Ant Simulator: Kickstarter-Budget für Schnaps und Stripperinnen verprasst

von Micky Auer (02. Februar 2016)

Die Idee hinter der Finanzierungsplattform Kickstarter ist nicht übel: Jemand präsentiert seine Idee und hofft, dass ihm private Investoren das Geld zur Umsetzung liefern. Als Gegenleistung bekommen die dann - wenn es um Videospiele geht - gerne mal das Produkt vor allen anderen, oft auch mit exklusiven Inhalten.

Dumm nur, dass mit Kickstarter viel Schindluder getrieben wird. Schon öfters kam es vor, dass die Verantwortlichen eines Projekts mit dem Geld stiften gegagen sind und man nie wieder von ihnen gehört hat. Zurück bleiben geprellte Investoren und ein mit jedem Vorfall verbundenes Abnehmen des guten Rufes der Finanzierungs-Plattform.

Diese Geschichte dürfte auch nicht gerade zur Glaubhaftigkeit und Seriösität von Kickstarter-Nutzern beitragen: Eric Tereshinski vom Indie-Entwickler Eteeski hat auf Kickstarter um Geld für sein Videospiel Ant Simulator geworben. Der Ameisen-Simulator wird nun aber wohl nicht so schnell das Licht der virtuellen Welt erblicken, denn das Finanzierungs-Budget hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Genauer gesagt: In Alkohol und Stripperinnen.

Rund 4.500 Dollar (knapp 4.150 Euro) brachte die Kickstarter-Kampagne dem Entwickler ein. Ein ausgesprochen niedliches Budget, vergleicht man es mit den Millionen an Entwicklungskosten, die ein AAA-Spiel verschlingt. Aber darum geht es gar nicht, sondern viel mehr darum, dass Geld, das den kreativen Köpfen für eine bestimmte Aufgabe zur Verfügung gestellt worden ist, in etwas gänzlich anderes investiert wurde.

Die Idee zu Ant Simulator entstand rund um den Wettbewerb Ludum Dare. Eine frühe Version des Spiels sorgte für reges Interesse, daher entschied sich Eteeski zur Produktion einer Vollversion. Wie der Name es schon vermuten lässt, hättet ihr in Ant Simulator die Rolle einer Ameise übernommen und zufallsgenerierte Umgebungen erkundet. VR-Brillen-Unterstützung inklusive.

In einer Video-Botschaft verkündet Tereshinski, dass das ganze Geld nun weg sei. Er beginnt mit den Worten: "Das wird das schlimmste Video, das ich jemals gemacht habe." Dabei trifft Tereshinski gar keine Schuld, denn laut seinen Aussagen haben seine Ex-Geschäftspartner das Geld verjubelt und drohen ihm mit einer Klage, wenn er Ant Simulator ohne sie veröffentlichen sollte.

(Quelle: Youtube, ETeeskiTutorials)

"Ich kann nicht mehr an Ant Simulator arbeiten. Vor kurzem habe ich herausgefunden, dass meine Ex-Geschäftspartner heimlich Firmengelder abgezweigt haben. Den größten Teil des Kickstarter-Betrags haben sie in Restaurants, Bars und sogar für Stripperinnen rausgeschmissen. Daher kann ich unmöglich zulassen, dass mein Name mit diesen Leuten in Verbindung gebracht wird", erläutert Tereshinski weiter.

Besonders bitter: Der Programmierer kennt die entsprechenden Ex-Kollegen seit elf Jahren und bezeichnet sie als seine engsten Freunde. Nach diesem Vorfall ist ihm auf schmerzhafte Weise klar geworden, wie sehr er sich in ihnen getäuscht hat.

Aufgrund der unterzeichneten Verträge und der Androhung einer Klage blieb Tereshinski nun nichts anderes übrig, als die Arbeiten am Spiel einzustellen und sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen. Allerdings hat er nicht vor, für immer aus der Branche zu verschwinden. "Das ist kein Ende, sondern ein Neustart. Ich bin klarerweise verdammt sauer darüber, dass ich Geld, über ein Jahr an Arbeit und ein Spiel verloren habe, das mir sehr am Herzen lag und auf das ich stolz war. Ich habe mich wirklich darauf gefreut, es auf Steam und der PlayStation 4 zu veröffentlichen. Es hätte mein erster Schritt in eine Karriere in der Videospiel-Branche sein sollen. Jetzt muss ich von vorne anfangen", so Tereshinski.

Lieber Eric, wir drücken dir die Daumen und wünschen dir alles Gute und viel Erfolg. Hoffentlich triffst du auf vertrauenswürdige Geschäftspartner und musst nicht wieder eine so bittere Lektion in Sachen Menschenkenntnis lernen.

Tags: Kickstarter   Video   Indie  

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