Trials of Mana: So kann das Remake ein voller Erfolg werden

(Kolumne)

von Micky Auer (15. Juni 2019)

Anfang des Jahres kam das Remake zu Secret of Mana raus, und es hat mich ganz schön enttäuscht. Jetzt ist ein weiteres Remake aus der Reihe angekündtigt. Hoffentlich werden bei Trials of Mana nicht die gleichen Fehler begangen.

Was hab ich mich auf das Remake von Secret of Mana gefreut! Kaum runtergeladen, saß ich auch schon dran. Und mit jedem Schritt, mit jedem Schwertstreich und jeder Textbox im Spiel war ich weniger davon angetan. So authentisch wie möglich wollte es sein, so nah wie es nur geht am Original, nur halt in zeitgemäßer Optik. Das ist ein schöner Ansatz, jedoch sind die Entwickler dabei übers Ziel hinausgeschossen. Denn sie haben nicht nur die Stärken des Spiels in die Gegenwart transportiert, sondern auch all seine Schwächen. Schwächen, die Anfang der 90er vielleicht noch erträglich waren, heute sind sie es nicht mehr. Und obendrein haben sie ein paar neue Schwächen hinzugefügt.

Jetzt hat Publisher Square Enix ein weiteres Spiel aus der Mana-Reihe als Remake angekündigt. Es handelt sich um Trials of Mana, das bislang nur in Japan für SNES als Seiken Densetsu 3 von 1995 erhältlich war. 2020 soll es für PC, PS4 und Switch erscheinen, das Original ist in leicht angepasster Form bereits als Download als Teil der Mana Collection für Switch verfügbar. Der erste Trailer macht wiederum viel Hoffnung auf ein schönes Remake eines ohnehin schon schönen Spiels. Aber wie sich am Vorgänger zeigt, kann ein Trailer oft nicht den richtigen Eindruck vermitteln.

Bevor Trials of Mana zu einer Bauchlandung ansetzt, hätte ich ein paar Wünsche und Tipps, wie aus dem Remake auch ein ansprechendes Spiel wird, das nicht nur Nostalgiker abholt.

Grafik mit mehr Bumms

Die Mana-Spiele sind bunt. Mal mit kräftigeren, mal mit pastelligeren Tönen, wie in Secret of Mana. Der Trailer zu Trials of Mana zeigt bereits eine angenehme Farbvielfalt. Damit ist es aber nicht getan, denn die Welt, in der ihr spielt, soll sich auch lebendig anfühlen. Und das wird nur schwer allein durch viele Farben erzielt.

16Bit-Grafikwunder: So sieht Trials of Mana in der Mana Collection aus.16Bit-Grafikwunder: So sieht Trials of Mana in der Mana Collection aus.

Lasst den Wind durch Bäume und hohes Gras wehen, lasst Schaumkronen und Wellen auf dem Wasser tanzen, lasst Vögel, Schmetterlinge und Bienen durch die Luft fliegen, lasst Blütenbläter durch ein Tal wirbeln, lasst Abendsonne und Mondschein auf den hellen Tag folgen. Kurzum: Erfüllt die Welt mit Leben, nicht bloß mit starren Kulissen. Jeder Schritt ins Abenteuer sollte ein Abenteuer für sich sein. So ein bisschen zeigt sich das schon im bisher gezeigten Gameplay, aber da geht noch mehr.

Eine flexible Kamera

Und damit sich eine schöne Grafik auch lohnt, sollte es die Kamera dem Spieler erlauben, all das zu sehen, was er auch sehen will. Eine starre Draufsicht ist überholt, Gamer wollen oft ihre eigene Bildregie führen oder in Kämpfen den besten Blickwinkel finden. Nicht umsonst verfügen viele spiele heutzutage über einen Foto-Modus, der es euch erlaubt, die schönsten Momente eines Spiels einzufangen und auszugestalten. All das könnte eine flexible Kamera ermöglichen.

Aus dem Trailer lässt sich das noch nicht eindeutig erkennen. Denn da seht ihr das Geschehen meist aus der "Third Person"-Perspektive, lediglich in Zwischensequenzen gibt es unterschiedliche Blickwinkel. Kurze Zeit später gab es aber Gameplay zu sehen, das Aufschluss darüber gibt. Zumindest die horizontale Achse lässt sich frei bewegen. Das ist schon mal ein guter Ansatz!

Lebendige Charaktere

Wie die gesamte Spielwelt mit Leben erfüllt werden sollte (siehe erster Absatz), so sollten auch die Charaktere über Persönlichkeit und Lebendigkeit verfügen. Secret of Mana hat den Fehler gemacht, den Figuren starre Gesichtszüge zu verpassen, die teilweise absurd bis bizarr ausgefallen sind. Es muss nicht ausgefeiltes Motion Capturing zum Einsatz kommen, es reichen schon klar definierte Emotionen und zumindest dezent stilisierte Lippenbewegungen, bitte gerne auch mit Stimmen versehen!

Textboxen waren in den 90ern noch O.K., aber muss das auch heute noch sein?Textboxen waren in den 90ern noch O.K., aber muss das auch heute noch sein?

Der Trailer macht indes nicht nicht viel Hoffnung darauf. Schaut mal ganz genau hin: Wann immer eine Spielfigur spricht, blendet die Kamera schnell weg und der Schnitt wechselt zu einer Ansicht, in der das Gesicht nicht mehr zu sehen ist. Die Befürchtung steht ihm Raum, dass ihr es wieder mit starren, digitalen Puppen zu tun haben werden. Das geht doch besser, Square Enix, oder?

Zeitgemäße Technik

"Die Sünden des Vaters" - so lassen sich die auffälligsten Probleme im Remake von Secret of Mana zusammenfassen. Gemeint sind damit die technischen Schwächen, die dank aktueller, weit fortgeschrittener Technik einfach nicht mehr sein müssen. Hoffentlich eine Schwäche, an der Trials of Mana nicht mehr leiden wird.

Secret of Mana - Remake: So wurde das Spiel für PS4 angekündigt

Am ehesten zeigt sich dies im Echtzeit-Kampfgeschehen. Geht erstmal diesem einfachen Gedanken nach: Ihr schlagt im Spiel mit einem Schwert auf ein angreifendes Monster ein. Es gibt weder akustisches, noch optisches Feedback. Zumindest nicht gleich, erst eine halbe Sekunde später. Da ertönt ein Treffer-Soundeffekt, die Animation des getroffenen Gegners folgt. Das scheint lahme Technik zu sein, deren Auswirkung nunmehr beabsichtigt übernommen worden zu sein scheint. Vermutlich, um die Nähe zum Original zu wahren.

Ihr kommt ins Stutzen, weil diese Verzögerung zwischen Aktion und Reaktion die Dynamik des Geschehens unterbricht. Doch es geht noch weiter: Ihr schlagt unvermindert zu, bis ihr den Angreifer bezwungen habt. Obwohl dieser schon besiegt ist, haut ihr weiter drauf ein, die Schläge scheinen aber komplett ins Leere zu gehen. Warum? Der Gegner ist bereits tot, ihr wisst es aber nicht, da es keinen Indikator dafür gibt. Keine Energieleiste, er bricht nicht zusammen, löst sich nicht auf ... Und wiederum: Zumindest nicht gleich.

Ordentliches Treffer-Feedback wäre schon wünschenswert.Ordentliches Treffer-Feedback wäre schon wünschenswert.

In einer unnötigen und unklaren Animation haucht das Biest sein digitales Leben aus. Eine Animation, die auch ein Angriff hätte sein können, so generisch wirkt sie. Und all das dauert vielleicht auch nur etwas mehr als eine Sekunde, reicht aber völlig aus, um die für ein Action-RPG so wichtige Kampfmechanik zu einer nervigen, unbefriedigenden Angelegenheit zu machen. Letzterer Punkt ist weniger der Technik geschuldet als das es sich viel mehr um ein Design-Problem handelt.

Wenn Trials of Mana den Qualitätsansprüchen heutiger Spieler gerecht werden will, sollte es sich nicht zu sehr auf vermeintliche Tugenden der Vergangenheit verlassen. (Siehe auch die überarbeitete Kampfmechanik von Final Fantasy 7 - Remake, zu der sich Kollege Ove schon geäußert hat.) Aktuell sieht es zwar so aus, als würde das gut klappen, jedoch lässt sich sowas erst richtig "erfühlen", sobald man es selbst gespielt hat.

Bitte nicht die Ohren vergessen

Es gibt weitaus Schlimmeres als Soundtracks, die über den Soundchip des SNES erzeugt werden. Selbst heute noch kann man sich die teils wunderschönen Kompositionen anhören, ohne sich dabei vor Schmerzen zu winden. Dennoch spricht rein gar nichts dagegen, dass die musikalische Begleitung von Trials of Mana ebenfalls generalüberholt wird. Aber bitte mit Sorgfalt und Liebe.

Die Mana-Reihe verfügt über wundervolle Melodien, die den Spieler umfangen und ins Geschehen hineinziehen. Im Remake von Secret of Mana habt ihr die Möglichkeit, die Originalbebgleitung auszuwählen. Und das ist gut so! Denn auch eine Neufassung des Soundtracks steht zur Verfügung, und die ist über weite Strecken so dermaßen penetrant, dass sie von vielen Spielern als störend empfunden wurde. Die schönste Melodie der Welt wird zur Folter, wenn sie nicht gut interpretiert wird. Ich hoffe mal sehr, dass dieser Fehler bei Trials of Mana nicht begangen wird.

Tags: E3   Remake  

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