Dieser eine Moment: Als ich bei Watch Dogs 2 die Mafia mit Mondscheinsonate fertigmachte

(Kolumne)

von Michael Sonntag (09. Juli 2019)

Es war ein Zufall, nur ein einfacher Zufall. Aber er verwandelte für mich eine simple "Watch Dogs 2"-Mission in eine wahre Action-Oper. Die Mafia glaubte, alles unter Kontrolle zu haben, bis sie Besuch von einem kleinen Nerd bekam. Und der hatte mächtig Beethoven geladen.

In dem einem Leben ein Nerd, in dem anderen ein Gott der Maschinen:

Oft ist es nicht bloß die tolle Grafik, die spannende Geschichte oder der sympathische Hauptcharakter, der Spielern noch Jahre nach dem Genuss eines Abenteuers im Gedächtnis bleibt. Solche Erinnerungen drehen sich häufig um einen kurzen Moment. Einen besonderen Moment. >>Diesen einen Moment!<< Dem widmen wir diese Artikel-Serie und beschreiben aus unserer persönlichen Sicht, was diesen Moment so besonders und unvergesslich macht.

Hier findet ihr alle bisher in der Reihe erschienenen Artikel.

Rache wird am besten "klassisch" serviert

In Watch Dogs 2 spiele ich keinen unbesiegbaren Superhelden, Krieger oder Agenten, wie es sonst in Videospielen üblich ist. Nein, in Ubisofts Spiel bin ich nur ein Käppi tragender Hacker, der zwar sensible Daten stehlen und zwielichtige Unternehmen auffliegen lassen kann, aber angesichts großer krimineller Tiere vollkommen wehrlos ist - dachte ich, als ich die Leiche meines Freundes Horatio fand, der von Gangstern getötet worden war.

Mich auf eine kaltblütige Rachemission zu schicken, fand ich für das sonst so pazifistische Watch Dogs 2 schon recht interessant. Was ich allerdings versehentlich daraus machte, machte sie für mich zu meinem absoluten Highlight des Spiels.

Als ich nämlich zum Hauptquartier der Mafia fuhr, um ihren Anführer auszuschalten, hörte ich zum Spaß durch die Songs meines game-internen Handys. Und dann ertönte plötzlich Beethovens Mondscheinsonate ... Zuerst dachte ich, „Ne, das passt doch überhaupt nicht dazu!“ - aber dann ließ ich es einfach geschehen (weshalb ich euch empfehle, euch ab hier das Stück ebenfalls anzuhören).

Mithilfe eines Klavierstücks verwandelte ich einen schmutzigen Keller in einen Konzertsaal des Todes.Mithilfe eines Klavierstücks verwandelte ich einen schmutzigen Keller in einen Konzertsaal des Todes.

Der Sensenmann mit dem Klavier

Alles entspannte sich, alles lief in Zeitlupe weiter, ich handelte vollkommen ruhig und entschlossen. Zwischen mir und meinem Feind befanden sich dutzende von schwerbewaffneten Handlangern. Früher hätte ich mir einen Plan überlegt, ans Schleichen gedacht, aber nein, heute nicht, diese Geschichte würde brutal enden und zudem nicht länger als zwei Minuten dauern.

Ich lächelte und hetzte den Wachen zuerst eine Polizeikontrolle auf den Hals, gemütlich von meinem Auto aus. Während sich beide Fronten Schussgefechte lieferten, schlenderte ich an den fallenden Körpern vorbei, einfach hinein in ihre Basis. Hey, hey, ich störe nicht lange, ich habe nur eine Lieferung für euren Boss.

Ein Aufzug brachte mich in den Keller, in welchem meine Zielperson gerade protzige Reden schwang und Hundekämpfe veranstaltete. Das Publikum war außer sich, aber ich hielt es für eine absolut lahme Vorstellung. Nein, da fehlte noch etwas, nur was? Ich wusste es, als ich durch eine Sicherheitskamera auf die Türschlösser der Hundekäfige blickte. Ein simpler Klick ließ Chaos ausbrechen. Viel besser!

Eine unglaublich blutige Mission, was halt zu ihrem Namen passt: "Auge um Auge"Eine unglaublich blutige Mission, was halt zu ihrem Namen passt: "Auge um Auge"

Hundegebell, Schüsse, Schreie - in dem Tumult fiel ein Nerd nicht wirklich auf. Ein Ballett des Todes, zu dem Zwei- und Vierbeiner innig miteinander tanzten. Ich ließ mich treiben, von den Klavierklängen nach unten in den Lagerraum führen, wo der Mafiaboss verletzt mit einer Knarre hinter einer Kiste kauerte.

Und ich, der im Spiel seine Schrotflinte bisher nur im Rucksack verstauben ließ, machte eine einmalige Ausnahme von meinem pazifistischen Ideal. Es war schließlich etwas Persönliches. Horatio, für dich würde ich mich auch in das Fleisch dieses Mistkerls hacken. Auch wenn ich für alle Anwesenden ein Geist war, der Boss sollte mich als einziger sehen, bevor er gar nichts mehr sah.

Der Schuss lockte seine Handlanger herbei, aber zu diesem Zeitpunkt befand ich mich längst wieder auf dem Weg nach oben. Und während die Polizisten die Gangster immer noch nach hinten trieben, niemand so richtig wusste, was hier eigentlich los war, verließ ich andächtig den Hof, genoss die Sonne und stieg dann in einen verlassenen Polizeiwagen, um nach Hause zu fahren und meines gerächten Freundes zu gedenken.

Was für eine übelst absurde und wunderschöne Szene, die ich da mit meinem Gameplay gedreht hatte! Quentin Tarantino wäre stolz auf mich gewesen! Habt ihr ähnliche Erlebnisse mit der Ingame-Musik von Watch Dogs 2 machen können? Falls ja, bin ich sehr gespannt, davon in den Kommentaren zu hören.

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Tags: Dieser eine Moment  

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