Nintendo macht Mobile: Gratis-App Miitomo soll Facebook und Twitter ergänzen

von Joachim Hesse (17. März 2016)

Miitomo ist eine riesige Zeitverschwendung. So wie fast jede App. Im postiven wie im negativen Sinn. Nur diese hier stammt von Nintendo, einem der renommiertesten Hersteller von Spielen und Konsolen. Die sollten also halbwegs wissen, was sie machen. Noch vor dem offiziellen Start in Japan (heute) durften wir die Smartphone-Anwendung Miitomo ausprobieren.

Onkel Jo zu Besuch in Frankfurt bei Nintendo.Onkel Jo zu Besuch in Frankfurt bei Nintendo.

Während um die neue Nintendo-Konsole NX immer neue Gerüchte die Runde machen, streckt Nintendo heimlich die Fühler nach dem Mobile-Markt aus. Bereits Ende vergangenen Jahres berichteten wir erstmals über die Gratis-App Miitomo. Was Tinder für Gelegenheitsbeischläfer ist, könnte Miitomo für den Pausenhof werden. Natürlich nur sofern an der Schule kein striktes Verbot von Handys herrscht. Denn für den Unterricht ist die erste App von Branchenriese Nintendo nicht gerade förderlich. Dafür frisst die Anwendung zu viel Zeit. Zeit, die ihre Nutzer natürlich gerne investieren werden. Denn Miitomo ist wie nahezu alle Nintendo-Produkte perfekt auf die jugendliche Zielgruppe zugeschnitten. Familientauglich und knuffig. Doch was ist denn nun dieses ominöse Miitomo?

Mii kennt ihr bestimmt schon von den aktuellen Nintendo-Konsolen. So heißen die kleinen Avatare, die ihr gestaltet und durch die Nintendo-Menüs lenkt. Ganz ähnlich hat das Microsoft auf der Xbox 360 vorgemacht. Tomo ist das japanische Wort für Freund. "Miitomo ist eine Kommunikations-App, die einen neue Sachen über Freunde erfahren lässt, in dem sie Fragen stellt", erklärt Ingo Kreutz von Nintendo Deutschland. Für eine Präsentation hat der Hersteller zwei Hand voll Gäste in die Firmenzentrale nach Frankfurt eingeladen.

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Miitomo

Und nachdem ihr euren Mii per QR-Code in die App geladen oder dort neu angelegt habt, geht es auch schon los. Ihr verpasst eurem Mii per Diagramm und Sprache noch einen Charakter. Dann beginnt die App euch Fragen zu stellen. Im Stil von „Was ist dein Lieblingsessen?“ oder „Welche Worte wolltest du schon immer einmal hören?“ Die dürft ihr beantworten oder überspringen. Denn die Antworten sind natürlich dazu bestimmt, dass sie von anderen gelesen werden. Besziehungsweise vorgelesen werden, denn das Spiel liest eure Kommentare in der bei der Mii-Erstellung ausgewählten Sprache und Tonlage vor.

Über Bluetooth verbindet ihr euch mit Freunden. Oder ihr verknüpft die App mit Twitter und Facebook. Dort greift sie auf eure Freundesliste zu und zeigt, wer davon in Miitomo unterwegs ist. Alsbald bekommt ihr auch Antworten eurer Freunde angezeigt. Die dürft ihr dann kommentieren oder mit Herzchen auszeichnen. So entwickeln sich kleine Chats. Je mehr Freunde, desto zeitintensiver das Ganze.

Und Zeit ist auch das, auf das es Nintendo bei der Geschichte abgesehen hat. "Mittomo ist dazu ausgelegt, permanent aktiv zu bleiben", bestätigt Kreutz. Denn nur wer viel interagiert, bekommt Münzen. Mit denen könnt ihr eurem Mii ähnlich wie in Die Sims neue Klamotten kaufen. Oder ein Minispiel namens Miitomo Drop spielen. Eine mehr als simple Mischung aus Pachinko und Flipper, bei der ihr wiederum Spezialklamotten gewinnen könnt. Dann dürft ihr euren Mii in Miifoto fotografieren, die Fotos lustig bearbeiten, mit Sprechblasen und Sprüchen versehen und an Freunde schicken. Oder direkt bei Facebook, Twitter, Line, iMessage, Instagram hochladen. Das gibt dann wiederum neue Münzen und so weiter. Es ist ein ewiger Kreislauf, ein Perpetuum mobile, wenn der Plan von Nintendo aufgeht.

Ihr dürft auch gegen echtes Geld Münzen dazu kaufen, aber das scheint wirklich nur ein Bonus zu sein und ist laut Nintendo "keinesfalls zwingend nötig". Die nächste Stufe ist das Bonus-Programm My Nintendo. In diesem Nachfolger des Club Nintendo könnt ihr auch Miitomo-Aufgaben erfüllen und euch mit den so erworbenen Platin-Münzen besondere Sachen für das Spiel kaufen. Ob es auch wieder einmal physische Objekte geben wird, steht noch nicht fest.

Miitomo-Zwischenfazit

Miitomo bereitet in der Tat eine Menge Freude. Das Gefühl damit seine Lebenszeit unwiederbringlich zu verschwenden, wird der geneigte Nutzer jedoch sicherlich nur durch radikalte Selbsthypnose los. Aber das ist bei anderen sozialen Plattformen ja nicht unbedingt besser. Miitomo eignet sich nicht dazu, Facebook & Co zu ersetzen, dafür ist die Anwendung zu eingeschränkt. Als Gag im engeren Freundes- oder Kollegenkreis taugt die App aber allemal. Ihr lernt eure Lieben damit garantiert noch besser kennen.

Erscheinen soll sie auch in Deutschland noch diesen Monat. Behaltet bei Interesse also den Store für iOS und Android im Auge. Ihr könnt euch bereits jetzt vorab unter Miitomo.com für die App registrieren und dort ein entsprechendes Nintendo-Konto erstellen.

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