Hier ein kleiner Leitfaden, der das Spiel mit der Seite des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) - so hieß es auch zu der Zeit schon, erleichtern soll. Die gemachten Erfahrungen wurden auf Level "Normal" gemacht und aufgrund der exponierten und zentralen Lage des Reiches in Europa habe ich die Hinweise in Abschnitte zur Nord-, Süd-, West- und Ostfront unterteilt. Am Ende kommt ein Allgemeiner Teil zu den Bereichen Politik, Religion, Handel und Taktik.
Nordfront:
Die nördliche Grenze des Reiches ist die kleinste, aber diejenige, die als erstes stehen sollte. Die im Wald versteckte Armee nahe Hamburg sollte direkt die spätere Hansestadt einnehmen. Mitunter kann es passieren, dass die in unmittelbarer Nähe stehende dänische Prinzessin mittels Bestechung/Charme die Armee noch vor der Einnahme der Stadt auflöst. Aber in 3 von 4 Versuchen misslingt dies.
Falls es funktioniert...neu starten. Der Verlust ist am Anfang nicht zu kompensieren und erlaubt es dem nördlichen Nachbarn Dänemark Hamburg zu besetzen und mit einem Fuß im Reich eine ernst zunehmende Gefahr zu sein.
Also: Hamburg erobern und mit der Armee, sobald das Volk beruhigt ist, nach Osten (Stettin, Magdeburg) weiter ziehen. Allgemein gibt es in der Anfangsphase des Spieles (ca. 15 - 20 Runden) selten Auseinandersetzungen mit europäischen Nachbarstaaten, da auch diese Reiche sich erst die Rebellenstädte einverleiben.
Prinzipiell ist es ratsam, im Laufe des Spieles Frontstädte in Burgen zu verwandeln und Burgen im Hinterland zu florierenden Städten zu machen, da Städte durch schon einfaches Belagerungsgerät schnell erobert werden können.
Ostfront:
Hier sollte das Hauptaugenmerk der Expansion in der Anfangsphase des Spieles liegen. Mit geschicktem Taktieren ist es möglich, Prag, Breslau, Magdeburg und Stettin zu erobern, bevor eine polnische Armee dazu kommt. Z.B. können Kleinsteinheiten (1 Bauerntrupp oder Stadt-Miliz) sich in den böhmischen Wäldern verstecken und so eventuelle polnischen Armeen im Vormarsch hindern.
Stettin und insbesondere Breslau sollten unbedingt zu Burgen umgebaut werden, Magdeburg und Prag zu Städten. Wien sollte trotz unmittelbarer Nähe zu Ungarn (und auch Venedig) Handelsstadt bleiben, da es sich mit den vielen Ressourcen höchst profitabel entwickelt. An der Ostgrenze sollten später auch 1-2 Wachtürme gebaut werden, damit man nahende polnische Armeen ausmachen kann und entsprechende Gegenmaßnahmen einleitet.
Die Verwendung von Wachtürmen sollte allerdings sparsam geschehen, da jeder Turm pro Runde 200 Gulden kostet. Unbedingt Kirchen in den neuen Ostgebieten bauen! Ansonsten taucht schnell die Inquisition auf.
Südfront:
Theoretisch ist der Standort Bologna ein äußerst riskantes Unterfangen...und der Kaiser sitzt mittendrin. Bedenkt man den Ärger, der einem dort erwartet, erscheint es ratsam, sich aus diesem Gebiet zurückzuziehen. Man kann trotzdem die Besitzungen in Norditalien zu einem Faktor für die eigene Vorherrschaft machen, wenn man behutsam vorgeht. Hier sollte man sich Anfangs auf eine reine Beobachterrolle einstellen.
Es erscheint jedoch ratsam, die nahe gelegene Stadt Florenz zu erobern und dort einige Milizen zu stationieren. Bologna selbst sollte zur gut ausgebauten Burg hochgerüstet werden, da einem dann die ungemein wichtige Kavallerie zur Verfügung steht und der Aufruhr-Bonus dieses ungemein aufsässigen italienischen Volkes geringer ausfällt. Schon nach den ersten Runden beginnt ein reges Treiben zwischen den Städten Mailand und Venedig, das bald in Aggression umschlägt.
Da geht es heiß her. Sobald Florenz einen Hafen hat und einem genügend Truppen zur Verfügung stehen, kann man versuchen, mit einer kleinen Truppe herkömmlicher Milizen nach Korsika (Ajaccio) und Sardinien (Carglia) überzusetzen und die Inseln einzunehmen. Zwecks Aufruhr-Bonus sollten beide Städte zu einfachen Holzburgen umgebaut werden. Sardinien ist mit einer Burg vielleicht besser beraten, da dann dort das Silber in Minen abgebaut werden kann - Handelsbonus.
Armeen bewegen sich in Medieval II Total War fast ausschließlich auf dem Landweg. Invasionen von Inseln werden von der KI nicht ins Auge gefasst, weshalb man mit Korsika und Sardinien regelmäßige und sichere Einkünfte hat.
Westfront.
Hier sollte schnellstmöglich versucht werden, die Holzburg Metz einzunehmen und auszubauen. Es stellt den Hauptverteidigungspunkt gegen den westlichen Nachbarn Frankreich dar. Bern, im Südwesten von Stauffen, ist mit fortgeschritteneren Einheiten eine härtere Nuss und wird höchstwahrscheinlich von Mailand erobert. Sollte es dann zum Krieg mit Mailand kommen, sollte dieser Vorposten in einem günstigen Moment unbedingt eingenommen werden.
Mit Metz und Bern an der Westfront kann Stauffen zur Reichs-Stadt ausgebaut werden. Auch hier sollte an einem vorgeschobenem Punkt ein Wachturm aufgestellt werden, um Truppenverschiebungen der Franzosen und von Mailand zu beobachten. Brügge und Antwerpen sind recht gut verteidigt und sollten erst nach der Anfangsphase ins Auge gefasst werden.
Allgemein: Politik
Die Politik ist im Mittelalter meiner Erfahrung nach keinen Pfifferling wert und alles andere als ritterlich. Kriegserklärungen werden banal durch das Ausführen von feindlichen Handlungen gemacht, d.h. dass man manchmal recht dumm aus der Wäsche guckt, wenn z.B. Frankreich plötzlich mit einer ordentlichen Armee eine Reichs-Burg oder -Stadt belagert und man keine Zeit zum Reagieren hat, um die Belagerung zu durchbrechen und die Eindringlinge zurückzutreiben.
Bündnisse, selbst durch königliche Heirat, sind demnach für die Katz. Auch der Grad der Beziehungen zu dem jeweiligen Land hat keinen Einfluss ob es zum Krieg kommt oder nicht. Somit ist der Diplomat eigentlich recht unnütz. Das Nützliche ist, dass man Handelsabkommen abschließt und durch den Tausch von Karteninformationen auf dem Stand der Dinge ist, wie die Machtlage der einzelnen Länder ist.
Geschuldet diesem sehr barbarischen politischen Verhalten muss die eigene militärische Taktik angepasst werden. Sollte es dann mit einem verfeindeten Land zu Waffenstillstandsverhandlungen (ausgehend von der anderen Seite) kommen, sollte das immer mit eigenen Forderungen verbunden sein. Die Einfachste und auch komfortabelste ist die Tributszahlung über mehrere Runden. Einfach testen, was der Gegner bereit ist auszuspucken.
Aber an die 5.000 - 10.000 Gulden insgesamt sind möglich. Abtretungen von Gebieten hängt von der eigenen Militärstärke ab...Ein bisschen Geld muss man in jedem Fall locker machen.
Allgemein: Militärische Taktik
Als gute Taktik zur Zurückschlagung feindlicher Invasionen hat sich der Rush mittels schwerer und leichter Kavallerie erwiesen. Dazu werden starke Reitereinheiten in Reichweite der zuständigen Gebiete stationiert. Wenn die Eingreiftruppen zu weite Entfernungen zu den Frontburgen haben (wie im Osten) sollten sie nahe der Grenze in Wäldern versteckt werden.
Ein Beispiel: die stationierte Kavallerie in Stauffen wäre für die Gebiete Bern und Metz zuständig. Sollte Metz oder Bern angegriffen werden, rücken die Truppen mit einem General an der Spitze aus und greifen die feindlichen Einheiten an. Dabei ist zu beachten, dass der anschließende Kampf unbedingt selbst ausgeführt wird, da bei der KI-Berechnung wohl die reine Truppenanzahl gegengerechnet wird.
Somit wäre eine Belagerungsarmee mit 400 Leuten (mit leichter Inf., Bogenschützen, Belagerungsmannschaften und Kavallerie) immer der Sieger gegen 200 Berittene. Im manuellen Kampf sieht das allerdings ganz anders aus. Ein klassischer Zangenangriff macht aus der 400-Mann-Armee in Sekundenschnelle einen fliehenden Haufen. Sobald der feindliche General ausfindig gemacht ist, 2 Einheiten schwerer Kavallerie von der Hauptmacht abzweigen und auf den General hetzen...
Ist der am Boden ist es auch die gegnerische Moral. Fliehende Einheiten sollten unbedingt mit der Reiterei verfolgt und zerstört/gefangen genommen werden. Mit etwas Übung dabei hat man vielleicht 50 Gefallene...aber die gegnerische Armee ist aufgerieben. Die Gefangenen können gegen Lösegeld freigelassen werden. Geringe Summen (bis 1.000 Gulden) werden vom Gegner auch gezahlt, höhere Summen (über 1.000 Gulden) können nur selten gezahlt werden, da die KI sehr wenig spart.
Das ist insofern tragisch, wenn man wichtige Persönlichkeiten gefangen nimmt und diese wegen nichtgezahltem Lösegeld hinrichten muss. So kam es bei mir vor, dass die komplette veneziansiche Führungsriege (Doge, Erbe und Familienmitglied) auf der Bank mit dem Fallbeil endete, weil die verlangten 17.000 Gulden nicht aufgebracht werden konnten. Da hätte eine Ratenzahlung, ähnlich wie bei der Diplomatie, von den Entwicklern eingebaut werden sollen.
Persönlichkeiten können auch freigelassen werden, was den Ritterlichkeitsfaktor des Generals und die Beziehungen zum Gegner erhöht. Da die Beziehungen aber eh schnuppe sind... Wichtig ist, dass diese Eingreiftruppen nur aus Kavallerie bestehen, da sie eine größere Reichweite haben und wesentlich schneller als Fusstruppen sind.
Allgemein: Handel und Aufrüstung
Städte sollten unbedingt immer den Fokus auf hohe Einkommen haben. Wenn möglich, sollte in jeder größeren Stadt ein General sein, mit dem man die Steuerleiste regeln kann. Ackerbau- und Handelsgebäude wie Märkte, Minen und Strassen sollten immer vorrangig gebaut werden, da sie die Einnahmen erhöhen. Sobald eine Stadt wächst, sollte man die Stadtmauern erweitern, damit die neuen Gebäude freigeschaltet werden.
Das Thema Kaufmannshandel hat zwei Seiten. Zum einen verbessern Kaufmänner, auf eine wertvolle Ressource gestellt, das Handelsvolumen und ihre Fähigkeiten und somit die Einnahmen verbessern sich mit der Zeit. Auf der anderen Seite sind sie dann Freiwild für gegnerische Kaufmänner. Sobald sich einer deiner unerfahrenen Kaufmänner mit dem Handel einer Ressource beschäftigt, stürzen sich andere Kaufleute auf ihn und wollen seine Besitztümer übernehmen.
Das ist wie ein Ein/Aus-Schalter. Rauf auf die Ressource - Die Kaufleute kommen, Weg von der Ressource - Die Kaufleute gehen wieder ihren Weg. Insbesondere gegen fortgeschrittene Handelsnationen wie Venedig, Mailand und Byzanz wird das zum Katz-und-Maus-Spiel. Sobald ein Kaufmann über 3 Fähigkeitspunkte verfügt, wird er in Ruhe gelassen. Insbesondere die Ressourcen bei Wien bringen gut Geld, da sie sehr weit von der Hauptstadt Frankfurt entfernt sind.
Ressourcen auf Inseln sind ideal für Kaufmanns-Anfänger, da kein Händler auf Inseln kommt. Im fortgeschrittenen Spiel werden Gilden für die Städte angeboten zu bauen. Zuerst sind es vorrangig Diebes- und Kaufmannsgilden. Diebesgilden verbessern die Fähikeiten von Spionen, was die aber selbst recht schnell lernen. Diebesgilden sind also nicht zu empfehlen. Kauffmannsgilden verbessern deine Kaufmänner bei der Ausbildung...muss man selbst wissen.
Unbedingt bauen sollte man eine Gilde des deutschen Ritterordens, wenn möglich. Die dort erwerbbaren Überschweren Deutschritter kosten zwar mehr als normale Schwere Reiter, sind aber kaum klein zu kriegen...der Königstiger unter den Reitern sozusagen. Ausserdem kosten sie im Unterhalt genauso viel wie Panzerreiter.
Allgemein: Religion und Kreuzzug
Dem Thema Religion wird in dem Spiel relativ viel Bedeutung beigemessen. Heidnische oder ungläubige Städte/Burgen sollten so schnell wie möglich eine Kirche/Kapelle verpasst bekommen. Einige Gebiete in Europa, die für das Reich von Belang sind, sind noch sehr heidnisch und sollten zusätzlich mit einem Priester ausgestattet werden, um den katholischen Glauben schnell zu verbreiten.
Dies ist insbesondere die Ostgebiete, Korsika und später dann Brügge/Antwerpen. Auftretende Ketzer sollten mit Kardinälen oder recht frommen Priestern angeprangert werden. Nicht so fromme Priester werden schnell ebenfalls zu Ketzern, falls sie das versuchen.
Kreuzzüge bringen prinzipiell wenig. Der Kaiser oder sein Erbe werden als fähige Generäle mit einer starken Armee dazu verdonnert, eine Stadt am anderen Ende der Welt zu erobern, die von Türken und Ägyptern umringt ist. Einen langfristigen Erfolg verspricht der Eroberungszug nicht. Viel zu weit von der eigenen Hauptstadt entfernt und mit einem andersgläubigen Volk dauert es eine Weile, bis dort Friede herrscht.
Das eigentlich schwierige ist, dass man sich in ein Schlangennest setzt. Von allen Seiten lauern die Feinde. Sobald die Stadt erobert ist, brechen auch alte Feindschaften unter den Europäern im geheiligten Land auf und machen das Leben schwer. Nichtteilnahme am Kreuzzug wird vom Papst mit Missgunst bestraft. Ist das eigene Ansehen jedoch hoch genug, kann man sich das leisten. Wenn nicht...dann empfiehlt es sich, möglichst spät am Kreuzzug teilzunehmen.
Dann sind schon alle anderen Kreuzfahrerstaaten auf dem Weg und mit etwas Glück erobern die das Ziel recht schnell, so dass man auf halben Weg umkehren kann. Wenn nicht, heißt die Devise Hit and Run - Erobern und sofort wieder verschwinden. Vorzugsweise per Schiff und am Ende jeder Runde an Land gehen, da beim Verlust der Flotte durch Seegefechtniederlage auch die Truppen nebst Kaiser untergehen.
Ein guter Rückzugsweg ist über Zypern und die griechischen Inseln zurück nach Italien.
Mit all diesen Tipps und Kniffen ist es möglich, das Heilige Römische Reich nach allen Seiten abzusichern und auszudehnen.