Ubisoft auf der E3: Der einzig interessante Shooter ist kein Shooter

(Kolumne)

von Michael Sonntag (12. Juni 2019)

In Ubisofts E3-Pressekonferenz wurde reichlich mit Shooter-Trailern um sich geschossen. Für was oder gegen wen die Bildschirm-Männer im nächsten Moment auch immer kämpften, es geschah auf jeden Fall in Tom Clancys Namen. Bis sich in all dem Einheitsbrei für mich ein Licht auftat, als eine Londoner Großmutter einen Server hackte.

Jeder kann in Watch Dogs - Legion hacken - auch Oma:

Wenn ihr sowieso schon gespannt auf Watch Dogs - Legion seid, könnt ihr das Spiel über den unteren Button direkt vorbestellen. Wenn ihr es nicht seid, lest den Artikel und prüft danach nochmal, ob der Button nicht mittlerweile verlockender für euch aussieht.

Ich kämpfe für mein ... ähm

Keine Frage, Schießen in Spielen ist cool und wird vermutlich auch nie langweilig werden. Ein Spiel muss keine großartige Story oder das beste Missions-Design haben, wenn es über ein ordentliches Gunplay verfügt, das Laune macht. Soweit, so Shooter.

Aber selbst der größte Schießbudenspaß hat ein Ende, wenn der Inhalt vor lauter Kugeln zersiebt wird - ein Fall, der für mich bei Ubisofts E3-Pressekonferenz eintrat. Abgesehen von Gods and Monsters und Rollerchampions, die das allgemeine Bild etwas aufhellten, handelte es sich um die reinste Camouflage-Show.

Ghost Recon - Breakpoint, Rainbow Six - Quarantine, Tom Clancy's Elite Squad und The Division 2 - bei der monotonen Dauerbeschallung kann der etwas gemeine Eindruck entstehen, dass in all den Studios dort draußen trotz der großen Anzahl an Entwicklern, der kreativen Freiheit und technischen Möglichkeiten nicht mehr zustandekommt als eine Reihe patriotisch durchtränkter, stumpfer Militärszenarien.

Krieg, Krieg bleibt immer gleich ... langweilig.Krieg, Krieg bleibt immer gleich ... langweilig.

Dringender Hinweis: Es geht mir hier in erster Linie um die Präsentation der Spielinhalte, nicht die Inhalte an sich - darauf komme ich noch in einem anderen Artikel zu sprechen - aber ich will bei einer Messe Hunger auf neue Spiele bekommen, vor allem verschiedene und neue Geschmäcker kennenlernen (vielleicht auch solche, die ich für unmöglich oder unkombinierbar gehalten habe) und nicht eine trockene Frikadelle nach der anderen bestaunen.

Die digitale Macht, Gott zu spielen und dann das? Keine greifbare Motiviation der Charaktere, keine Fragen, auf die ich Antworten suchen möchte, keine Gerätschaften, die ich unbedingt einsetzen möchte, keine interessante Welt, Hauptsache, ich kann böse Buben oder Kreaturen abknallen - Ja, am Ende mutiere ich noch zu dem automatischen Gefechtsturm, den ich doch sonst so sehr verdamme.

10 Minuten Gameplay, 10.000 Eindrücke:

God save the Internet

Es wäre eine reine Enttäuschung gewesen, wenn nicht Watch Dogs - Legion die Leinwand mit seinen dutzenden interessanten Eindrücken hätte aufleuchten lassen - hier merkt man es auch wieder: die Präsentation ist entscheidend. Nach einem eher enttäuschenden Watch Dogs und einem mit Humor und Coolness verfeinerten Watch Dogs 2 könnte Teil 3 ein Qualitätsfinale werden.

Modernes London, totale Überwachung, eine geheime Hacker-Revolution, eine sarkastische Koordinator-Stimme, wilde Verfolgungsjagden, auf Transportdrohnen klettern, Permadeath, eine um sich ballernde Omi, die Befreiung eines Gefangenen - beim Ansehen wünsche ich mir mehrmals, dass ich mich in das Gameplay-Video hacken könnte, um von da aus selber weiterzuspielen.

Was mir das Video vermittelt:

  • Ich kann mich mit einem mehr denn je aktuellen gesellschaftlichen Thema auseinandersetzen
  • Die Welt lädt dazu ein, in die kleinsten Nebengassen zu laufen, auf Dächer zu klettern oder in die Kanalisationen zu springen
  • Das Ziel unserer Gruppe scheint genauso groß wie unser Feind zu sein
  • Wir sind keine Übermenschen, sondern ganz einfache, sterbliche Bürger, die sich - nur im Notfall - mit Schusswaffen zur Wehr setzen und ansonsten auf technische Gerätschaften und persönliche Talente zurückgreifen.
  • Wir sind wütend und wollen uns unsere Freiheit mit allen Mitteln zurückholen, mit witzigen, dreisten, brutalen und innovativen Mitteln.

Ja, es ist das Video zu Watch Dogs - Legion und nicht das Spiel. Das finale Produkt liegt sowieso immer hinter seiner Präsentation zurück, aber die Vision des Spiels hat mir den Tag versüßt, mich im Gegensatz zur Shooter-Lawine wieder einmal damit überrascht, dass eine gewöhnliche Spielmechanik - in einem unglaublich spannenden Konstrukt eingebettet - einen neuen Spieltraum erzeugen kann. Ubisoft, mach diesen wahr oder lass mich nie aufwachen!

Tags: E3  

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