Amoklauf als Videospiel + Nazi-Verdacht: Muss die Spielebranche Hatred aushalten?

von Joachim Hesse (17. Oktober 2014)

Der bisher unbekannte polnische Entwickler Destructive Creations hat ein Spiel namens Hatred (Hass, Feindschaft) für PC angekündigt. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Amokläufers und bringt skrupellos unbeteiligte Spielfiguren um. Gewalt stellt das Spiel explizit dar. Wäre das nicht schon kontrovers genug, macht auch noch die Vermutung die Runde, die Entwickler unterstützen die politisch rechte Szene.

Mit dem soeben veröffentlichten Werbefilm ist den Machern eine breite Aufmerksamkeit sicher, denn das gezeigte Spielmaterial mit der aktuellen Unreal Engine 4 ist reine Provokation für Kritiker virtueller Gewaltdarstellungen. Achtung, falls ihr euch das ansehen wollt: Seid euch darüber bewusst, dass der 1:34 Minuten kurze Film unappetitliche Hinrichtungsszenen enthält.

Im Heimkino-Bereich haben sich Filme wie Rampage von Uwe Boll dem Thema schon angenommen, im Spielsektor ist das ein heißeres Eisen, da hier der Nutzer nicht passiv vor dem Bildschirm sitzt. Während Spiele wie Postal 3 zumindest auf einen satirischen Hintergrund für die mögliche Gewalt setzen und bei einem Grand Theft Auto 5 die Rahmenhandlung im Vordergrund steht, verzichtet Hatred offenbar auf solches Beiwerk. Der Protagonist läuft schwerbewaffnet in einer isometrischen Ansicht durch eine virtuelle Stadt und richtet möglichst derb deren Einwohner hin.

Mit den folgenden Worten leitet der Amokläufer im Werbefilm den Massenmord ein: "Mein Name ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, was ich tun werde. Ich hasse diese verdammte Welt. Und die menschlichen Würmer, die sich durch ihren Leichnam fressen. Mein gesamtes Leben besteht aus kaltem, bitteren Hass. Und ich wollte immer gewaltsam sterben. Die Zeit der Rache ist gekommen und kein Leben verdient es, verschont zu werden. Ich nehme so viele mit ins Grab, wie ich kann. Es ist für mich an der Zeit zu töten. Und es ist an der Zeit für mich zu sterben. Mein Massenmord-Kreuzug beginnt hier."

"Versucht das nicht zu Hause und nehmt es nicht zu ernst, es ist nur ein Spiel", schreiben die Entwickler auf ihrer Internetseite. Ist das so einfach? Welches Gedankengut transportiert das Spiel? Der Blog "Fuck No Video Games" unterstellt gar einen Neo-Nazi-Hintergrund der Entwickler.

In unseren Blickpunkt "Spiele sind Kunst: 10 Meisterwerke, die es beweisen" wäre Hatred wohl kaum gelandet. Es ist definitiv kein Spiel, dass der öffentliche Wahrnehmung von Videospielen zuträglich ist. Andererseits muss eine Kunstform auch andere Interpretationen zulassen. Oder transportiert das Spiel eine so moralisch untragbare Haltung, dass die Welt davor verschont bleiben sollte? Was haltet ihr davon? Hinterlasst bitte einen Kommentar, eure Meinung zum Thema interessiert uns!

Dass dieses Spiel in Deutschland im offenen Handel erscheinen darf, halten wir in jedem Fall für ausgeschlossen.

Kommentare anzeigen

News gehört zu diesen Spielen

Hatred

Letzte Inhalte zum Spiel

Nintendo Switch: Gerüchte um Virtual Console mit Gamecube-Spielen

Nintendo Switch: Gerüchte um Virtual Console mit Gamecube-Spielen

Auch wenn Nintendo die neue Konsole Nintendo Switch mittlerweile offiziell vorgestellt hat, reißen die Gerüc (...) mehr

Weitere News