Vertriebsmodell: Wie könnte eine Flatrate à la Netflix für Games aussehen?

(Special)

von Ove Frank (05. Mai 2019)

Gaming wächst und wächst. Ebenso wie Film und TV kommt es allmählich in der Mitte der Gesellschaft an, und damit einhergehend stellen sich Fragen, wie man auch in Zukunft diesem Medium begegnen und wie man es repräsentieren kann.

Der Erfolg von Streaming-Plattformen für Filme und Serien ist in den letzten Jahren geradezu durch die Decke gegangen, und das ist auch nachvollziehbar. Zu groß ist die Versuchung sich einfach zu Hause von der Couch aus spontan eine neue Serie zum "Bingen" herauszupicken, oder sich einen gemütlichen DVD-Abend mit Freunden zu machen, bloß eben ohne DVD.

Und für einen überschaubaren Preis steht euch bei Netflix, Amazon und ähnlichen Anbietern ein schier unendliches Angebot zur Verfügung. Allein Netflix kommt auf etwa 150 Millionen Kunden, wobei diese Zahl stetig ansteigt. So ist Netflix nicht nur finanziell zu einem Global Player geworden, sondern auch ihre Eigenproduktionen erhalten immer mehr Zuspruch.

Galten von den Streamingplattformen produzierte und nicht primär fürs Kino gedachte Filme bei Kritikern als verpönt, so konnten auch solche nach und nach durch Qualität überzeugen. Zuletzt gewann die Netflix-Produktion Roma in gleich drei großen Kategorien den Oscar (bester fremdsprachiger Film, beste Regie und beste Kamera) und wurde für sieben weitere nominiert. Dies war wohl die finale Bestätigung: auch Streaming-Anbieter sind inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen!

Zehn Oscar-Nominierungen, dreifacher Preisträger: Die Netflix-Produktion Roma kann mit großen Kinofilmen mithalten.Zehn Oscar-Nominierungen, dreifacher Preisträger: Die Netflix-Produktion Roma kann mit großen Kinofilmen mithalten.

Nun erscheint es doch als logischer Schritt, dass ein entsprechendes Pendant auch für den Gaming-Markt erscheint. Ein Angebot, in dessen Rahmen man einen monatlichen Beitrag zahlt, um dann frei aus einer breitgefächerten Bibliothek auszuwählen. Ähnliche Formate existieren bereits: PlayStation Plus, zum Beispiel, welches für seine Abonnenten nicht nur Rabatte auf ausgewählte Spiele bereithält, sondern auch monatlich neu einige Spiele „gratis“ zum Download anbietet.

Als wirklich ideal erscheint dieses Modell jedoch nicht. Spieler beschweren sich unter anderem über die mangelnde Transparenz, dass man nicht weiß, welche Spiele wann gratis angeboten werden, und dass diese Angebote nur temporär bestehen.

Mai 2019: Diese Spiele gibt es aktuell für Abonnenten von PS Plus

Hier stellt sich die Frage: wie könnte so ein „Flatrate-Service“ für Spiele aussehen? Das derzeitige Abo-Modell von PS Plus erscheint für den Anfang als gar nicht so schlecht. Dass ihr als Kunde aus Varianten wählen könnt, die ihr monatlich, vierteljährlich, oder volljährlich zu gestaffelten Preisen bezahlt, ist ein guter Anfang, um einen angenehmen Einstieg zu ermöglichen.

Zur Verfügung gestellt würde dann eine umfassende Bibliothek an Games, welche von der jeweiligen Plattform angeboten werden, die ihr gratis herunterladen und spielen könnt, solange ihr das Abo bezahlt. Solltet ihr das Abonnement nicht verlängern, so würden bereits heruntergeladene Spiele auch nicht mehr spielbar sein. Hier sollte am besten noch eine Möglichkeit herausgearbeitet werden, dass ihr die Spiele theoretisch auch offline abrufen und spielen könnt, ohne dass die Anwendungen gesperrt würden.

Nun gilt es auch den nötigen Content unterzubringen. Ein erster Anbieter, welcher nach so einem Format arbeiten könnte, wäre beispielsweise Steam. Ähnlich wie bei Amazon wäre neben dem herkömmlichen auch ein Premium-Account denkbar, worüber auf die Spielbibliothek zugegriffen werden kann. So könnten jene, die kein „Steam-Prime“ haben auch auf das bereits bestehende Angebot zurückgreifen und würden nichts verlieren.

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Würde nun Steam nach einem solchen Modell handeln, so würde sich auch die Spielelandschaft ändern. Eher untypische Spiele, welche normalerweise nicht die großen finanziellen Möglichkeiten bekämen, könnten hier wesentlich stärker gefördert werden, da ihre reinen Verkaufszahlen nur sekundär wichtig wären - die Plattform hätte ja ohnehin ein monatliches Einkommen.

Eine vermeintlich negative Konsequenz aus dieser neuen Stufe des Gaming-Angebots könnte aber auch jene sein, dass Publisher ihre eigenen Flatrate-Plattformen bilden und den gleichen Schritt gehen wie es Disney mit „Disney+“ in der Film- und Serienwelt tut. So würden dann große Anbieter wie EA und Ubisoft lediglich die eigenen, unter ihrer Schirmherrschaft veröffentlichten Spiele anbieten und diese über keine weiteren Plattformen nutzen lassen.

Um theoretisch alles spielen zu können, müsstet ihr also mehrere Abonnements haben, sofern ihr die Spiele, welche ihr spielen wollen würdet, nicht auf herkömmliche Weise kauft. So würde der normale Absatzmarkt wohl nicht allzu sehr geschwächt werden, denn Spieler werden vermutlich immer bereit dafür sein, für besondere Spiele auch den Ladenpreis zu zahlen.

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