Müssen wir bald fürs Online-Zocken mehr Geld zahlen?

von Kaspar Tanner (30. Oktober 2015)

Müssen Spieler künftig mehr für ihre Internetleitung zahlen? Wir sagen euch alles zu den Plänen der Telekom:

Das EU-Parlament hat mit einer umstrittenen Entscheidung die Netzneutralität abgesägt. Künftig können Internetanbieter neue Gebühren für sogenannte "Spezialdienste" erheben. Als Beispiel für solche Spezialdienste nannte Telekom-Chef Timotheus Höttges neben Videokonferenzen auch Online-Gaming.

Konsequenz wären ein hoher Ping oder eine instabile Internet-Verbindung, wenn die Telekom Online-Gaming nicht mehr mit hoher Priorität behandeln würde – und jeder von uns weiß, wie ärgerlich und ätzend verlorene Partien sind, weil das Netz nicht mitgespielt hat.

Bislang ist noch nicht klar, von wem die Telekom überhaupt Geld haben will: Sie könnten die Anbieter von Online-Diensten zur Kasse bitten, aber auch uns Spieler direkt. Theoretisch könnte die Telekom auch den Anbieter und den Kunden abkassieren – im Extremfall müsste also Sony für den Premiumdienst PlayStation Plus Gebühren an die Telekom abführen und Online-Spieler somit ebenfalls höhere Gebühren zahlen.

In einer ersten Stellungnahme schreibt die Telekom:

„[…]Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur.“

Wie weit diese Spezialdienste gehen können, sieht man schon an der Kooperation zwischen Telekom und Spotify: Wer seinen Spotify-Account über die Telekom bucht, kann auch unterwegs einfach und bequem Musik streamen – und die verbrauchten Daten werden nicht vom Datenvolumen abgezogen. Ein klarer Vorteil für Spotify, mit dem die Telekom auch offensiv wirbt. Andere Musikdienste gucken dabei in die Röhre, denn sie sind für Telekom-Kunden automatisch unattraktiver.

Die Telekom bietet außerdem auch selbst Inhalte an: Über T-Entertain könnt ihr Filme und Serien in HD anschauen. Diesen kostenpflichtigen Dienst könnte die Telekom künftig als "Spezialdienst" definieren und in allerbester Qualität anbieten – schließlich betreibt das Unternehmen diesen Dienst selbst. Netflix-Serien und YouTube-Videos könnten hingegen nur noch ruckelnd und stotternd auf eurem Fernseher landen, wenn sich diese Unternehmen weigern, für höhere Geschwindigkeit mehr zu zahlen.

Komplett verweigern kann sich aber wohl kein Konzern – zu wichtig ist es für diese Unternehmen, die Telekom-Kunden auch weiterhin in bestmöglicher Qualität zu erreichen. Die gestiegenen Kosten werden aber wohl durch eine Preiserhöhung direkt an die Kunden weitergereicht, sodass das Ende der Netzneutralität auch den Anfang immer höherer Kosten für Online-Dienste bedeuten könnte.

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