Phänomen Let's Play erklärt: Deshalb schaut ihr Leuten beim Zocken zu

von Julian Städing (22. März 2016)

Ein Let's Player in Aktion.Ein Let's Player in Aktion.

Der Grundgedanke von Let's Plays ist abwegig. Manche Spielentwickler verurteilen Let's Play, andere lieben sie. Anstatt das Spiel selbst zu spielen und eine eigene Geschichte zu erleben, begibt man sich freiwillig in die passive Betrachterrolle und guckt anderen Leuten beim Zocken zu. Warum dieses so Format trotzdem so unendlich erfolgreich ist und gerade auf Youtube Millionen Abonnenten an den Bildschirm fesselt, scheint nun entdeckt.

Laut eines Artikels des Online-Portals Tay Kinja ist das Anschauen von Let's Plays wissenschaftlich erklärbar: Verantwortlich für unsere Faszination ist eine bestimmte Nervenzelle im menschlichen Gehirn: Die sogenannte Spiegelneuron.

Beim Betrachten eines Vorgangs (also zum Beispiel Anschauen von Let's-Play-Videos) spiegelt dieser Teil des Gehirns dieselben Aktivitätsmuster, die wir bei eigener Ausführung produzieren würden. Im Klartext heißt das: Unser Gehirn simuliert ein und dasselbe Gefühl – Ganz egal, ob wir die Spiele selbst zocken, oder nur dabei zusehen.

Wenn uns die Let's Player nun ein Spiel vorführen, erstellt unser Gehirn die gleichen Bewegungsabläufe, die wir selbst beim Spielen machen würden. Zu sehen wie sich eine Spielfigur nach links bewegt, beansprucht den gleichen Teil des Gehirns, der auch dafür sorgen würde, die Figur selbst nach links zu steuern. In gewisser Weise erkennen wir uns also in den Let's Playern wieder und projizieren unsere eigenen Handlungen in sie hinein.

Der bekannteste deutsche Let's Player: GronkhDer bekannteste deutsche Let's Player: Gronkh

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Fähigkeit zur Empathie (Mitgefühl). Ist diese Fähigkeit im Gehirn ausgeprägt, können wir uns gut in die Gefühle und Motivationen anderer Menschen hineinversetzen und ihre Handlungen nachvollziehen. Sind wir besonders empathische Menschen, können wir die Spielweise der Let's Player besser verstehen.

Darüber hinaus hängt die Faszination von Let's Plays natürlich auch mit den Inhalten der Videos zusammen. Grob unterteilt gibt es zwei Kategorien von Let's Plays: Zum einen die personenbezogenen Videos, bei denen der Unterhaltungswert vom Charakter des Let's Players ausgeht – Wie zum Beispiel bei PewDiePie, der zuletzt einen Entwickler zur Aufgabe trieb. Auf der anderen Seite stehen die Let's Play – Videos, die tatsächlich das Spiel in den Vordergrund rücken. Hier kommt es nicht so sehr auf die Sympathie zur betreffenden Person an, sondern auf das Spielgeschehen selbst. Videos ohne expliziten Personen-Bezug erfordern dementsprechend mehr Fähigkeit zur Empathie, da keine emotionale Orientierungshilfe im Mittelpunkt des Videos steht.

Das ist übrigens auch der Grund, warum Psychopathen keine Let's Play-Videos mit Fokus auf Gameplay schauen können: Diesen Menschen mangelt es häufig an Empathie - sie können also abstrakte Handlungen nicht nachvollziehen und brauchen jemanden, der ihnen klare Emotionen vorgibt.

Interessieren euch solche wissenschaftlichen Ansichten zu Videospielen oder haltet ihr von derartigen Theorien nicht viel? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare.

Tags: Lets Play  

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