Clash of Realities: Es geht um das Image von Games

von Frank Bartsch (27. April 2010)

Vergangene Woche trafen sich Experten der Gamesbranche und Wissenschaftler, um über die Spieleindustrie und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu diskutieren. Denn klar ist, dass das Image von Videospielen in der Öffentlichkeit nicht immer das beste ist.

"Die Kenntnisse über Computerspiele sind in der Gesellschaft relativ gering ausgeprägt", beklagte Martin Lorber von Electronic Arts. "Es fehlte in der Vergangenheit ein Forum für den Wissenstransfer von der Forschung hin zu den Medien und der Politik".

Diese Lücke will die Konferenz füllen. Sie wurde in diesem Jahr bereits zum dritten Mal in Köln von Lorber und Professor Winfred Kaminski von der Fachhochschule Köln durchgeführt. Ein Thema war auch wieder der Jugendschutz in Deutschland, der von der Spieleindustrie vor allem deshalb kritisiert wird, weil Deutschland ein anderes Bewertungssystem zur Alterseinstufung als der überwiegende Rest Europas verwendet. Das erschwert die europaweite Vermarktung von Spielen. Das gemeinsame System mit Namen "Pan European Games Information" (PEGI) wurde in Deutschland nicht übernommen, stattdessen bleibt es bei der Alterskennzeichnung durch die "Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle" (USK). Beide Institutionen prüfen die Games in unterschiedlichem Maße, so dass Nachbarländer auch schon mal in Deutschland indizierte Spiele trotzdem frei käuflich erwerben können. Eine Änderung ist in Deutschland aber nicht abesehbar, denn Jugendschutz hat in Deutschland Verfassungsrang, und der Staat will sich aus diesem Bereich wohl nicht zurückziehen.

Auch Politiker waren an der Konferenz beteiligt, so beschrieb Jürgen Schattmann vom nordrhein-westfälischen Familienministerium einen "Missing Link" zwischen Eltern und Kindern. Sehe ein Erwachsener einem Spieler nur über die Schulter, könne er die Dynamik und Interaktion eines Spiels nicht recht verstehen. "Wenn ich ein Spiel wie einen Film ansehe, ist die Erfahrung eine komplett andere", erläuterte Schattmann. Hinzu komme, dass Deutsche immer später Eltern würden und angesichts der sich beschleunigenden Medienentwicklung entstünde so eine immer größere Lücke zwischen den Erfahrungswelten. Um diese zu schließen, setzt Schattmann auf Veranstaltungen wie die Eltern-LAN, bei der die Erzieher aus erster Hand erfahren sollen, wie die Spiele funktionieren.

Insgesamt zogen die Teilnehmer der Diskussion aber ein halbwegs positives Fazit der Debatte um Computerspiele. "Die Hysterie um Computerspiele ist nicht so ausgeprägt wie vor einigen Jahren", sagte Olaf Coenen, Geschäftsführer von Electronic Arts Deutschland. "Wenn wir uns als Gesellschaft kritisch mit Medien auseinander setzen wollen, müssen wir das bei allen Medien machen, nicht nur bei Computerspielen", betonte Coenen abschließend.

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