Community-Streitgespräch: Open World - Grenzenlose Freiheit oder Leere?

(Special)

von Michael Sonntag (26. Mai 2019)

Open Worlds - Für manche Spieler bedeuten sie einen Spielplatz voller Abenteuer, für andere eine riesige leere Fläche. Um zu einem finalen Urteil zu kommen, haben wir uns mit unserer Community in eine nervenaufreibende Diskussion gestürzt.

"Open World-Spiele sind die geilsten von allen!"

Letzte Woche haben wir auf Facebook ein Community-Streitgespräch mit folgender Frage eröffnet: „Open Worlds - geil oder öde?“ Die erste Reaktion unserer Leser war nicht nur größtenteils einstimmig, sie hat die Frage nicht ganz verstanden: Was soll es schon Besseres als offene Spielwelten geben? Am besten könne jedes kommende Spiel eine haben.

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Persönlich ist für mich mittlerweile "Open World" oftmals das Kaufargument schlechthin,“ sagt Facebook-Userin Julia Boeck. „Aber warum genau? Was machen Open Worlds für euch so besonders?“, horchen wir nach.

Ich mag es einfach, weil ich da mehr Freiheiten habe“, schreibt User Sven Mertes.

Die Möglichkeit, ein gigantisches Gebiet nach eigenem Belieben zu erkunden und zu beeinflussen - etwas, das offenbar kein anderes Genre den "Open World"-Fans geben kann. Das wahrgewordene Gaming-Paradies! Bevor wir selbst weiter darauf eingehen können, melden sich die ersten Kritiker zu Wort.

Während nur wenige rein gar nichts mit dem Spielkonzept anfangen können - weil sie entweder zu wenig Freizeit oder Lust haben, eine große Welt zu erkunden - weisen ein paar Leute darauf hin, dass die Qualität einer Open World stark von deren Inhalt abhinge.

Kommt auf den Inhalt an. Wenn man genug "Unfug" zu tun hat, liebe ich es. Ich renne zu jeder Nebenquest, spreche mit jedem NPC, koche, angle oder tue Sonstiges. Wenn man genug hat, und es schön aussieht, liebe ich "Open World"-Spiele“, schreibt Userin Jennifer Wohlang.

"Open World"-Games sind eben nur so gut wie ihre Entwickler ... The Witcher 3 ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Open World. Die Entwickler haben es hier eben nicht verpasst und jede Quest so individuell gestaltet, dass es eben trotzdem nie eintönig wurde,“ so User Martin McFly.

So beliebt und erfolgreich Open Worlds auch sind, so viele Entwickler auf diesen Zug auch aufspringen, hat dennoch nicht jeder das Zeug dazu. Große Freiheit kann auch in große Leere münden. Als wir die provokante Theorie „"Open World"-Spiele sind überbewertet und oft nur ein billiges Mittel, um Spiele künstlich zu strecken“ in den Raum stellen, stoßen wir interessanterweise auf gleich viel Zustimmung und Widerspruch.

Eine perfekte Formel für Open Worlds existiert offenbar nicht, da auch Formelhaftigkeit das Entstehen einer solchen verhindert. Alle Welten ähneln sich irgendwo, verfügen über Nebenquests, riesige Landschaften und dutzende Aktivitäten, aber ein entscheidender Unterschied trennt die guten von den schlechten Open Worlds. Das wesentliche Merkmal ist die "Lebendigkeit", wie aus den Antworten der Diskutierenden herauszulesen ist. Aber was bedeutet das konkret?

Jeder Spieler sucht seinen eigenen Traum von Lebendigkeit

Ich glaube, die große Kunst der "Open World"-Titel ist es, den Gamer in diese “simulierte Region” einzusaugen. Dieses gelingt leider nur sehr wenigen Entwicklern. Wenn dies passiert, dann oft auf eine unglaublich wohlfühlende magische Art und Weise.

Die Schwäche der "Open World"-Titel sind die Spannungslöcher in den Geschichten, hier kann ein solcher Titel nur dann punkten, wenn er dich alles um dich als reale Person vergessen lässt (...) Ich kann nicht mal sagen, was genau es ist, was mich bedingungslos einsaugt. Grafik alleine reicht nicht.“

Wie User Alexander Vespermann es hier beschreibt, ergeht es ähnlich auch vielen anderen. Als die Leser Toplisten ihrer besten "Open World"-Spiele erstellen sollen - The Legend of Zelda - Breath of the Wild, Horizon - Zero Dawn, Red Dead Redemption 2, Assassin's Creed - Odyssey - fallen immer dieselben Namen mit denselben Begründungen, aber in völlig unterschiedlichen Reihenfolgen.

Einer kann mit Ubisofts Welten gar nichts anfangen, andere finden sie traumhaft. Manche finden Rockstars Western-Welten beispiellos, andere finden sie zu langatmig. Was die eine Welt für den einen besser als die andere macht, scheint vollkommen individuell begründet zu sein, was aber eine allgemeine und typische Antwort darstellt, mit der wir uns nicht zufrieden geben wollen.

Eine Welt muss interessant sein, nicht groß. Ich würde ein Life is Strange immer einem Assassin's Creed vorziehen“, schreibt Redakteur Michael Sonntag.

Von der Entscheidungsfreiheit her ja, jedoch ist es sehr storylastig, was nach einem langen Tag in der Schule oder Arbeit einfach nerven kann. Ich ziehe kein Spiel vor das andere ... Wenn ich Bock habe, es zu spielen, tue ich es. Manchmal möchte man eine komplette Welt erkunden, ohne nachzudenken, einfach Chaos verbreiten. Manchmal jedoch möchte man seinen Kopf anstrengen“, entgegnet User Björn Köhm.

Diese Sichtweise eröffnet einen neuen Ansatz: "Open World"-Spiele können somit gewissermaßen als viele Spiele in einem betrachtet werden. Einmal bezahlen, monatelang was davon haben, immer wieder dasselbe Spiel einlegen und es jedes Mal anders verwenden.

Die Open World soll nicht nur lebendig im inhaltlichen Sinne gestaltet sein, sie kann auch "lebendig" genutzt werden, für jede verfügbare Zeit, jede Stimmung und jedes Interesse angepasst werden. Und je nachdem, welchen Fokus man bevorzugt - Story, Atmosphäre, Gameplay - wird zu einer anderen Open World gegriffen.

Die Open World ist der Allrounder, verzichtet dabei aber auf den Fokus. Ob sie es letztendlich wirklich tut oder es nur anpreist, der Anspruch, ein fühlbares Universum zu erzeugen, indem man sich ähnlich frei wie im echten Leben austoben kann, ist sehr attraktiv. Selbst wenn die Diskussion an diesem Punkt endet, bleiben viele Fragen offen.

Ist die Open World wirklich ein eigenes Genre oder eigentlich nur ein Feature? Ist die erwähnte Freiheit nicht viel mehr dem Rollenspiel zuzuordnen? Und besteht wirklich ein qualitativer Unterschied zwischen offenen Welten und begrenzten Arealen - zumal die Funktion der Schnellreise die Welt an sich auflöst?

Was aber nicht bedeutet, dass die Diskussion nicht unten im Kommentarbereich einfach fortgeführt werden kann - Ihr seid herzlich dazu eingeladen!

Tags: Open World  

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