US-Sender beleidigt Gamer als "asoziale Nerds"

von Kaspar Tanner (29. Oktober 2015)

Der amerikanische Fernsehsender CNN hat die Messlatte für beleidigende Berichterstattung über Spieler auf ein neues Level gehievt: In einem schlecht recherchierten Bericht voller Vorurteile werden am laufenden Band längst überholte Klischees aufgewärmt. Videospieler werden als "nicht ausgelastete Einzelgänger" bezeichnet, die "bei ihren Eltern im Keller wohnen".

Mit der Überschrift "Videospiele sind nicht nur was für asoziale Nerds" wiegelt der Beitrag von CNN bereits alle Leser gegen Spieler auf: Vorurteile sollen bestätigt statt abgebaut werden. Die eigentliche Aufgabe von Journalismus ist aber doch, den Leser aufzuklären statt längst veraltete Denkmuster noch weiter in den Betonköpfen zu verankern. Indem die Headline betont, dass Videospiele nicht mehr nur für "asoziale Nerds" sind, bestätigen sie erst recht jene Vorurteile, gegen die wir seit Jahren immer wieder ankämpfen müssen.

Über dem Beitrag thront noch ein Video-Interview mit dem ehemaligen Xbox-Boss Robbie Bach, der ein spannendes Buch über die (naheliegendes Thema) Xbox geschrieben hat. Verständlich, dass während des gesamten Gesprächs Sony bzw. die PlayStation mit keiner Silbe erwähnt wird - ebenso wenig wie PC-Gaming. Das ist aus Sicht von Robbie Bach natürlich legitim, immerhin will er sein Buch bestmöglich promoten.

Aber werft mal einen Blick ausschließlich auf den Text des Beitrags und ignoriert das Video: Erst werden beleidigende Klischees benutzt und anschließend folgt nur eine Aufzählung von Wirtschafts-Infos zu Games-Publishern.

Der Tenor des Textes von CNN ist eindeutig: Spieler können wie Geldkühe gemolken werden, weshalb Investitionen in die Aktien von Spieleherstellern eine sinnvolle Sache seien. Wenn es aber darum geht, Spielern auf Augenhöhe zu begegnen, zieht sich CNN wieder ganz in sein Schneckenhaus aus Intoleranz und offen zur Schau gestellter Ablehnung zurück. Die am Anfang genannten Vorurteile werden in keiner Weise revidiert, sondern lediglich relativiert: Weil Videospiele viel Umsatz machen, können sie also nicht mehr ausschließlich von "unterbeschäftigten Einzelgängern im Keller ihrer Eltern" gespielt werden - aber das Vorurteil bleibt trotzdem erhalten.

Dabei sollte dem Autor des Artikels doch eigentlich auffallen, dass er sich völlig in eine Sackgasse manövriert: Er will seinen Lesern erklären, wie groß die Spieleindustrie ist und beleidigt gleichzeitig all jene Menschen, die diese Industrie so groß gemacht haben?

Keine andere Industrie muss sich permanent gegen solche Vorurteile wehren, die immer wieder aus der Mottenkiste geholt werden. Undenkbar wäre beispielsweise ein Beitrag über Fußball, der mit der Überschrift „Fußball ist nicht nur was für biertrinkende Prolls“ daherkommt oder ein Beitrag mit der Headline “Tätowierungen – das tragen nicht nur Häftlinge und Loser“.

Wir fordern CNN deshalb dazu auf, sich bei den Spielern zu entschuldigen: Klickt hier und teilt unseren Facebook-Post mit euren Freunden, drückt "Gefällt mir" unter dem Post und wir konfrontieren CNN damit!

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