Terranigma: "Nach über 20 Jahren wurde mir einiges klar"

(Kolumne)

von Matthias Kreienbrink (12. Juli 2019)

Das Super Nintendo hatte einige wirklich tolle Rollenspiele. Diese prägten damals, wie gute Spiele für mich zu sein hatten - sie prägten mein Spielverhalten. Doch was passiert, wenn ich diese alten Spiele heute nochmal zocke? Bei Terranigma sind mir einige Dinge zum ersten Mal aufgefallen.

Terranigma sieht auch heute noch ziemlich gut aus.Terranigma sieht auch heute noch ziemlich gut aus.

Erst kürzlich habe ich auf der Nintendo Switch eines meiner liebsten Spiele, Secret of Mana, zum wahrscheinlich 423235. Mal durchgespielt. Was ich dabei zum ersten Mal bemerkt habe könnt ihr in meinem Artikel Secret of Mana: Was ich bei erneutem Durchspielen erkannt habe nachlesen.

Nach dem Durchzocken habe ich direkt eine große Lust empfunden, nun auch nochmal Terranigma zu spielen. Das Spiel habe ich zwar bei weitem nicht so oft gezockt wie Secret of Mana, dennoch hat es damals, vor über 20 Jahren, einen ziemlichen Eindruck bei mir hinterlassen.

Kurzum ersteigerte ich mir ein gebrauchtes Super Nintendo samt Terranigma, schloss es zu Hause an meinen Fernseher an, warf mich aufs Sofa und war bereit, diesen Nostalgie-Gefühlen von damals nochmal nachzuspüren. Dabei ist mir einiges zum ersten Mal so richtig bewusst geworden:

Terranigma fühlt sich modern an

Nachdem ich Secret of Mana erneut durchgespielt hatte, fand ich doch einiges, was mir heute als total überholt erschien. Etwa das Aktivieren von Zaubern, das immer wieder über das Menü durchgeführt werden muss und auf keine Taste gelegt werden kann.

Bei Terranigma ist mir aber das genaue Gegenteil aufgefallen: Ich finde, dass Terranigma sich auch heute noch modern und adäquat anfühlt. Es gibt nur wenig Angestaubtes in diesem Spiel. Alleine das Kampfsystem mit seinen Freiheiten könnte auch in heutigen Spielen noch so funktionieren. Die verschiedenen Attacken - Sprungangriff, Slide-Attacke und andere - gehen total gut von der Hand, lassen sich gut kombinieren und von Gegner zu Gegner variieren.

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Zauber können auf Schnell-Tasten gelegt werden, verschiedene Waffen haben verschiedene Stärken - es gibt nicht DIE eine beste Waffe. Das sind Dinge, die mich etwa an Dark Souls erinnert haben, in dem jeder Gegner eigentlich eine andere Waffe braucht.

Terranigma spielt sich noch heute total flüssig, fast alles fühlt sich intuitiv an. Auch die Story ist heute noch interessant und aktuell. Selbst Menschen, die nicht mit Nostalgie an das Spiel herangehen, können hier also einiges mitnehmen - und schlichtweg viel Spaß haben.

Das Spiel ist ziemlich politisch

Richtig gelesen. Es gibt ja diese merkwürdige Ansicht, dass Videospiele heute so oft "politisch sind" und es "damals" einfach "nur Spiele" waren. Terranigma möchte euch da widersprechen. Denn nicht nur ist eigentlich jedes Spiel auch politisch - Terranigma ist das sogar ziemlich offensiv.

Es geht in dem Spiel zunächst darum, das Leben auf der Erde Stück für Stück zurückzubringen. Zunächst Fauna und Flora, schlussendlich auch die Menschen. Doch damit ist es nicht getan, denn es ist auch eure Aufgabe, die Menschheit weiterzuentwickeln, die Zivilisation voranzutreiben, mit all den Problemen, die dazugehören.

So wird euch das Spiel immer wieder daran erinnern, dass die Verbindung zwischen Menschen, zwischen Staaten, zwischen Kontinenten unglaublich wichtig ist. Es spricht sich immer wieder gegen Grenzen aus, die Menschen nur zu Kriegen führen. Ihr - als jemand, der aus einer anderen Welt kommt - sollt die Erde als Ganzes begreifen und nicht als unterteilte Völker und Gesellschaften.

Das ist eine zutiefst politische Aussage - und Kern des Spiels. Denn neben all den Monstern und Bösewichten geht es doch im Grunde immer wieder darum: Wie können wir die Menschheit voranbringen?

Terranigma hat viele Ansätze, die heute fehlen

Wie schon gesagt, fühlt sich Terranigma auch heute noch ziemlich modern an. Es hat Mechaniken, die immer noch zeitgemäß sind. Darunter auch Ansätze, die damals wie heute gut funktionieren - aber aus Spielen heute ziemlich verschwunden sind. Ich denke dabei vor allem an die Möglichkeit, die Welt zu verändern.

Sicherlich, heute bieten euch viele Rollenspiele die Möglichkeit, euren eigenen Weg zu gehen, Entscheidungen zu treffen, die Verlauf und Ende eines Spiels beeinflussen - aber dass ihr wirklich das Aussehen der Welt langfristig verändern könnt? Wie oft passiert das?

In Terranigma habt ihr die Möglichkeit, Städte weiterzuentwickeln. Jedoch ist das keine Hauptaufgabe des Spiels sondern etwas, das eher auf Nebenpfaden passiert. Wenn ihr bestimmte Personen ansprecht, Gegenstände findet oder die richtigen Antworten gebt, werden Städte florieren - oder eben nicht.

Das ist etwas, das ich damals total spannend fand - und mich heute noch fasziniert. Ich habe immer weiter probiert, welche Veränderungen ich in der Welt noch erreichen kann, wie weit sich eine Stadt entwickeln wird, welche neuen Möglichkeiten mir das dann bringen wird.

Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Feature in heutigen Spielen wiederentdeckt würde. Stellt euch etwa mal ein Assassin's Creed vor, in dem ihr die Möglichkeit hättet, die Entwicklung von Städten wirklich beeinflussen zu können. Gebäude entstehen oder zerfallen, weil ich bestimmte Dinge getan habt - oder eben nicht. Ich würde mit ganz neuem Enthusiasmus alles in einem solchen Spiel ausprobieren wollen. Wie damals in Terranigma.

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Tags: Retro  

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Meinungen - Terranigma

phantomcoi
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