E-Sport: Politik verhandelt heute über die Anerkennung als Sportart

von Marco Schabel (27. Mai 2016)

Im Abgeordnetenhaus Berlin (der Regierung des Bundeslandes) findet heute eine Expertenanhörung vor dem Sportausschuss statt, die die Frage klären soll, ob E-Sport offiziell zur Sportart erklärt werden kann. Damit dürften unter anderem E-Sportler aus dem Ausland leichter einreisen und hiesige Sportler würden finanziell und steuerlich unterstützt werden können.

Wie die Berliner Abgeordneten der Piratenpartei auf ihrer Internetseite berichten, findet im Abgeordnetenhaus Berlin heute eine öffentliche Expertenanhörung im Sportausschuss statt, mit der die rechtliche Situation des E-Sport geklärt werden soll. Damit beschäftigt sich die Politik erstmals ausführlich mit der Frage, ob E-Sport als Sportart anerkannt werden sollte.

Stein des Anstoßes war die Tatsache, dass ausländische "League of Legends"-Spieler kein Visum für die Einreise nach Berlin bekamen. Das Thema wurde dann im Februar diesen Jahres politisch aufgegriffen, als Abgeordnete der Piratenpartei den berliner Senator für Inneres und Sport - Frank Henkel - fragten, warum es keine Anerkennung des E-Sports gebe. Damals wurde sich auf die Definition des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) berufen. "Die Ausübung der Sportart muss eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt", so die Aufnahmerichtlinien. "Diese eigenmotorische Aktivität liegt insbesondere nicht vor bei [...] Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen."

(Quelle: Youtube, Piratenfraktion Berlin)

Weiter gab der Senator auf die Frage, warum dann Schach ein offizieller Sport sei, zu verstehen, dass die deutschen Schachverbände bereits im DOSB organisiert seien und es hierzulande eine rege Vereinslandschaft gebe. Die Sportart Schach hat also lediglich einen historischen Vorteil, während virtuelle Profis bestenfalls einen "Trendsport" ausüben. Es wurde folglich Anfang Mai ein Antrag gestellt, um das Thema zum offiziellen Tagesordnungspunkt der Plenarsitzung (einer Sitzung mit allen Abgeordneten) am 26. Mai zu machen, die jedoch verschoben wurde.

Die für heute angesetzte Expertenrunde zum Thema findet aber weiterhin statt. Es handelt sich um eine öffentliche Sitzung, die ab 11 Uhr im Abgeordnetenhaus Berlin (Raum 311) stattfindet. Auf Initiative der Piratenpartei und der Partei Bündnis 90/Die Grünen werden "Mousesports"-Profi Jan Dominicus, Phil Brülke von der "Meltdown Bar & Community" und Dr. Helner Brandl vom Landessportbund sprechen. Zusammen mit der Anhörung soll auch der Antrag der Piraten zur Anerkennung von E-Sport auf Bundesebene besprochen werden. Eine Teilnahme für nicht zuvor angemeldete Besucher ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Hier findet ihr den Antrag der Piratenpartei zur Verhandlung über die Annahme des E-Sport. Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Parlamentsdienstes des Abgeordnetenhauses (WPD) zur Thematik findet ihr hier.

Die Debatte löste in den vergangenen Monaten reges Interesse auf der gesamten Welt aus. Der Umgang mit Videospielen in Deutschland ist im Vergleich zu anderen Industrienationen recht eingefahren. In weltweit etwa 60 Ländern - darunter die USA, Frankreich, Brasilien, Großbritannien, Schweden, Südkorea und China - gilt E-Sport längst als offizielle und zum Teil finanziell vom Staat geförderte Sportart. Während eine hiesige Anerkennung auf Bundesebene noch unwahrscheinlich scheint, sind die Länder nicht an die Richtlinien des DOSB gebunden, weswegen eine Anerkennung in einigen Bundesländern bereits jetzt möglich wäre.

Während in Deutschland auf politischer- und Verbandsebene noch um die Rechtlichkeit des E-Sport gestritten wird, gehen Branchenvertreter in anderen Ländern bereits einen Schritt weiter. So versuchen zum Beispiel die Call of Duty - Black Ops 3-Entwickler von Treyarch den E-Sport langfristig als Disziplin der Olympischen Spiele zu etablieren. Hierzulande hat sich jüngst erst der Fußballverein Schalke 04 aus Gelsenkirchen eine "League of Legends"-Mannschaft gekauft und eine "E Sport"-Sektion für weitere Spiele gegründet. Der frei empfangbare Sender Pro Sieben Maxx hat ab nächster Woche eine regelmäßige "E Sport"-Sendung im Programm.

Am 19. Februar wurde zudem laut der englischsprachigen Seite der International E-Sport Federation (IeSF)von diesen ein Antrag beim Internationalen Olympischen Komitee eingereicht, damit dieses E-Sport anerkennt. Eine erste Bewertung ist für den 19. Dezember 2016 angesetzt.

Tags: E-Sport   Politik  

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