Studie: Wer in den 90ern Killerspiele gezockt hat, ist normal geblieben

von Micky Auer (09. Februar 2016)

Hartnäckig hält sich eine vollkommen unfundierte Aussage: Wer gewaltverherrlichende Spiele spielt, wird selbst gewalttätig. Mit diesem Totschlag-Argument gehen gerne manche Personen und Medien hausieren, wenn es mal wieder nichts zu berichten gibt. Gerne wird dann auf einem Thema rumgeritten, über das vor allem ältere Personen nicht besonders gut Bescheid wissen. So lässt sich leicht die Angst der Unwissenden schüren. Das ist kein aktuelles Phänomen, das gab es schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Es gibt tatsächlich offzielle Studien, die darauf hindeuten, dass es eine solche Verbindung geben könnte. Gleichzeitig gibt es aber wiederum welche, die diese Behauptung als Unsinn entlarven. Tatsache ist, dass es so viele verschiedene Faktoren gibt, die in eine solche Betrachtung einbezogen werden müssten, dass es schwierig ist, ein brauchbares und glaubhaftes Ergebnis zu präsentieren.

Wie die englischsprachige Seite Arstechnica nun berichtet, hat nun eine Forschergruppe, bestehend aus Psychologen und dem Videospiel-Skeptiker Peter Etchells, eine entsprechende Analyse veröffentlicht. Diese besagt, dass ein geringes Risiko besteht, dass Spieler, die schon von Haus aus eine Prädisposition für gewalttätiges Verhalten aufweisen, durch brutale Spiele eine Steigerung ihres persönlichen Gewaltpotenzials erfahren könnten.

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Die Analyse stellt allerdings - wie immer - nicht den finalen Urteilsspruch dar. Denn ebenso gut wie eine mögliche Steigerung des Gewaltpotenzials bei einem geringen Anteil der Spieler könnte das genaue Gegenteil eintreten. Nämlich dann, wenn eine gewaltätige Person sich mithilfe eines Spiels abreagieren kann.

Auch wäre es falsch, sich rein auf gewaltätige Spiele zu konzentrieren. Denn es stehen noch Faktoren wie Herausforderung, Wettbewerb, rasante Abläufe und ähnliches im Raum. Daher ist ein mögliches gewalttätiges Verhalten mitunter nicht auf die dargestellte Gewalt selbst zurückzuführen, sondern ist dann eher das Resultat der oben genannten Faktoren.

Beispiel: Mario Kart. Das Spiel ist gewaltfrei und setzt auf bunte Knuddelgrafik. Dennoch steigert es eventuell Aggressionen aufgrund des Spielverlaufs. Das kennt ihr sicher. Eine Langzeitstudie musste her. So liegen nun zumindest Daten zu Spielen vor, die in den 90ern auf den Markt kamen. Das Ergebnis:

Es liegt tatsächlich eine minimal erhöhte Disposition zur Gewalttätigkeit vor. Allerdings so marginal, dass sie nicht mal als statistisch relevant angesehen werden kann. Gleichzeitig geben die Forscher aber auch zu, dass das momentane Ergebnis noch immer nicht als Maßstab verwendet werden kann. Zu unsicher sind die einzelnen Faktoren. Ein Beispiel: Eine Befragung von Kindern im Alter von acht bis neun Jahren erfolgte unter der Verwendung des Begriffes "Shoot 'em up". Es stellte sich heraus, dass viele Kinder gar nicht wussten, wofür die Bezeichnung überhaupt steht.

Alles in allem sind die Teilnehmer an der Studie als "geistig normal geblieben" zu bezeichnen. Zitat: "Manche behaupten, dass die Größenordnung dieses Effekts schwerwiegender sei, als zum Beispiel die Krebsrate von Passivrauchern. Unsere Kenntnisse ergeben keinerlei Beweis für solche Behauptungen," sagen die Forscher selbst.

Es wäre auch verwunderlich, denn möchte man so mancher Hetzrede glauben, wären Kinder aus den 90ern heute fast ausschließlich gewaltätige Schwerverbrecher und Massenmörder. Dem ist - wenn ihr euch selbst im Freundeskreis einfach mal umseht - glücklicherweise nicht so. Dazu benötigt ihr auch keine Studie.

Tags: Politik   Uncut  

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