehungsweise Erziehungsverantwortliche wissen sollten, was ihre Kinder und Jugendliche mit dem Computer spielen."

Über ein etwaiges Verbot sagte er folgendes: "Dass alleine mit einem Verbot von so genannten "Killerspielen" Gewaltexzesse nicht zu verhindern sind, steht außer Frage. Gerade deshalb habe ich im Nachgang zu dem schrecklichen Geschehen in Winnenden immer wieder die gesellschaftlichen Ursachen für eine derartige Verirrung eines jungen Menschen hinterfragt. Politikfelder sind betroffen, die weit über das der Innenpolitik hinausgreifen und Fragen im Bereich frühkindlicher Entwicklung ebenso, wie bildungs- und arbeitsmarktpolitische Aspekte, soziale wie sozialräumliche Bedingungen aber auch Opfererfahrungen in unterschiedlichsten Kontexten betreffen."

Das gesamte Interview gibt es auf abgeordnetenwatch.de. Erst gestern berichteten wir über den äußerst "sachlichen" Beitrag des ZDF Heute Journals, der wieder einmal recht einseitig ausfiel.

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