PS Plus: Deshalb bezahle ich für meinen Account, obwohl ich ihn nicht nutze

(Kolumne)

von Till Wäscher (24. Juni 2019)

Vermutlich gibt es Millionen von uns. Deshalb traue ich mich, es auszusprechen: Ich bin eine zahlende "PS Plus"-Karteileiche. Denn ich spiele so gut wie keine der monatlichen „Gratis“-Spiele und seit mein Sohn auf der Welt ist, kann ich auch die Online-Multiplayerfunktion nicht mehr nutzen. Dennoch denke ich nicht daran, meinen "PS Plus"-Account aufzugeben.

Das PlayStation Network hat 2018 12,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet – mehr als Nintendos gesamte Online- und Offline-Verkäufe und mehr als die komplette Games-Sparte von Microsoft. Einen erheblichen Teil davon entfallen auf "PS Plus"-Abos.

Für mich ist der Dienst das funktionelle Äquivalent zu Fitnessstudios. Deren Geschäftsmodell besteht im Wesentlichen darin, Geld von Leuten zu kassieren, die nicht ins Fitnessstudio gehen.

In der Spielebranche wird gerade eine hitzige Debatte über die Gefahren von Glückspiel-Elementen, oder wie EA sie nennt, Überraschungsmechaniken, geführt. Meine persönlichen Loot-Boxen sind Sonys monatliche Gratisspiele. Und ich bin süchtig nach ihnen.

Als PS Plus-Titel im April 2018 heruntergeladen, aber immmer noch nicht gespielt: Mad MaxAls PS Plus-Titel im April 2018 heruntergeladen, aber immmer noch nicht gespielt: Mad Max

Denn was mich bei PS Plus bei der Stange hält, ist Vorfreude: Ich zähle die Tage bis zur nächsten Pressemitteilung, die verrät, welche „kostenlosen“ Spiele ich mir diesmal herunterladen kann.

Ich scanne versehentlich geleakte Screenshots aus dem asiatischen PS Network nach Hinweisen auf mögliche Kandidaten. Und ich falle auf jeden clickbaitigen Artikel von dubiosen Internetseiten herein, der vermeintlich vorzeitig verrät, welche Spiele diesmal dabei sind.

Wenn die Titel endlich feststehen, schlägt meine Vorfreude dann schnell in Gleichgültigkeit oder Ärger um – etwa, wenn der vermeintlich im Vorfeld geleakte "Triple A"-Knaller nicht dabei ist oder ich beide Spiele erst kurz zuvor in einem Sale gekauft habe (Overcooked und What Remains of Edith Finch im selben Monat, wirklich Sony?).

Das Warten und Hoffen auf neue PS Plus-Games ist zu einer Obsession geworden, die für mich so aufregend ist wie für andere eine Partie Apex Legends.

War im Mai Teil von PS Plus, hatte ich aber leider schon vorher gekauft: OvercookedWar im Mai Teil von PS Plus, hatte ich aber leider schon vorher gekauft: Overcooked

Dabei ist es im Grunde irrelevant, welche Spiele im Store mit einem gelben Plus versehen sind, denn spielen werde ich sie trotz guten Willens wahrscheinlich nie. Mein Pool an neueren, ebenfalls unangetasteten Games ist dafür viel zu groß. Dennoch will ich sie unbedingt „besitzen“ – auch wenn der Begriff „Eigentum“ in Zeiten von digitalen Games-Stores seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat.

Die effektive Zeit, die ich jeden Monat mit PS Plus verbringe, beschränkt sich also auf die zwei Minuten, in denen ich die Titel meiner Bibliothek hinzufüge. Und mir fest vornehme, sie später zu spielen. Irgendwann. Vielleicht. Oder auch nicht.

Das Problem: Um den Stapel aus hochklassigen PS Plus-Titeln aus der Vergangenheit wie Bloodborne, The Witness oder die komplette erste Season von Hitman irgendwann doch mal abzuarbeiten, muss ich PS Plus-Mitglied bleiben.

Das heißt 2029, wenn ich vielleicht endlich meinen Traum verwirkliche, die im April 2018 heruntergeladene Mad Max-Adaption auf meiner Playstation (6?) zu spielen, werden 120 neue Games dazugekommen sein. Der Teufelskreis aus Erwartungen, Vorsätzen und Enttäuschungen geht bis dahin unaufhaltsam weiter – und ich bleibe Abonnent.

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