Arbeiten als Videospielredakteur: Vergeht der Spaß an Spielen, wenn man Games-Redakteur wird?

(Special)

von René Wiesenthal (24. Mai 2019)

Beeinflusst die Arbeit mit Videospielen das private Vergnügen daran? Dieser Frage sind wir auf den Grund gegangen, indem wir in den eigenen Redaktionsräumen herumgefragt haben. So ändert sich das Spieleverhalten als Games-Redakteur.

Vergeht einem der Spaß an Spielen, wenn man als Videospielredakteur arbeitet?Vergeht einem der Spaß an Spielen, wenn man als Videospielredakteur arbeitet?

Viele Gamer wollen gern Videospielredakteure werden. Doch auch, wenn das Hobby noch so leidenschaftlich verfolgt wird - Redaktionsarbeit ist, der Name sagt es, immer noch Arbeit.

Darum stellt sich die Frage: Vergeht einem der Spaß am Spielen, wenn man als Games-Redakteur arbeitet? Oder ist es anders herum und die Redaktion ein Schlaraffenland, vollgestopft mit Pressemustern, in denen man sich suhlen kann? Wir haben Redakteure von spieletipps und GIGA GAMES dazu befragt, ob und wie sich denn deren privates Spieleverhalten verändert hat, seitdem sie Games-Redakteure sind. Das sind die Antworten:

spieletipps-Redakteur Micky: Schluss mit Kaugummi-Gaming

Ich arbeite seit 20 Jahren mit Spielen. Zuerst auf Publisher-Seite, dann auf Journalisten-Seite. Davor war meine Herangehensweise einfach nur: Ich will Spaß haben! All die Action und die Farben und die tollen Geschichten und die großen Schwerter! Yay! Das führte zu einem Überkonsum und ich habe Spiele einfach nur noch wie Kaugummi konsumiert: Durchgekaut und ausgespuckt. Das war Phase 1, die in Phase 2 überging.

Die beschreibt meine Arbeit bei einem Publisher. Ich musste mich jeden Tag intensiv mit dem jeweiligen Projekt auseinandersetzen. Das führte zu einer gewissen Eintönigkeit. Also habe ich privat all die Spiele bevorzugt, die sich von denen meines ehemaligen Arbeitgebers unterscheiden. Leider war dies zu weiten Teilen eine Vermengung von Phase 1 und 2. Nur wenige Spiele habe ich während dieser Zeit wirklich genossen oder bewusst wahrgenommen. Doch das änderte sich mit Phase 3.

Dieses Spiel zockt Micky aktuell privat:

Seit ich im Spiele-Journalismus tätig bin, habe ich einen ganz anderen Blick für Spiele entwickelt. Ich achte viel mehr auf Nuancen, technische Stärken und Schwächen, Design, Dialogregie und Erzähltechnik, versuche den Blickpunkt von Kollegen einzunehmen und die Dinge aus ihrer Sicht wahrzunehmen. Ein Videospiel konsumiere ich nun nicht mehr bloß, ich erlebe es. Und das ist gut so. Glücklicherweise habe ich rechtzeitig erkannt, dass der reine Kritikansatz nur dazu führen würde, dass ich wiederum gar nichts genießen kann. Hier die Balance zu finden, war für mich die Herausforderung. Aktuell, so finde ich, habe ich das für mich beste Spieleverhalten gefunden.

"GIGA GAMES"-Redakteur Alex: Zu viele Spiele

Ich könnte mein Spielverhalten auch grob in drei Phasen einteilen. In meiner Kindheit und Jugend war es wichtig, dass ein Spiel mich möglichst lange unterhält. Primär deshalb, weil es wenige Alternativen gab. Dass ohnehin riesige Spiele wie Morrowind durch Mods praktisch unendlich verlängerbar waren, war eine kleine Offenbarung. Mit diesem Mindset habe ich auch World of Warcraft angefangen: Das Spiel ist so umfangreich, dass ich ja theoretisch nie wieder ein anderes Spiel brauche und deshalb langfristig sogar Geld spare.

Phase 2 kam nach der Schule, da kamen zwei Tatsachen zusammen: Ich verdiente plötzlich eigenes Geld und die Ära des Steam Sales begann. Eine tückische Kombination für mein Konto, aber damals hatte ich noch die Zeit, etliche Spiele, die ich mir in der Jugend nicht leisten konnte, nachzuholen. Aktuelle Spiele waren für mich in beiden Phasen eher sekundär interessant, einfach weil der Zugang schwer war. Früher hatte ich eh kein Geld dafür, und im Studium habe ich zu günstigen und folglich älteren Sale-Spielen gegriffen.

Seit ich bei GIGA GAMES arbeite habe ich erstmals regelmäßigen Zugang zu Neuerscheinungen - aber eben auch in so einer hohen Frequenz, dass ich immer regelrecht dankbar bin, wenn es mich nicht mehr als 15 Stunden kostet. Dass ich ein langes Spiel auch nach dem Test weiterspiele, ist selten, sagt dann aber eben auch etwas über die Qualität des Spiels aus. Am meisten vermisse ich, dass mir die Zeit für alte Spiele beziehungsweise für jene Spiele fehlt, die nicht redaktionell relevant sind. Insgesamt bin auch ich also insofern deutlich anspruchsvoller geworden, da das Angebot der mir zur Verfügung stehenden Spiele so gigantisch geworden ist und die Auswahl entsprechend streng erfolgen muss.

Gerade bei Tests habe ich aber dennoch immer auch die Jugend-Perspektive im Hinterkopf: Wenn ich im nächsten halben Jahr kein anderes Spiel bekomme, lohnt es sich dann?

Auf der nächsten Seite berichten spieletipps-Redakteur René und Redakteurin Lisa von GIGA GAMES darüber, wie sich ihr privates Spieleverhalten verändert hat, seitdem sie jeden Tag beruflich mit Videospielen zu tun haben.

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