Kingdom Come - Deliverance: So spielt sich die Beta

von Daniel Kirschey (16. März 2016)

Da entwickelt ein kleiner tschechischer Entwickler namens Warhorse ein Rollenspiel und motzt nebenbei die Crytek-Grafikroutine immer weiter auf, bis die Welt um den Spieler herum nicht nur wunderschön aussieht, sondern auch voller Leben zu stecken scheint. Die Rede ist von Kingdom Come - Deliverance. Eine kleine Abteilung von Warhorse schneit eines Tages - selbstverständlich angekündigt - bei spieletipps vorbei, um die Beta-Phase vorzustellen. Mit dabei: Ein leistungsstarker Laptop. Den braucht das Spiel auch.

Zwar sind die Systemanforderungen noch nicht final, doch schon die Beta-Version frisst Unmengen Arbeitsspeicher. Sozusagen der Chrome-Browser unter den Rollenspielen. Eine ordentliche Grafikkarte und ein guter Prozessor sind ebenfalls ratsam. Aber wenigstens setzt sich der Entwickler dabei keine selbstauferlegten Grenzen, wie etwa Ubisoft, die die PC-Version von The Division an die Grafik der Konsolen angleichen, um "fair" zu bleiben. Nein, Warhorse holt alles aus der Grafikroutine heraus - und wenn etwas nicht so klappt, wie sich das der Entwickler vorstellt, wird kurzerhand bei Crytek angeklopft, damit im Wald statt ein paar mickriger Pflanzen ein ganzes Unterholz mit Gewächs und Gewucher entsteht. Und Wald gibt es noch einigen, schließlich wirft euch das Spiel ins Mittelalter zurück.

Wenn ihr durch den Forst stapft, ist das ganz schön beeindruckend: Fast alles ist grün, die Sonne bricht durch das Blätterdach, die Stämme und der Boden durchwirken mit ihrer braunen Farbe die ganzen Grüntöne. Alles vermittelt einen erdigen Eindruck; später sollen noch mehr Wildtiere hinzukommen, dann könnt ihr euch richtig vorstellen, wie es im Wald zirpt, zwitschert und scharrt. Dass Kingdom Come - Deliverance auch für PlayStation 4 und Xbox One geplant ist, wird interessant: Welche Abstriche an der Grafik für die Konsolen wohl vorgenommen werden?

Wer in Kingdom Come - Deliverance auf naturliebende Elfen, dreckige Orks und eine saubere Trennung zwischen Gut und Böse hofft: Da hinten ist der Ausgang. Kingdom Come - Deliverance will realitätsnah sein. Statt fantastischer Wesen trefft ihr auf Mägde, Knechte, Könige, Ritter und Räuber - also all das, was ihr im 15. Jahrhundert in Europa auch angetroffen hättet. Das ist ein frischer Ansatz, setzen doch Spielehersteller sonst gerne auf ein fantastisches Moment, um all die besonderen Fähigkeiten der Spielfigur zu erklären und durch einige Ungeheuer und Fabelwesen die Spielwelt zu würzen. Das dies nicht notwendig ist, zeigt Kingdome Come - Deliverance. Ihr übernehmt die Rolle eines jungen Kerls, Sohn eines Schmiedes, wir schreiben das Jahr Anno Domini 1403; wie es nunmal zu jener Zeit vorkam: Euer Dorf mit eurer Familie darin wurde massakriert. Klingt etwas klischeehaft, wirft euch aber gekonnt in die mittelaterliche Welt der Intrigen. Und die ist überaus dicht.

"In unserem Entwicklungsteam findet ihr einige frühere Geschichtsstudenten. Wir wollen eine echte Erfahrung bieten." verrät Martin Ziegler, Technischer Gestalter bei Warhorse. Und die ist gelungen. Auf einer mittelalerlichen Karte verzeichnet das Spiel nicht sofort jeden Aufgabenschritt. Durch Dialoge bekommt ihr heraus, wo sich beispielsweise der Stinker "Reeky" befindet. Nur indem ihr der Dialog-Schnitzeljagd folgt, kommt ihr zum Ziel. Wenn ihr wollt wandelt ihr durch das ganze Spiel fast ohne einen Kampf. Eure Werte steigen durch ihre Nutzung: Wer also viel labert, kann dies mit der Zeit immer besser, überredet oder schüchtert Gesprächsgenossen leichter ein und erreicht dadurch bestimmte Aufgaben ohne viele Gefechte.

Einige müsst ihr dann schon bestreiten, wenn ihr beispielsweise oben genannten Reeky endlich findet und ihr daraufhin von drei Mannen angegriffen werdet. Das Kampfsystem orientiert sich am echten Schwertkampf und so hackt ihr nicht nur auf Gegnern rum und zieht schnell weiter, sondern versucht die Lücke in der Deckung des Feindes zu finden, um diese dann mit Stahl zu füllen. So gestalten sich die Scharmützel eher taktisch als actionreich. Braucht ihr nach einem Kampf beispielsweise Heiltränke, steht euch ein Alchemie-System zur Verfügung. Brauen funktioniert aber nicht unterwegs: Dafür braucht ihr schließlich einige Zutaten, einen Kessel und einen Feuerplatz. An so einer Alchemie-Werkstatt schüttet ihr dann auch per Hand alles mögliche zusammen, um herauszufinden, welche Zutaten miteinander harmonieren. Mit der Zeit erweitert sich durch die Experimente auch euer Zutatenbuch, was das Brauen der Tränke wiederum vereinfacht.

Kingdom Come - Deliverance macht in der Beta-Phase einen richtig guten Eindruck. Zwar stören hier und da noch einige Bugs, aber das Projekt scheint recht ambitioniert zu sein. Wenn die meisten Punkte im Endprodukt funktionieren, werden Rollenspieler sich im Spiel heimisch fühlen. Wollt ihr euch einen Eindruck vom Spiel machen, schaut mal hier hinein: "Kingdom Come - Deliverance: Einstündiges Video vollgepackt mit Spielszenen".

Tags: Indie  

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