Hideo Kojima: "Ich werde Spiele machen, solange ich kann!"

von Micky Auer (18. Dezember 2015)

Entwicklerlegende Hideo Kojima bleibt seiner Absicht treu, auch nach seinem Ausscheiden bei dem japanischen Softwarehersteller Konami, weiterhin "große Spiele" zu machen. Er selbst sagt, er hätte das Gefühl, dass dies seine "Rolle in dieser Welt" sei. Dies geht aus einem Interview mit dem englischsprachigen Magazin New Yorker hervor.

Darin eröffnet Kojima zum Beispiel, dass er vorhatte, nach dem lange andauernden Streit mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Konami erstmal eine Auszeit zu nehmen. Konkret wollte er sich ein Jahr lang auf eine einsame Insel zurückziehen, um den Kopf wieder freizukriegen. Er teilte seine Pläne einem Freund in Hollywood mit, der ihm jedoch ins Gewissen redete und ihn von diesem Plan abhielt. Dieser meinte, Kojima sei es seinem eigenen Talent schuldig, gerade jetzt erst richtig loszulegen.

"Als ich diese Worte verarbeitet habe, wurde mir klar, dass es meine Rolle in dieser Welt ist, weiterhin große Spiele zu machen, solange ich kann", meint Kojima dazu. "Das ist die Mission, die mir für mein Leben zugedacht wurde." Dahingehend erwähnte Kojima auch, dass das erste Projekt seines neuen Studios Kojima Production dennoch "eher klein" ausfallen könnte.

Auf jeden Fall erläutert Kojima im Interview weiter, dass er sehr glücklich über die Flexibilität ist, die ihm seine neu gewonnene Unabhängigkeit gewährt.

"Wenn man in einer großen Firma arbeitet, speziell in einer japanischen Firma, muss jeder kleine Handgriff zuvor abgesegnet werden. Es gibt für wirklich alles Unmengen an Papierkram", erklärt er. "Jetzt, da ich unabhängig bin, kann ich das, was ich tun will, wesentlich schneller erledigen. Ich muss keine Zeit mehr in unnötige Vorbereitungen investieren. Das Risiko liegt ganz allein bei mir."

Diese Unabhängigkeit lässt sich auch darauf ausweiten, dass Kojima nun freier sprechen kann: "Als ich für eine Firma gearbeitet habe, hätten meine persönlichen Aussagen leicht als die Aussage der Firma selbst misinterpretiert werden können. In einem solchen Gefüge konnte ich nicht immer sagen, was ich tatsächlich meinte."

Mit typischer japanischer Zurückhaltung spricht Kojima in dieser Aussage bewusst von "einer Firma". Konami selbst erwähnt er nicht explizit. Allerdings sollte jedem klar sein, dass solche Äußerungen nur in eine Richtung zielen können. Denn im weiteren Verlauf des Interviews lässt sich deutlich erahnen, dass Kojimas Weggang unter anderem damit zu tun hatte, dass Konami sich zukünftig weniger um große Videospielproduktionen, sondern eher auf Spiele für den Mobile-Markt und Glücksspielautomaten für japanische Spielhallen kümmern will. Auch eher lose im Zusammenhang (dennoch für jeden Leser des Interviews leicht in den richtigen Kontext zu bringen) meint Kojima noch:

"Wenn man sich nur auf den Profit konzentriert, der direkt vor einem liegt, wird man irgendwann von der Zeit überholt. Es ist danach unmöglich, jemals wieder aufzuholen."

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Das erwartet euch in Metal Gear Solid 5 - The Phantom Pain

Eigentlich könnte Kojima jetzt, da er Konami offiziell verlassen hat, die Presse und die Leser mit unendlichen Geschichten über die Vorkommnisse bei Konami unterhalten, entsetzen und erstaunen. Er "könnte", wohlgemerkt. Er tut es bloß nicht. Womit sich mal wieder eindeutig beweist, dass Größe und Stil in Ruhe und Besonnenheit verwurzelt sind, nicht in marktschreierischer Sensationsgier und dem Drang, seinen Frust abzubauen, indem man die Öffentlichkeit dazu einlädt, schmutzige Wäsche zu waschen.

Konami anderseits hat keine Gelegenheit ausgelassen, Hideo Kojima in ein schlechtes Licht zu rücken. Zwar wurde er seitens der Firma nie öffentlich angegriffen oder diskreditiert, jedoche sprechen mehrere Aktionen eine deutliche Sprache: Kojimas Name wird aus Metal Gear Solid 5 - The Phantom Pain entfernt, das Projekt Silent Hills wird ersatzlos gestrichen und die Zusammenarbeit mit Regisseur Guillermo del Toro beendet, Kojimas Studio in Los Angeles wird geschlossen, die spielbare Demo P.T. wird aus dem PSN entfernt, Kojima darf bei den Video Games Awards 2015 nicht den Preis für MGS 5 entgegennehmen.

Was die spielbare Demo von Silent Hills betrifft: Mit einem Trick besteht dennoch die Möglichkeit, diese wieder auf die Konsole zu bekommen.

Bereits einen Tag nach seinem Weggang von Konami verkündet Sony stolz, dass Hideo Kojima nun mit dem PlayStation-Hersteller zusammenarbeiten wird. Noch dazu holt sich Kojima Veteranen aus der Entwicklung der "Metal Gear"-Reihe mit an Bord.

Dieses Video zu MGS 5 - Metal Gear Online schon gesehen?

Tags: Hideo Kojima  

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