Vorschau The Sinking City: Wahnsinn, Horror und düstere Romantik

von Ove Frank (04. Juni 2019)

Vor kurzem durften wir zwei Stunden von The Sinking City ausprobieren. Das an die Mythologie des Autors H.P. Lovecraft angelehnte Abenteuer aus dem Hause Frogware erscheint für PC, PS4 und Xbox One. Dabei gab es einige Aspekte des Spiels, die uns ausgesprochen gut gefallen haben, doch es gibt auch ein paar Befürchtungen.

The Sinking City: schaurig spannend - Der Cinematic-Trailer

Was haben wir gespielt?

Wir hatten die Möglichkeit den Anfang von The Sinking City mitzuerleben. Mit einem starken Fokus auf die Erzählung ist diese Herangehensweise für ein Anspielen auch wichtig, damit nicht aus versehen eminente Spoiler unters Volk gelangen.

Protagonist der Geschichte ist der Veteran und aktuell als Privatermittler tätige Charles W. Reed. Dieser macht sich in den 1920er Jahren, von unheimlichen Visionen geplagt, auf den Weg in das kleine (fiktive) Fischer-Städtchen Oakmont in Massachusetts, um dort nach Antworten zu suchen.

Gleich nachdem wir im Hafen von Oakmont angelegt haben, müssen wir auch gleich unseren Spürsinn auf die Probe stellen und rund um das Verschwinden des Sohnes eines reichen Mannes ermitteln. Dabei wird schnell klar, dass dieser Ort kein gewöhnlicher zu sein scheint und hier merkwürdige Dinge geschehen, die mit uns in Verbindung zu stehen scheinen.

Die überflutete Stadt selbst lässt die Spieler paranoid werden.Die überflutete Stadt selbst lässt die Spieler paranoid werden.

Die Stadt wurde gerade von einer regelmäßig auftretenden Flut schwer geschlagen. Viele Häuser sind zerstört und überall ist es nass, Algen und anderes Gestrüpp bahnen sich den Weg durch jede Ritze der Gebäude. Außerdem liegen in den Straßen allerlei tote Meerestiere, wie Tintenfische, Haie und sogar Wale.

Das fanden wir gut

Die Atmosphäre des Spiels scheint auch gleich dessen größte Stärke zu sein, denn die ist echt klasse. Sehr früh schon liefen uns kalte Schauer über den Rücken, sei es durch die Unheimlichkeit der vermodernden, düsteren und abweisend wirkenden Stadt, oder durch das Gefühl, dass sich im Nebel immer irgendetwas zu bewegen scheint, das eigentlich gar nicht da ist.

Wird ein Gespräch geführt, in welchem dem Spieler eine unterschwellige Ablehnung und Resignation, versetzt mit Begriffen einer völlig fremden Sprache, entgegengeworfen werden, dann weckt dies gleich auf mehreren Ebenen die Alarmbereitschaft.

Dieses Gefühl des Unwohlseins und die ständige Paranoia werden durch die Einwohner gleich noch verstärkt. Ein Mann erinnerte mit seinem kräftigen Oberkörper, seinen Gesichtspartien und seinem Haarwuchs stark an einen Affen, während andere Fischen zu ähneln schienen.

Das Aussehen der "Menschen" in Oakmont kann zuweilen ein wenig von der Norm abweichen. Das Aussehen der "Menschen" in Oakmont kann zuweilen ein wenig von der Norm abweichen.

Xenophobie ist hier das Zauberwort: Allerdings nicht im Sinne des Fremdenhasses gegenüber anderen Ethnien, sondern wortwörtlich die Furcht vor dem Fremden. Vor dem, das fremd aussieht, wie die "Menschen" in der Stadt, vor dem, was sich fremd anhört, wie die verzerrte Schallplattenmusik aus den 20er Jahren und vor dem was sich fremd anfühlt, wie die Zeit selbst.

Denn gerade durch seine Fremdartigkeit, die einem zwar irgendwie bekannt, jedoch keineswegs vertraut vorkommt, kann das Spiel mit seiner Atmosphäre punkten. Alles wirkt surreal und das ständige Gefühl, dass hier etwas nicht richtig ist, umgibt den Spieler von Beginn an.

The Sinking City versteht es gut mit diesem schmalen Grad zwischen Einbildung und Andeutung zu spielen. Hierbei erinnert das Produkt in seiner Wirkung an ältere Spiele-Klassiker wie Alan Wake oder Silent Hill. Neben den ungemütlichen Dingen, die wir nach und nach aufdecken, die schnell sämtliche innere Alarmglocken erschallen lassen, ist es auch schnell unsere eigene Fantasie, die uns kirre macht. Oder auch nicht.

Was ist real, was nur Einbildung?Was ist real, was nur Einbildung?

Dies und das plötzliche Auftreten merkwürdiger Wesen, die uns angriffen, sorgte gleich dafür, dass wir dazu neigten alles zu hinterfragen. Dass obendrein unsere Visionen immer schlimmer wurden und uns Erscheinungen riesiger grässlicher Kreaturen an unserem Verstand zweifeln ließen, führte schnell dazu immer tiefer zu graben und immer mehr erfahren zu wollen.

Elemente, die hoffentlich richtig wahrgenommen werden

Tatsächlich scheint das Spiel eine seiner Schwächen, die ausbaufähige Grafik, in seine größte Stärke mit einfließen zu lassen. So erscheinen die Figuren, auch die „normal“ anmutenden, optisch ein wenig überspitzt dargestellt, wodurch schon fast ein leichter Comic-Look generiert wird, was der allgemeinen Atmosphäre allerdings zuträglich ist.

Speziell Fans der Literatur von H.P. Lovecraft werden hier schnell Spaß mit dem Spiel haben und einiges wiedererkennen, denn gerade an dessen literarischen Werken scheint The Sinking City nämlich angelehnt zu sein. Die von Lovecraft entwickelten Inhalte rund um den Cthulhu-Mythos und um die anderen "Großen Alten" erweckt in den Lesern und hier eben in den Spielern gleichzeitig eine tiefgehende Furcht wie auch eine unbändige Faszination.

Uns wurde versichert, dass das Spiel so konzipiert sei, dass es auch von Spielern ohne Lovecraft-Kentnisse genossen werden kann. Ob jedoch ein Vorwissen auf diesem Gebiet eher den Spielspaß mehren oder einen das Spiel schnell durchschauen lässt, das konnten wir in der kurzen Zeit leider noch nicht feststellen.

Insgesamt können wir abschließend sagen, dass das Spiel, speziell für Mystery- und Horror-Fans durchaus etwas sein könnte und dass sich bei seinem geplanten Erscheinen am 28. Juni 2019 ein kleiner Blick lohnen dürfte.

Jetzt eigene Meinung abgeben

Wir brauchen feministische Games

Gegen Sexismus: Wir brauchen feministische Games

Videospiele können ein gutes Medium sein, um Gedanken zu gesellschaftlichen Problemen anzuregen. Vor allem, wenn es (...) mehr

Weitere Artikel

"Zu kleine Brüste" sorgen bei den Fans für Aufregung

Final Fantasy 7 - Remake: "Zu kleine Brüste" sorgen bei den Fans für Aufregung

Final Fantasy 7 - Remake wird derzeit aus verschiedenen Gründen heiß diskutiert. Der Story-Umfang, di (...) mehr

Weitere News

Newsletter

Mit diesem Formular kannst du den Spieletipps.de Newsletter kostenlos abonnieren.

The Sinking City (Übersicht)
* Werbung