Prozessorgeschwindigkeit: Ist bald das Ende der Fahnenstange erreicht?

von Rüdiger Steidle (30. August 2013)

Prozessorgeschwindigkeit: Ist bald das Ende der Fahnenstange erreicht?Prozessorgeschwindigkeit: Ist bald das Ende der Fahnenstange erreicht?

Das sogenannte Mooresche Gesetz besagt, dass sich die Geschwindigkeit von Prozessoren etwa alle ein bis zwei Jahre verdoppelt. Nach Meinung von Computerexperten könnte die Zeit derart dramatischer Leistungssteigerungen jedoch schon bald vorbei sein.

Im Gespräch mit der britischen Internetseite The Register erklärt der ehemalige Intel-Chefentwickler Robert Colwell den Grund für seine pessimistische Vorhersage: Das Hauptproblem stellen demnach weniger technische Hürden als die immer weiter kletternden Entwicklungskosten dar.

Colwell schätzt, dass die gewohnte Geschwindigkeitsverdopplung nur noch bis zum Jahr 2020 oder 2022 anhält. Danach werde es nicht mehr primär darum gehen, immer mehr Transistoren auf immer engerem Raum unterzubringen, sondern auf anderen Gebieten Fortschritte zu erzielen, etwa beim Energieverbrauch.

Dem ehemaligen Intel-Ingenieur zufolge steigen die Ausgaben für die Entwicklung und teilweise auch für die Fertigung jeder neuen Prozessorgeneration kontinuierlich an. Es sei absehbar, dass die Investitionen für eine neue, deutlich schnellere Chiparchitektur bald die zu erwartenden Profite übertreffen würden.

Trotz häufiger anderslautender Prognosen hat die Mooresche Regel ihre Gültigkeit seit den Sechzigerjahren bewahrt. Allerdings hatte der Urheber der Faustformel, Intel-Mitbegründer Gordon Moore, selbst bereits 2007 das absehbare Ende des Aufschwungs vorhergesagt.

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Prozessoren

Andere Experten sind jedoch der Meinung, dass auch in der herkömmlichen Chipentwicklung noch viel Spielraum besteht und auch nach 2020 noch drastische Geschwindigkeitsgewinne zu erwarten sind, beispielsweise durch die Kombination mehrerer spezialisierter Prozessoren.

Ein aktuelles Beispiel ist der jüngst enthüllte Chip der Xbox One: Der kombiniert acht Hauptkerne mit 15 Spezialprozessoren, die sich um 3D-Grafik, Ton, Videowiedergabe und andere Aufgaben kümmern.

Insgesamt rechnen in der Xbox One rund fünf Milliarden Transistoren. Zu Vergleich: Intels ursprünglicher Pentium kam vor 20 Jahren noch mit drei Millionen Transistoren aus. Intel selbst hatte kürzlich für Aufregung mit der Ankündigung gesorgt, dass manche der kommenden Core-Prozessoren nicht mehr austauschbar seien.

Spieler dürfen also auch auf lange Sicht noch auf immer bessere Grafik, realistischere Spielphysik und überzeugendere virtuelle Welten hoffen.

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