Virtuelles Erlebnis zu 9/11: Was hat sich der Entwickler dabei gedacht?

von Daniel Kirschey (03. November 2015)

Jeder kennt das Datum 11. September 2001. Das ist mittlerweile in der westlichen Welt in das gesamte Gedächtnis der Menschen eingebrannt. Am 11. Spetember um genau 8:46 Uhr flog ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center in New York City. Die Uhrzeit ist deshalb wichtig, da nun der Entwickler 846 Studios ein virtuelles Erlebnis entwickelt hat, dass euch genau zu diesem Zeitpunkt in den Nordturm des World Trade Center versetzt. Der Name [08:46]. Und damit ihr die volle Ladung abbekommt, könnt ihr alles über eine Virtual-Reality-Brille erleben.

Das Entwickler-Team versetzt euch ganze zehn Minuten in das World Trade Center. Ihr bekommt also auch noch mit, wie sieben Minuten nach 8:46 Uhr das zweite Flugzeug in den Südturm kracht und wenig später die Türme zusammenstürzen. Was in dieser Zeit in den Türmen vor sich ging, kann ungefähr durch Videoaufnahmen und Telefonanrufe nachverfolgt werden. Ihr seid mit der VR-Brille auf der Nase direkt als Opfer des Terroranschlags zugegen.

So ein "Spiel" sorgt natürlich für eine große Diskussion. Zu Recht. Die englischsprachige Webseite Kotaku führte mit Anthony Krafft, Kreativkopf bei 846 Studios, ein Interview. Die obligatorische Frage, warum sie sich dazu entschlossen hätten, so ein virtuelles Erlebnis zu erschaffen, beantwortet Krafft mit: "Wir haben [8:46] als Tribut an die Opfer dieses Generationen formenden Ereignisses produziert. Im Team sind wir alle in unseren Zwanzigern und 9/11, auf einem globalen Maßstab, hat unsere sozialen Interaktionen genau so viel verändert, wie unseren geopolitischen Kontext."

Dabei haben die Entwickler versucht, die Situation so akkurat wie möglich nachzustellen. Sie haben Interviews mit Überlebenden geführt, Pläne der Gebäude gesichtet und Dokumentationen wie auch Berichte recherchiert. Alles, damit das Erlebnis so authentisch wie nur möglich wäre. "Es war essentiell für uns, akkurat zu sein, da wir aus Respekt für die Opfer niemals obszön oder sensationsheischend sein wollen. Es ist viel mehr ein empathisches als entsetzliches Experiment für uns und wir haben versucht, die emotionale Reise der Opfer akkurat zu porträtieren", sagt Krafft.

Krafft geht sogar so weit, dass er darauf hindeutet, dass es sich nicht um ein Spiel in traditioneller Weise handeln würde: "Bitte beachtet, dass für uns [08:46] nicht ein Spiel ist (in traditioneller Hinsicht) und wir definieren es nicht als solches."

Zusammengefasst: [08:46] ist kein Spiel, sondern soll die letzten zehn Minuten der meisten Opfer des Terroranschlags auf das World Trade Center Nutzern einer VR-Brille so präzise wie möglich vor Augen führen, ohne dabei sensationsheischend vorzugehen. Übrigens: Um Geld geht es dem Entwickler nicht. Das Programm [08:46] könnt ihr euch auf der dazugehörigen Seite kostenlos herunterladen.

Auf der einen Seite ist das eine interessante Idee und die Entwickler weisen auch selbst darauf hin, dass jeder für sich selbst eine Grenze ziehen muss. Doch auf der anderen Seite, stellt sich auch die Frage, welchen Mehrwert ein Nutzer des Programms aus der Erfahrung ziehen soll. Zu wissen, dass ein Terroranschlag grauenvoll ist, dafür brauchen die meisten Menschen kein virtuelles Erlebnis.

Was haltet ihr davon? Schreibt es in die Kommentare!

Tags: Politik  

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