Test Observation: Mysterium im Weltall mit Stolpersteinen

von Olaf Fries (21. Mai 2019)

Entwickler No Code und Publisher Devolver Digital zeigen mit Observation einen neuen Blickwinkel im Weltall auf. Neben einem weitestgehend positiven Eindruck hinterlässt Observation aber auch einen faden Beigeschmack.

Dr. Emma Fisher und S.A.M. wissen noch nicht was auf der Observation vor sich geht.Dr. Emma Fisher und S.A.M. wissen noch nicht was auf der Observation vor sich geht.

Observation ist ein Sci-Fi-Thriller auf den Spuren von Dr. Emma Fisher bei der Aufklärung der mysteriösen Ereignisse rund um und die Crew der namensgebenden Weltraumstation Observation. Spieler werden in die Sicht der Künstlichen Intelligenz S.A.M. auf der Station versetzt. In dieser Rolle übernehmt ihr verschiedene Elemente wie Kameras und Werkzeuge innerhalb der Station, um Emma auf der Suche nach der verschwundenen Crew zu unterstützen.

Die Geschichte und die eindringliche Atmosphäre sind die stärksten Punkte von Observation. Das Mysterium um die Crew und die seltsamen Ereignisse wird innerhalb der circa sechsstündigen Geschichte befriedigend aufgelöst und sorgt für Gesprächsstoff. Hierbei wird nicht mit "Jump Scares" gearbeitet, sondern mit einer hervorragenden musikalischen Untermalung wie auch Synchronisation.

Vor allem Kezia Burrows als Dr. Emma Fisher macht einen sehr guten Job. Die Britin konnte bereits als Stimme von Amanda Ripley in Alien - Isolation Erfahrung damit sammeln, wie es ist, im All auf ungeahnte Schrecken zu treffen. Es ist hierbei anzumerken, dass zum Zeitpunkt des Tests nur die englische Synchronisation zur Verfügung stand.

Im Trailer erfahrt ihr die ersten Infos zur Geschichte

Leider sind die Animationen und die Mimik der Charaktere dafür nicht so überzeugend und reißen den Spieler des Öfteren aus der Immersion. Weitere und tiefere Hintergrundinformationen zu Charakteren und vorangegangenen Begebenheiten werden durch die Umgebung und Sammelobjekte, wie beispielsweise Briefe oder Audioaufnahmen, erfolgreich vermittelt.

Gameplay zeigt Mankos

Leider ist die Schwachstelle von Observation das Gameplay. Verschiedene Interaktionen mit Kameras und Equipment auf der Raumstation werden durch unterschiedliche "Mini-Games" absolviert, die insgesamt unterhaltsam und sinnig im Kontext eingebaut sind.

Leider ist die Zielsetzung mancher Aufgaben nicht immer eindeutig, und falls eine Aufgabe stagniert, erhält der Spieler keine weiteren Hilfestellungen. Ihr könnt zwar in Gestalt der KI S.A.M. um eine erneute Anweisung bitten, aber hierbei wird dann lediglich der letzte Satz der vorherigen Konversation wiederholt.

Der Spieler muss gewillt sein, sich selbst mit der Materie zu beschäftigen und versuchen, Probleme eigenständig zu lösen. So weit, so gut, aber die Probleme treten nicht in Form von Puzzles oder ähnlichem auf, sondern durch eine nicht eindeutige Kommunikationsstruktur. Dies kann bei etwas kryptischen Angaben auch manchmal frustrierend sein.

Die Geschichte findet nicht nur innerhalb der Raumstation statt.Die Geschichte findet nicht nur innerhalb der Raumstation statt.

In der Rolle von S.A.M. bekommt der Spieler seine Aufgaben übermittelt, was durchaus im Kontext des Blickpunktes Sinn ergibt. Aber Emma redet mit dem Spieler so, als ob ihr die gesamte Raumstation bereits in- und auswendig kennen würdet. Sicherlich wäre dies bei einer echten K.I. auf der Raumstation der Fall, aber als Spieler, der die Umgebung zum ersten Mal sieht, ist dem nun mal nicht so.

Im Laufe des Spiels erhält S.A.M. auf eine kleine Sphäre in Form eines Balls Zugriff und kann sich somit frei bewegen. Nur in den seltensten Fällen kann innerhalb der Raumstation ein Wegpunkt gesetzt werden, um den richtigen Weg auf Anhieb zu finden. Wenn dies nicht möglich ist, ist es extrem leicht, die Orientierung zu verlieren.

Dadurch, dass die Sphäre sich auf allen Achsen um 360 Grad drehen kann, geht der Überblick über die Umgebung sehr schnell verloren. Dies ist von Nutzen, um die Schwerelosigkeit glaubhaft zu vermitteln, sorgt aber auch gleichzeitig für Unzufriedenheit beim Spieler. Ebenfalls wird der mögliche Orientierungsverlust durch das sehr kleine Sichtfeld stark begünstigt.

Außerhalb der Raumstation wird dies leider nicht besser. Im All gibt es grundsätzlich keine Karte und Wegpunkte können ebenfalls nicht gesetzt werden. Ihr als Spieler werdet so angewiesen, als ob ihr wüsstet, welcher Arm der Raumstation der russische und welcher der chinesische Trakt ist. Ohne Wegpunkte, mit einem derartig kleinen Sichtfeld und der Möglichkeit, sich weiterhin um 360 Grad um alle Achsen zu drehen, verliert ihr schneller die Orientierung als es euch lieb ist.

Es ist schade, dass Observation in Sachen Geschichte und Atmosphäre so viel hervorragend umsetzt, aber im Gameplay durch das All stolpert.

Meinung von Olaf Fries

Für einen Angsthasen wie mich befürchtete ich das Schlimmste. Zum Glück trat der erwartete Herzinfarkt nicht ein, sondern starkes Interesse an der Geschichte, den Ereignissen und den Charakteren. Spieler, denen Filme wie Arrival oder Gravity gefallen, werden auch hier ihren Spaß in Bezug auf Szenario und Geschichte finden können. Allerdings muss jeder gewillt sein, über die Defizite im Bereich Gameplay hinwegzuschauen, ansonsten könnte es des Öfteren in Frustration ausarten.

Die fragwürdigen Design-Entscheidungen und teils schlechten Animationen rissen mich leider oftmals aus der Immersion. Was wirklich schade ist, da die Geschichte und vor allem die Synchronisation zu überzeugen wissen. Ich bin schon gespannt darauf, welche Theorien und Interpretationen zur Geschichte und Charaktere nach Veröffentlichung ans Tageslicht kommen.

Ich empfehle, Observation in einem abgedunkelten Raum mit Kopfhörern zu spielen, um tiefer ins Geschehen eintauchen zu können. Keine Sorge, wenn ein Angsthase wie ich das schafft, werdet ihr die Geschehnisse locker aushalten. Wer über die angesprochenen Fehltritte hinwegsehen kann, findet in Observationen einen interessanten neuen Blickwinkel auf das Genre des Sci-Fi-Thrillers.

73

meint: Ein interessanter Blickwinkel auf eine atmosphärisch gut inszenierte Geschichte sorgt für Gesprächsstoff. Leider stolpert Observation im Gameplay-Bereich.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Tags: Science-Fiction   Singleplayer  

3 Gründe, warum es ein Flop werden könnte

Death Stranding: 3 Gründe, warum es ein Flop werden könnte

Nachdem der bekannte Entwickler Hideo Kojima in den vergangenen drei Jahren durch immer seltsamere Trailer (und noch (...) mehr

Weitere Artikel

Die Dialogoptionen aus Fallout 3 sollen zurückkehren

Fallout 76: Die Dialogoptionen aus Fallout 3 sollen zurückkehren

Fallout 76 bekommt mit den NPCs und Dialooptionen endlich Features, die sich die Spieler schon zum Launch erhofft ha (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

Observation (Übersicht)
* Werbung