Dieser eine Moment: Als mein Bruder in Die Sims unter der Dusche heiratete (Kolumne)

von Michael Sonntag (Dienstag, 30.04.2019 - 16:35 Uhr)

Die Sims wirbt zwar mit einer Realitätssimulation, aber eigentlich ging es mir darin nur darum, alle möglichen absurden Situationen zu erleben, die im echten Leben so niemals geschehen würden - wie die Dusch-Hochzeit meines Bruders zeigt.

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Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Unser zweites, absurdes Leben

Sich selbst, seine Familie und dutzende Wunschmenschen in Die Sims zu entwerfen, war zwar immer spaßig und kreativ, machte aber bestimmte Spieler (wie mich) auf Dauer ziemlich einsam. Schließlich konntet ihr in der ursprünglichen PC-Fassung euer wundervolles Reich mit keinem anderen Spieler teilen - bis endlich die Versionen für die Konsolen herauskamen und einen Splitscreen-Koop-Modus hinzufügten.

Hierbei wird mir und meinem Bruder stets Die Sims 2 für PlayStation 2 im Gedächtnis bleiben. Statt nur in einem selbsterstellten Haus vor sich hinzusimsen, gibt es dort eine Kampagne, bei der ihr einmal quer durch die Stadt ziehen und allen Bewohnern helfen müsst. Die ohnehin vorprogrammierte Situationskomik steigert sich hier ins Hundertfache, wenn ihr zum Beispiel heute auf einem Western-Filmset seid und morgen bei einem Alien-Paar übernachtet.

Aber den meisten Sims-Spaß verdanke ich meinem Bruder, der sich im Spiel verpeilter und witziger als jeder Sitcom-Schauspieler verhielt. Während ich auf der Arbeit schuftete, schlief er beispielsweise neben dem Pinball-Automaten, ließ das Wohnzimmer abfackeln, kaufte sich hässliche Flamingos für seinen Vorgarten und fing Beziehungen mit allen möglichen NPCs an.

Hunderte Geschichten könnte ich erzählen, heute bleibe ich aber bei der für uns besten: Das Spiel führte uns irgendwann zu einer Herberge, die von einem alten, störrischen Mann geleitet wurde. Zu seinen Gästen gehörten ein Mann und eine Frau.

Die Herausforderungen vor Ort waren schnell erfüllt - der Besitzer musste zu drei Menschen extrem unfreundlich sein -, also erklärte ich meinem Bruder, dass wir am nächsten Morgen wieder abreisen würden und er hier bitte keine großen Blödsinnprojekte mehr starten solle. Er hielt sich nicht daran, und eigentlich war meine Ansage auch der Auslöser für alles Kommende gewesen.

Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, mit der erwähnten Frau vor der Abreise noch schnell eine Beziehung anzufangen. Zu dumm nur, dass es zwei Uhr nachts war und sie eigentlich ins Bett wollte. Nachdem die beiden bereits Freunde waren, weil er ihr fünf Portraits gemalt hatte, fiel sie vor Müdigkeit in Ohnmacht.

Alex, lass sie doch in Ruhe“, sagte ich, aber er hatte sie - nach einem kurzen Charakterwechsel - bereits mit zwei Kaffee wieder munter gemacht. „Du willst morgen ja schon weg, aber sie ist die Frau meines Lebens“, erklärte er theatralisch, während ich schnaufte und mein Sim brav im Bett schlief.

Ein paar Minuten später, ich hatte gerade ein paar Fähigkeitenpunkte gecheckt, schrie mein Bruder plötzlich: „Komm schnell in die Dusche! Ich will, dass du dabei bist!“ Und als ich ankam, hatte die Frau gerade erst die Dusche verlassen, während der Sim meines Bruders schon auf die Knie ging, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Ein Pfarrer tauchte aus dem Nichts auf, der cholerische Herbergsbesitzer ebenfalls und schon war aus dem Bad eine Kirche geworden.

Es war eine schöne Feier gewesen. Vor allem der Hochzeitstanz zwischen all den Pfützen hätte genügend Stoff für ein kitschiges Portrait geboten, das mein Bruder hätte zeichnen können. Der frische Bräutigam war etwas geknickt, als wir kurze Zeit später ins Taxi stiegen und weiterfuhren.

Für einen Moment dachte ich, dass er das Spiel und seine Figur ab jetzt etwas ernster nahm, aber dem war nicht so. In einer anderen Spielsession baggerte er nämlich gerade eine andere Person an, als plötzlich seine Frau auftauchte und ihn ohrfeigte. „Warum schlägt sie mich? Wer bist du? Was habe ich dir getan? Michael, hilf mir!“, flehte mein Bruder, während ich lachend Klavier spielte.

Hat euch die Geschichte gefallen? Habt ihr ähnliche oder noch lustigere Erfahrungen mit Die Sims gemacht? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Wir freuen uns auf eure Antworten.

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Tags: Dieser eine Moment  

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