Test Total War - Three Kingdoms: China-Strategie für Fortgeschrittene

von Olaf Bleich (17. Mai 2019)

Mord, Intrigen und gewaltige Armeen: In Total War - Three Kingdoms trachtet ihr nach dem Kaiserthron im alten China. Unser Test verrät, wieso Total War - Three Kingdoms zwar ein erstklassiges Strategiespiel, aber längst kein Zeitvertreib für jedermann ist.

Was für ein Herrscher würdet ihr sein: Weise und friedfertig oder ruchlos und brutal? In Total War - Three Kingdoms lebt ihr beide Seiten aus. Nach dem Ausflug ins Warhammer-Universum wagt sich Entwickler Creative Assembly ins alte China: Das Kaiserreich liegt in Trümmern und ihr sollt es wieder vereinen.

Total War - Three Kingdoms bietet in der Kampagne gleich zwei Spielvarianten: Die Geschichte und die Aufzeichnungen der drei Reiche. Diese Wahl bestimmt etwa die Rolle der Generäle: In den romantisierten Geschichten sind sie wahre Superhelden und tragen sogar Duelle aus. In den Aufzeichnungen dagegen besitzen sie wie in früheren "Total War"-Spielen eher unterstützenden Charakter.

Total War - Three Kingdoms ist ein Zeitfresser: Zwölf Feldherren mit unterschiedlichen Eigenschaften, Startbedinungen und Tugenden warten auf euch. Vom auf Einigkeit bedachten Liu Bei bis zum Tyrannen Dong Zhou sind alle Herrschertypen vertreten. Eure Aufgabe: Erkämpft euch euren rechtmäßigen Platz auf dem eisernen ... äh, auf dem Kaiserthron Chinas.

Ein ganzes Reich in eurer Hand

Creative Assembly bleibt seinen bisherigen Serienteilen treu und verbindet Echtzeit-Schlachten mit dem rundenbasierten Aufbau des eigenen Königreichs. Gerade zu Beginn leidet das Spiel aber unter seinem ungewohnten Szenario und den teils überladenen Menüs. Trotz Tutorials, Beraterin und Hilfefunktionen könntet ihr euch hier oft überfordert fühlen.

Die gelben Turbane blasen zum Angriff!Die gelben Turbane blasen zum Angriff!

Die gewaltige Karte umfasst mehr als 90 Gebiete, die es zu erobern gilt. Eure Komtureien - also Verwaltungsgebiete - baut ihr mit der Zeit aus und unterstützt so Wirtschaft und Industrie. Nahrung fungiert in Total War - Three Kingdoms als wichtigste Ressource: Eure Bewohner wollen Essen und eure Truppen benötigen Reserven, um auf dem Schlachtfeld volle Leistung zu bringen. Der Aufbaupart erweist sich als motivierend, da mit zunehmender Spielzeit deutlich wird, wie die Zahnräder ineinander greifen.

Das Entwickler-Team baut aber vor allem die Globalstrategie aus: Die Diplomatie spielt eine wichtige Rolle. So schließt ihr Handelsverträge und Nichtangriffspakte oder tretet Fraktionen bei. Abhängig von eurem Führungsstil gewinnt oder verliert euer Hauptcharakter an Glaubwürdigkeit. Diese nutzt ihr, um positiv oder negativ Einfluss auf eure Mitstreiter zu nehmen. So könnt ihr etwa Ultimaten stellen, Intrigen spinnen und natürlich auch bestehende Bündnisse brechen. Die Computer-Generäle agieren in der Regel nachvollziehbar.

Die Darstellung der gewaltigen Schlachten erfordert einen leistungsstarken Rechner.Die Darstellung der gewaltigen Schlachten erfordert einen leistungsstarken Rechner.

Das Verhandlungswerkzeug erweist sich indes als komplex, aber durchaus verständlich. Rote beziehungsweise grüne Zahlen zeigen an, ob eure Offerte eine Chance hat. Im besten Fall stellt ihr euch sogar so gut mit anderen Parteien, dass euch deren Anführer nach ihrem Tod ihr Land vermachen. Und sollten mal alle Stricke reißen, entsendet ihr einfach erfahrene Spione und lasst sie die Drecksarbeit erledigen.

Von Helden und gewaltigen Schlachten

In Total War - Three Kingdoms kämpfen eure Generäle nicht nur auf dem Schlachtfeld. Sie sind echte Charaktere - fast wie in einem Rollenspiel. Sie besitzen eigene Talentbäume und tragen bis zu fünf Unterstützungsobjekte mit sich, die ihre Eigenschaften verändern. Dazu übernehmen sie auch Posten in eurem Hofstaat oder als Verwalter von Komtureien. Auch sie bringen euch zusätzliche Boni und stärken so das Reich.

Mit regelmäßigen Reformen schaltet ihr zudem neue Einheiten und Gebäude frei. Der Spielfortschritt ist klar erkennbar. Ebenfalls schön: Die Computer-Gegner schlafen nicht. Sie paktieren, streiten und machen euch sogar zum Ziel gemeinsamer Angriffe.

Die Echtzeit-Schlachten inszeniert Creative Assembly weiterhin mit viel Wucht und Pomp. Ihr zieht also Bogenschützen, Milizen und Kavallerie-Einheiten über die Karte und bestimmt Formationen oder Angriffstaktik. Faktoren wie etwa Schnee spielen ebenso eine Rolle wie die Moral und der Zustand der Truppe. Die Gefechte stagnieren auf gewohnt gutem Niveau und sind klasse spielbar. Leider gibt es in Total War - Three Kingdoms lediglich Festland-Szenarien und entsprechend Gefechte auf dem Feld beziehungsweise bei Belagerungen. In diesem Bereich hatten andere Serienableger - begründet im gewählten Szenario - mehr zu bieten.

Meinung von Olaf Bleich

Creative Assembly macht es mir nicht gerade leicht: Die ersten Stunden mit Total War - Three Kingdoms sind schwerer Stoff. So viele unbekannte Namen und neue Funktionen - In Verbindung mit der teils unübersichtlichen Menüführung habe ich mehr als ein Mal laut geflucht. Doch mit der Zeit lernte ich Three Kingdoms schätzen und lieben. Es ist ein Stragiespiel für Fortgeschrittene und all jene, die sich in die fremde Materie einarbeiten möchten.

Habt ihr die hohe Einstiegshürde genommen, entfaltet das China-Abenteuer sein volles Potenzial: Ihr spinnt Intrigen, plant Feldzüge und erobert Stück für Stück das Land. Das motiviert. Gerade die Neuerungen im Diplomatiesystem und die Organisation des eigenen Reichs machen den Reiz aus. Während die Schlachten auf gutem Niveau stagnieren, tobt ihr euch in der Globalstrategie so richtig aus.

Total War - Three Kingdoms ist kein Spiel für zwischendurch und längst nicht so zugänglich wie etwa ein Anno 1800. Aber wollt ihr euch mal wieder in einen Strategiebrocken hineinbeißen, seid ihr hier genau richtig. Ich jedenfalls freue mich auf meinen nächsten Feldzug. Vielleicht probiere ich mal Tyrann Dong Zhuo aus!

88 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Komplex, vielschichtig und wenig einsteigerfreudlich: Gebt Total War - Three Kingdoms Zeit und es überzeugt mit unglaublicher Tiefe und vielen Möglichkeiten.

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Tags: Singleplayer   Multiplayer  

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