USK-Abschaffung gefordert: spieletipps fragt nach bei den Parteien und der USK

von Jochen Gebauer (26. August 2009)

Im Zuge der Diskussion um eine Abschaffung der USK haben sich sowohl die Grünen als auch die SPD gegenüber Spieletipps klar zur Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle bekannt:

"Eine Abschaffung des deutschen Kennzeichnungssystems der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) im Bereich der Computerspiele wäre für uns ein großer Rückschritt.", so das Statement der Bundestagsfraktion der Grünen auf Nachfrage von spieletipps. "Gäbe es in Zukunft nur noch den europäischen PEGI-Standard, würde das bedeuten, dass die Hersteller selbst künftig vorschlagen, welche Alterseinstufung ein Spiel bekommen soll. Hier sehen wir die Gefahr, dass Verkaufsinteressen Vorrang vor dem Jugendschutzgedanken erhalten. Im deutschen System hingegen entscheiden plural besetzte Gremien nach einer ausgiebigen Prüfung über die Eignung für Kinder und Jugendliche. Dieses System hat sich in unseren Augen bewährt und ist es wert, bewahrt zu werden."

Ähnlich äußerte sich Monika Griefahn, Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe Kultur und Medien im deutschen Bundestag: "Die Forderung nach einer Abschaffung der USK ist nicht im Interesse eines effektiven Jugendmedienschutzes. Im Vergleich zum europäischen PEGI-Modell sind Einschätzungen und Entscheidungen der USK weitaus detaillierter und ausgewogener und entstehen zudem durch die Arbeit eines inustrie-unabhängigen Gremiums. Auf europäischer Ebene wurde das deutsche Modell deshalb auch von Regierungen anderer EU-Länder als vorbildlich gelobt. Das nächste Ziel muss eine Erweiterung für Alterskennzeichnungen im Online-Bereich sein, für deren Realisierung die USK eine gute Institution ist. Darüber hinaus ist eine Harmonisierung zwischen PEGI und USK denkbar. Bei einer solchen Anpassung könnte das PEGI-Modell von dem der USK profitieren."

USK sehr entspannt

SPD und Grüne sind damit nach der FDP die nächsten Fraktionen, die die Forderung von EA nach einer Abschaffung der USK strikt ablehnt. Gerhard Florin, bei EA für das internationale Publishing zuständig, hatte das deutsche System im Rahmen der gamescom als Zensur bezeichnet und die Einführung der europäischen PEGI-Norm gefordert.

USK-Geschäftsführer Olaf Wolters gab sich in einem Telefonat mit spieletipps sehr entspannt: "Wir sehen das ganz gelassen. Ich glaube nicht, dass der deutsche Staat das mit sich machen lassen wird." Wolters äußerte zwar Verständnis für die Forderungen aus dem Ausland, gab allerdings zu bedenken, dass das deutsche USK-System schon länger existiere als die europäische PEGI-Norm: "Wir machen das schon doppelt so lange". Eine Annäherung von USK und PEGI - gerade im Online-Bereich - sei allerdings durchaus sinnvoll und mittelfristig sei auch gegen ein europaweit einheitliches System wenig einzuwenden. Allerdings müssten dabei kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden. Während in Deutschland beispielsweise Nazi-Symbolik in Computer- und Videospielen verboten ist, erhalten sämtliche Kartenspiele in Griechenland keine Jugendfreigabe - dort sorgt man sich in diesem Zusammenhang um die Glücksspiel-Problematik. Auch den Zensur-Vorwurf kann Wolters nicht nachvollziehen: "Das ist an den Haaren herbeigezogen. Da muss man die Kirche im Dorf lassen". Schließlich zwinge die USK ja niemanden, sein Spiel zu verändern. Man müsse sich in Deutschland lediglich an bestehende gesetzliche und strafrechtliche Vorgaben halten - wie das auch in anderen Ländern an der Tagesordnung sei. "In den USA darf man beispielsweise keine nackte Brust zeigen, wenn man eine Jugendfreigabe bekommen möchte".

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