World of Warcraft: Wer spielt es noch, und warum?

(Special)

von Ove Frank (19. Mai 2019)

World of Warcraft: Auf seinem Höhepunkt, zum Zeitpunkt des Endes des Add-Ons Wrath of the Lich King, hatte das Spiel über zwöf Millionen Abonnenten und war mit einem jährlichen Umsatz von über einer Milliarde US-Dollar das kommerziell erfolgreichste Spiel der Welt. Seit Jahren nehmen die Nutzerzahlen aber stetig ab. Mit WoW Classic kommt nun eine Neuauflage des Ursprungspiels. Die Frage ist, wer spielt das Spiel noch und warum?

WoW - Battle for Azeroth: Der Trailer zur jüngsten Erweiterung

Für den 27. August 2019 hat Blizzard vor kurzem bekanntgegeben, dass World of Warcraft - Classic, die Neuauflage des Ursprungspiels vor all den Add-Ons, erscheinen soll. Vorgeblich ist dies die Reaktion auf die hohe Nachfrage der Spieler, dahinter mag aber noch mehr stecken: Finanzielle Notwendigkeit.

Wie viele zahlende Nutzer WoW derzeit hat ist schwer zu sagen. Die letzte offizielle Aussage zu den aktiven Nutzern stammt aus dem Jahr 2015, wonach das Spiel zu dem Zeitpunkt des Endes von Warlords of Draenor über 5,5 Millionen Abonnenten hatte. Ein herber Einbruch im Vergleich zu Wrath of the Lich King aus dem Jahre 2010.

Eine weitere Zahl, die als Indikator dienen kann, ist die offizielle Verkaufszahl der letzten Erweiterung Battle for Azeroth. Diese hatte sich bis zum Launch-Tag mehr als 3,4 Millionen Mal verkaufen können. Damit war es bis dato das erfolgreichste Add-On von WoW an einem Launch-Tag.

Die offiziellen Abozahlen bis zum Ende von Warlords of Draenor

Das hört sich doch soweit wieder ganz gut an, oder? Nun, jein! Zwar hatte es einen starken Anfang, das heißt aber nicht, dass man dadurch einen klaren Rückschluss auf die aktuelle Abonnentenzahl hätte.

Quelle: Buffed.de

Wie viele Nutzer das Spiel nun neun Monate nach Erscheinen der neuesten Erweiterung hat, das weiß nur Blizzard, und die lassen dahingehend keine Informationen nach Außen dringen. Man will sich nicht in die Karten blicken lassen.

Tatsächlich wird davon ausgegangen, dass es derzeit deutlich weniger zahlende Abonnenten gibt als die 3,4 Millionen am Launch-Tag von Battle for Azeroth. Der Reddit-User Arkey_ hat mit Hilfe von Google Trends eine Support-Vector-Machine darauf trainiert WoWs Nutzerzahlen zu analysieren.

Das Ergebnis ist kein schönes: Demnach hätte Battle for Azeroth Anfang des Jahres wohlmöglich nur etwas mehr als zwei Millionen Nutzer gehabt. Diese Zahl klingt verheerend, wobei natürlich angemerkt werden muss, dass die von Arkey_ erarbeiteten Zahlen nicht zwingend stimmen müssen.

Allerdings ähneln die Daten, die dieser ermittelt hat denen sehr, die Blizzard bisher bekanntgegeben hat. Betrachtet man die Rezensionen und die allgemeine Stimmung der Community, kommt man nicht umhin, diese Zahlen durchaus ernst zu nehmen.

Abbozahlen laut User Arkey_ (mittels Google-Trends):

Quelle: Buffed.de

Battle for Azeroth ist das bisher deutlich am schlechtesten bewertete WoW-Add-on, wobei auch hier die Bewertungen erst am Ende der Erweiterung wirklich zählbar sind. Warum World of Warcraft einfach nicht mehr so zu ziehen scheint, ist gar nicht so einfach zu erklären.

Zum einen mag es sein, dass die Spielwelt die Spieler nicht mehr so abholt wie früher. Nach über 14 Jahren sind die Nutzer einfach müde und übersättigt, was irgendwann auch ein neues Add-on auf Dauer nicht länger zu ändern vermag.

Auch ist der Gaming-Markt in den letzten Jahren so sehr explodiert, dass passionierte Spieler einfach nicht mehr dazu kommen alles zu spielen und die Prioritätenliste sich verändert. Der MMORPG-Klassiker wird dann von den Spielern eher zurückgestellt, da sie diese Welt schon zu kennen glauben. Was nicht zwingend bedeutet, dass sie diese ablehnen.

Die Rückkehr von WoW-Classic

Als besonders interessant erscheint die Sache mit Classic. Wieso kommt jetzt das gleiche Spiel auf dem Stand von Patch 1.12 heraus? Nun, die Kraft der Nostalgie solltet ihr niemals unterschätzen! In den vergangenen Jahren hat Blizzard dafür gesorgt, dass mehrere große Privatserver geschlossen wurden.

Viele Spieler wünschen sich die "gute alte Zeit" zurück, als Ragnaros noch der härteste Boss war.Viele Spieler wünschen sich die "gute alte Zeit" zurück, als Ragnaros noch der härteste Boss war.

Diese hatten unter privater Leitung frühere Versionen des Spiels, wie eben Vanilla, oder das sehr beliebte Wrath oft he Lich King gegen einen kleinen Obulus oder gar gratis zum Spielen angeboten, was natürlich gegen das Urheberrecht verstieß.

Diese Privat-Server waren durchaus beliebt und der Aufschrei nach deren Schließungen war dementsprechend groß. Viele Leute wollen nun mal das Feeling von früher haben. Damals, als das Leben noch einfacher war. Man war vielleicht noch Schüler, oder junger Erwachsener ohne die ganz großen Sorgen.

In 14 Jahren hat sich so einiges verändert.In 14 Jahren hat sich so einiges verändert.

Nun, viele Jahre später sind die Leute erwachsen, viele haben einen unbefriedigenden Beruf, oder gar Kinder, die natürlich Aufmerksamkeit benötigen. Die Nostalgie lässt euch gar über grafische Mängel oder alte Bugs hinwegsehen, da das übergeordnete Gefühl noch eines der schönen Leichtigkeit ist.

Es gibt allerdings auch jene unter euch, die sich nach der Herausforderung zurücksehnen, an eine Zeit, in der das Spiel eben nicht jedem einfach zugänglich war und jene, die nicht so fit waren eben nicht an die Hand genommen hat. Der Reiz der Herausforderung ist unter Spielern durchaus verbreitet.

All dies sind potenzielle Nutzer, die das Abonnement des Hauptspiels gerade wohl eher nicht laufen lassen. Diese potenziellen Kunden will Blizzard natürlich abholen, weshalb das Angebot von World of Warcraft Classic wohl nur eine Frage der Zeit war.

Wer spielt aktuell noch WoW?

Die neueste Erweiterung hat mit viel Gegenwind zu kämpfen.Die neueste Erweiterung hat mit viel Gegenwind zu kämpfen.

So viel zum Thema, wer derzeit alles eben nicht World of Warcraft - Battle for Azeroth spielt. Aber wie sieht es mit jenen mindestens zwei Millionen Spielern aus, die es doch tun? Was motiviert sie weiterhin dazu, den neuen Gebieten einen Besuch abzustatten?

Die Antwort ist eigentlich recht simpel. Über die ganzen Beschwerden, die ihr online lesen könnt, von wegen „früher war alles besser“, „das Spiel ist viel zu leicht“, „heute ist alles lame“ und so weiter, vergisst man schnell, dass World of Warcraft aktuell immer noch ein sehr gutes Spiel ist!

Es gibt eine riesige Spielwelt mit einer tiefen und faszinierenden Lore aus Geschichten und spannenden Völkern, in der ihr euch richtig verlieren könnt. Das Warcraft-Universum ist eine der reichhaltigsten Fantasy-Welten der Gegenwart und darüber hinaus.

Die Spielwelt wächst immer weiter.Die Spielwelt wächst immer weiter.

Und selbst für diejenigen, die sich für die Geschichte innerhalb des Spiels nicht allzu sehr interessieren, gibt es immer noch ein sehr diverses Gameplay, mit vielen verschiedenen Klassen und Skillungsmöglichkeiten.

Ihr könnt euren ganz eigenen Charakter erstellen, und dies immer noch besser als in so manch anderen modernen Alternativen. Niemand schreibt euch wirklich vor was ihr zu tun habt, ihr seid weitestgehend frei in dem was ihr tut, und zudem kommt eine nicht zu unterschätzende soziale Komponente hinzu.

Denn selbst „nur“ zwei Millionen Spieler ist immer noch eine ganze Menge. Auch heute werden über das Spiel noch regelmäßig Freundschaften geschlossen und die Spieler gehen in ihren virtuellen Rollen und Beziehungen geradezu auf. Und wer diese Kontakte für dumm hält, selbst aber mehrere 100 „Freunde“ über soziale Netzwerke hat, dem geht anscheinend die Fähigkeit zu differenzieren ab.

Werden nun die aktuellen Abonnenten und diejenigen von euch zusammengezählt, die WoW-Classic bevorzugen, dann dürfte das Ergebnis doch größer ausfallen als zunächst angenommen. Letzten Endes spielt ihr alle das gleiche Spiel, nur eben verschiedene Versionen davon. Zu sagen, dass WoW selbst nicht mehr interessiert, ist also nicht richtig.

Wer heutzutage noch WoW spielt, muss sich nichts vorwerfen lassen. Kritik sollte zwar angebracht sein, aber dadurch müsst und solltet ihr euch das Spiel nicht kaputt machen lassen. Wir alle spielen doch Spiele überwiegend aus einem Grund: Weil wir Spaß dran haben! Und an einem guten MMORPG Spaß zu haben ist doch eine tolle Sache!

Letzten Endes hat World of Warcraft immer noch Millionen von Fans, mehr als ihr vielleicht glaubt. Nur, weil es aktuell nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, heißt es nicht, dass es weg vom Fenster ist. Es wird spannend sein zu sehen, was der Start von WoW-Classic bewirken wird.

Aber genug von meiner Meinung. Was meint ihr? Interessiert ihr euch noch für WoW oder spielt ihr es sogar? Oder ist das nichts (mehr) für euch? Und wohin, meint ihr, wird es für WoW in Zukunft gehen? Lasst uns darüber doch gerne mal in den Kommentaren diskutieren.

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