Fifa 17: Rassistische Kommentare wegen des Protagonisten

von Matthias Kreienbrink (06. Oktober 2016)

Die aktuelle Ausgabe der jährlich erscheinenden Fifa-Reihe - Fifa 17 - kommt mit einer Neuheit. Im Modus „The Journey“ können Spieler die Rolle von Alex Hunter übernehmen und ihn von seinen Anfängen als Arbeiterkind bis hin an die Spitze der Fußball-Tabelle begleiten. Doch ein Detail dieser Geschichte bringt einen Teil der Spieler in Rage: Der Protagonist ist nicht weiß.

Das englischsprachige Online-Magazin Vice berichtete vergangene Woche davon, dass es in diversen Kommentarbereichen zu Fifa-Artikeln zum Aufruhr kam.

Dort spiegelt sich in einigen Kommentaren ein Anspruchsdenken wider, das nicht gerade selten unter Videospielern zu finden ist. Es wird Kritik daran geäußert, dass Electronic Arts - der Entwickler hinter Fifa 17 - den Spielern keine Auswahl böte. Es sei nicht hinnehmbar, dass Spieler gezwungen würden, eine Figur zu spielen, die nicht weiß ist. Ein Kommentator etwa meint, dass eine "schwarze Stimme die Immersion" töten würde, es also unmöglich mache, sich in das Spiel hinein zu versetzen.

An dieser Stelle tut sich dem Autor dieses Textes wirklich die Frage auf, mit welchem selbstgefälligen, privilegierten Anspruchsdenken hier argumentiert wird. Seit Jahrzehnten kämpfen Personengruppen die - polemisch ausgedrückt - nicht weiß, heterosexuell und männlich sind, darum, auch in Videospielen eine angemessene Repräsentation zu finden. Geschätzte 90 Prozent der aktuellen Videospiele bieten - wenn es sich um einen festen Protagonisten handelt - eine Farb-Varietät zwischen Weiß und Beige. Und wer erinnert sich nicht noch daran, als sich weiße Männer darüber beschwerten, dass Uncharted 4 keine Auswahlmöglichkeiten bietet? Eben, niemand. Weil Nathan Drake weiß ist.

Denn darum geht es laut eigener Aussage den Entwicklern von Fifa 17: Sie haben sich bewusst für einen nicht-weißen Charakter entschieden, um eine ganz spezielle Geschichte zu erzählen. Freilich hätten sie dabei sehr viel mehr Risiken eingehen können, wird doch der nach wie vor vorkommenden Rassimus in Fußballstadien - wie etwa Affengeräusche, wenn ein schwarzer Spieler am Ball ist - komplett ausgeblendet.

Leider muss man dieser Tage in allen Kommentarbereichen des Internets - von Youtube über Facebook bis zu Online-Zeitungen und Fachmagazinen - mit offenem Rassismus rechnen. Das ist ein großes Problem, dem man sich stellen muss. Kommentare, in denen offen gegen Minderheiten gehetzt wird, gehören im besten Fall entfernt. Sollte das nicht passieren, so gibt es die Möglichkeit der "Counter Speech", also des Dagegen-Sprechens: Hass im Netz sollte nicht einfach so stehen gelassen werden.

Festzuhalten ist, dass diese Rarität der Charaktergestaltung in Videospielen wie Fifa 17 auch eine Möglichkeit sein kann: Das Durchspielen dessen, was der Spieler selbst nicht ist - in diesem Fall schwarz. Ebenso ist diese Inklusion natürlich auch ein schöner Fortschritt, denn eine Repräsentation der vermeintlichen Nicht-Norm tut dem Medium Videospiel sehr gut.

Tags: Politik  

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