The Legend of Zelda: Ein Link zur Finsternis

(Special)

von Tobias Schwarzer (22. Juni 2019)

Zelda und Link in einem finsteren Dungeon, ein unbekannter dunkler Schleier und die mumifizierte Leiche Ganondorfs, wie sie am Ende wieder zum Leben erwacht und euch mit seinen Blicken durchbohrt. Der überraschende Teaser zum Breath of the Wild Sequel sorgte dank der unerwartet düsteren Atmosphäre für pure Begeisterung.

Atmosphäre pur: Der Teaser zum Breath of the Wild Sequel

Doch warum wünschen sich denn so viele Spieler eigentlich einen melancholischen Ableger der Reihe? Geht mit uns dieser Frage auf den Grund und reist in eine Zeit, in der die Zelda-Reihe am düstersten war.

The Legend of Zelda - Breath of the Wild gilt als eines der besten Spiele aller Zeiten. Dies mag an der lebendigen Spielwelt oder dem passenden Cel-Shading-Stil liegen. Möglicherweise auch an der Tatsache, dass euch im Spiel keine nervige kleine Fee auf den Geist geht.

Viel wahrscheinlicher ist das aber auch der tiefgründigen Geschichte zu verdanken, die keinen unbesiegbaren Helden zeigt, sondern einen, der bereits besiegt wurde. Sozusagen dürft ihr euer Versagen von vor über 100 Jahren wieder gut machen, indem ihr die Verheerung Ganon mit dem Master-Schwert in den wohlverdienten Urlaub schickt und die Prinzessin rettet.

Die Welt von Breath of the Wild - die bunteste Dystopie aller ZeitenDie Welt von Breath of the Wild - die bunteste Dystopie aller Zeiten

Was episch klingt, fühlte sich leider nicht immer so an. So waren die Bosskämpfe doch recht schnell gegessen und die Welt ist lange nicht so deprimierend wie sie es eigentlich hätte sein können. Denn im Grunde ist Hyrule in Breath of the Wild nichts anderes als eine Postapokalypse. Eine dank Monstern und der Finsternis Ganons lebensfeindliche Welt, deren Zivilisation größtenteils ausgelöscht wurde.

Neben den vereinzelten Hauptdörfern und Ställen bleiben nur noch Ruinen. Dafür sind jedoch die meisten NPCs gut gelaunt, die Umgebung trotz allem bunt und ansehnlich und einzig die Hauptgeschichte erinnert daran, dass unzählige Unschuldige aufgrund eures Versagens ihr Leben lassen mussten. In diesem Punkt wurde also viel atmosphärisches Potenzial verschenkt, doch wie wahrscheinlich nehmen sich die Entwickler das beim Nachfolger zu Herzen? Vor allem im Angesicht eines solchen Teasers?

Zwischen Dystopie und Niedlichkeit

Diese Kombination aus nimmersatter Nintendo-Niedlichkeit und ernstzunehmender Schwere scheint für die Reihe eine Art Erfolgsrezept zu sein, wie man an den beliebtesten Teilen unschwer erkennen kann. In Ocarina of Time versucht ihr eine trostlose Zukunft zu verhindern und findet euch nicht selten in einer Horde von Zombies wieder.

Der Mann im Mond? Nein, der ganze Mond trachtet euch nach dem Leben!Der Mann im Mond? Nein, der ganze Mond trachtet euch nach dem Leben!

Im Nachfolger Majora's Mask müsst ihr das Land Termina vor dem herabstürzenden Mond retten, dessen Design frisch aus der Hölle emporgestiegen ist, und in Twilight Princess besucht ihr regelmäßig das Schattenreich. Trotz allem könnt ihr nebenbei fischen, Krüge zerschlagen, Hühner ärgern und euch über Tingles Psychosen wundern. Ein Spagat zwischen Dystopie und Niedlichkeit.

Ein erwachsenes Spiel für erwachsene Spieler

Dabei könnte, durch einfaches Austauschen weniger Story-Elemente, The Legend of Zelda für die erwachsenere Zielgruppe revolutioniert werden. Ein Großteil der Witze und deplatzierten Figuren würden durch eine konsequentere Erzählweise ausgetauscht werden. Denn bekanntlich soll eine gute Geschichte Emotionen erwecken und benötigt einen dramaturgischen Aufbau. Wenn jedoch die melancholischen Emotionen immer wieder durch die doch nicht ganz so trostlose, belebte Welt unterbrochen werden, bleibt ein echtes Einlassen auf die Geschichte verwehrt.

Der Wille ist da

Kein Wunder also, dass sich so viele Zelda-Fans nach einem düsteren Ableger sehnen. Die Spieler, die mit der Reihe aufgewachsen sind, fallen nun mal nicht mehr unter die Zielgruppe im Kindesalter, eine Anpassung wäre also durchaus lukrativ. Die ersten Schritte in diese Richtung wurden bereits mit Twilight Princess gemacht, indem ein deutlich älterer Link spielbar wurde. Jedoch wollten damals bereits die Entwickler auf keinen Fall, dass der Träger der grünen Tunika zu ernst oder grimmig wirke.

Einen grimmigen Helden braucht ihr am 20. September nicht zu befürchten, wenn Link's Awakening erscheintEinen grimmigen Helden braucht ihr am 20. September nicht zu befürchten, wenn Link's Awakening erscheint

Ganz anders hingegen hätte Breath of the Wild aussehen können, wie veröffentlichte Konzeptzeichnungen verrieten. In denen wurde ein Link gezeigt, der durch einen unbekannten Vorfall (Hinweis: Erinnert euch an den Teaser) seinen rechten Arm verlor und dieser durch eine Art biomechanischen Shiekah-Arm ersetzt wurde. Dieser wäre an Stelle des Shiekah-Steins für Bomben & Co. zuständig gewesen. Link selbst hat in der Zeichnung ebenfalls recht wenig zu lachen, euch hätte man also um Haaresbreite einen gebrochenen, entstellten Badass geschenkt.

Für den Nachfolger scheinen, angesichts des Teasers, diese Konzeptzeichnungen nicht gänzlich in Vergessenheit geraten zu sein. Laut Zelda-Produzent Eiji Aonuma sollen sich die Entwickler sogar von Top-Spielen wie The Elder Scrolls 5 - Skyrim oder Red Dead Redemption 2 inspirieren lassen. Ganz besonders Letzteres ist ja für seine herrlich-dramatische Geschichte bekannt.

Abwarten und hoffen

Ob dies letzten Endes in der Fortschetzung von Breath of the Wild auch spürbar sein wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Nintendo immer beides will: Eine düstere, ergreifende Geschichte, mit einem Kind als Held. Eine Welt, in der die Verheerung Ganon mit Link(s) vernichtet wird, obwohl ihm Jahrzehnte zuvor niemand auch nur ein Haar krümmen konnte. Ein Spiel für möglichst viele Spieler, ohne sich auf ein Alterssegment festzulegen. Vielleicht gehört diese Kombination mit ihrem Charme aber auch irgendwie zu der Reihe.

Auch wenn es sich vielleicht viele von euch wünschen, stehen die Chancen schlecht, dass es zu einem "USK 16"-Zelda kommen wird. Laut den Entwicklern wollten sie jedoch mit dem Teaser ganz bewusst einen düsteren Grundton erschaffen, der sogar noch dunkler sein soll als in Majora's Mask. Und dies wäre ja schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

Tags: Fantasy   Eiji Aonuma  

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