Baldur's Gate: Spieler fordern Entlassung der Autorin wegen transsexueller Figur

von Micky Auer (11. April 2016)

Das Rollenspiel Baldur's Gate rückt in den Fokus einer Kontroverse. Obwohl bereits 1998 von Entwickler Black Isle auf den Markt gebracht, kam erst Ende März diesen Jahres eine Erweiterung namens Siege of Dragonspear dafür heraus.

Deren Inhalt sorgt nur für einen reaktionären Aufstand Seitens eines Teils der Anhängerschaft. Die für den Inhalt verantwortliche Autorin Amber Scott sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie eine transsexuelle Spielfigur ersonnen hat. Einige Spieler fühlen sich dadurch scheinbar beleidigt und fordern die Entlassung der Autorin, berichtet das englischsprachige Magazin Polygon.

Konkret geht es um die Klerikerin Mizhena. Die Figur kam als Junge auf die Welt, fühlt sich aber als Frau. Die Hauptkritik, die auf Seiten wie Gog und Steam von den Spielern kommt, bezieht sich auf die Anwendung politischer Korrektheit und LGBT-Propaganda. Angeblich würde Mizhena durch ihre Transsexualität das Ansehen der Reihe in Gefahr bringen. Ebenso wird Kritik an der durchgeführten Veränderung der Figur Safira geäußert, denn sie ist nun nicht mehr so kokett. Scott begründet das damit, dass sie nicht als reines Sexobjekt präsentiert werden soll.

Entwickler Beamdog Studios, der für die Erweiterung verantwortlich ist, verteidigt die Entscheidung der Autorin und erklärt, dass ein großer Teil der negativen Kritik auf Intoleranz basieren würde. Amber Scott wird derweil auf Twitter mit Drohungen und Beleidigungen überschüttet. Ihre lautesten Kritiker fordern ihre Entlassung. Trent Oster, Gründer von Beamdog, merkt zwar an, dass die Figur der Mizhena besser ins Spiel hätte integriert werden können, da sie den Spieler ohne Umschweife und direkt mit ihrer sexuellen Identität konfrontiert, aber er steht hinter der Arbeit von Scott. Anstatt den Rufen nach einer Entlassung Scotts nachzugeben, soll Mizhena als Charakter sogar ausgebaut und in Zukunft vielleicht sogar in die Heldenriege des Spielers aufgenommen werden können.

(Quelle: Youtube, GOG.com - DRM-Free Games)

Ed Greenwood, Erfinder des "Forgotten Realms"-Spielszenarios, in dem auch Baldur's Gate angesiedelt ist, kann das Theater nicht nachvollziehen. Er meint, des handle sich um eine fantastische Welt, in der auch Halb-Elfen und Halb-Orks an der Tagesordnung stehen. Darüber würde sich jedoch niemand beschweren. Zudem gibt es im Spiel Zauber und Gegenstände, mit deren Hilfe Helden ihr Geschlecht wechseln können. Mit einer Figur konfrontiert zu werden, wie es sie auch in der realen Welt geben könnte, scheint aber für manche ein großes Problem zu sein.

Tatsächlich krankt Siege of Dragonspear an technischen Problemen. Es kommt zu Fehlern im Mehrspielermodus und kompletten Abstürzen. Diese werden hoffentich noch mithilfe von Patches behoben. Aber auch inhaltlich wirkt die Erweiterung nicht schlüssig. Jedoch scheinen die tatsächlichen Probleme, die bei einem Videospiel im Vordergrund stehen sollten, zurzeit nur die zweite Geige zu spielen. Viel schlimmer scheint für manche Personen der Umstand zu sein, dass eine Spielfigur so etwas wie freie Entscheidungsgewalt über ihr eigenes virtuelles Leben hat.

Erst kürzlich gab es jede Menge Aufregung um Posen der Figur R. Mika in Street Fighter 5 und Tracer in Overwatch. Beide waren nach dem Empfinden einiger Spieler übersexualisiert und unnötig. Die jeweiligen Hersteller sahen sich bemüht, die entsprechenden Darstellungen zu ändern.

Wenn ihr wissen wollt, wie sich richtige Skandale in der Branche abspielen, haben wir für euch folgende Artikel parat:

Tags: Politik   Fantasy   Singleplayer  

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