Vorschau PES 2020: Spürbare Fußball-Leidenschaft mit exklusiver Juventus-Lizenz

von Jens-Magnus Krause (18. Juli 2019)

Cristiano Ronaldo sprintet völlig frei auf das gegnerische Tor zu. Ein kurzer Haken, der Torhüter ist umkurvt und ... TOR! Die Zuschauer im Allianz Stadium von Juventus Turin rasten komplett aus. Diese Szene kann sich bald auch in eFootball - PES 2020 abspielen. Denn Hersteller Konami hat die offizielle Lizenz des italienischen Rekordmeisters exklusiv erworben. Ein harter Nackenschlag für Konkurrent FIFA.

eFootball - PES 2020: So sieht das Spiel in Aktion

Alle großen Sportspiel-Serien teilen ein wenig beneidenswertes Schicksal: Es gilt möglichst viele sinnvolle Neuerungen in einer Entwicklungszeit von nur acht bis zwölf Monaten zu integrieren. Das vorläufige Ergebnis dieses Prozesses hat Konami zwei Monate vor Veröffentlichung auf einem Event im Turiner Allianz Stadium vorgestellt. Genauer: der Hersteller gab viele Neuerungen der dieses Jahr erscheinenden Fußballsimulation eFootball – PES 2020 bekannt. Wir haben es drei Stunden lang angespielt und folgende Erkenntnisse erlangt.

Neuer Name, neue Partnerschaft

Etwas Neues fällt bereits im Startbildschirm auf: Vor "PES 2020" steht der Namenszusatz eFootball. Warum? Weil sich Konami damit noch mehr der Welt des eSports öffnen wolle, verrät uns die Vor-Ort-Präsentation in Turin. Man wolle die Sprache der Spieler sprechen und verbesserte Online-Ligen und -Turniere im Wettkampfbereich veranstalten. Es soll dabei auch Veränderungen für die neue Saison 2020 der offiziellen PES-eSport-Liga PES League geben. Details? Aktuell noch Fehlanzeige.

Zum Thema Exklusivität gibt es dagegen zahlreiche Informationen im Detail. Durch die exklusive und auf mehrere Jahre angelegte Club-Partnerschaft mit Juventus Turin ist zuerst einmal der Verein nur im neuen eFootball - PES 2020 spielbar, und nicht beim Konkurrenten FIFA 20.

Das "Allianz Stadium" von Juventus Turin basiert im Spiel auf einem 3D-Scan des Originals. Der Detailgrad reicht damit beinahe an die Realität heran.Das "Allianz Stadium" von Juventus Turin basiert im Spiel auf einem 3D-Scan des Originals. Der Detailgrad reicht damit beinahe an die Realität heran.

All das bedeutet, dass ihr nur beim neuen PES folgendes im Original seht: Vereinswappen, Trikots und die Spielstätte Allianz Stadium. Letzteres haben die Entwickler aufgrund eines aufwändigen 3D-Scans originalgetreu in das Spiel integriert. Jede Sitzschale, jedes LED-Flutlicht und auch der Spielertunnel entsprechen der Realität. Auch der Lichteinfall der Sonne tagsüber und die Flutlicht-Reflexionen bei Abendspielen sind ein wichtiger Teil des überarbeiteten Beleuchtungssystems. Ein weiteres Atmosphäre-Plus: Laufen die Mannschaften in das Stadion ein, ertönt die offizielle Hymne von Juventus Turin. Gänsehaut-Atmosphäre für Fans garantiert.

Den kenne ich doch!

Doch das i-Tüpfelchen der Zusammenarbeit kommt jetzt: Jedes Abbild eines Juve-Kickers im Spiel entstand ebenfalls mittels 3D-Scan. Damit sehen die virtuellen Spieler wie die Originale aus, inklusive Sommersprossen, Narben oder Boxernase. Das schließt auch die bei Fußballern oftmals tätowierten Arme mit ein. Lediglich bei der Darstellung von längeren Haaren erreicht die Grafik-Engine sichtbare Grenzen. So wie bei der neu angekündigten, spielbaren Juve-Legende Pavel Nedvěd zu beobachten. Seine Frisur wirkt eher wie ein mit Hilfe von acht Haarspraydosen erzeugter Helm aus einem Stück. Wir konnten auch mit weiteren Legenden wie Oliver Kahn spielen – der aufgrund besonderer Animationen auch im Spiel extrem aufbrausend, motivierend oder schimpfend daherkommt.

Dennoch möchten wir die Exklusivität genau einordnen: Beim Konkurrenten FIFA 20 heißt Juventus Turin zwar „Piemonte Calcio“, nichtsdestotrotz haben die Spieler in beiden Fußballsimulationen ihre Originalnamen. In FIFA aufgrund der offiziellen "Serie A-Liga"-Lizenz.

Von Spielflussverbesserungen und -unterbrechungen

Um die Serie im spielerischen Bereich weiter zu verbessern, haben die Entwickler sehr eng mit dem Ex-Barcelona-Spieler Andres Iniesta zusammengearbeitet. Das hat positive Auswirkungen auf den Spielablauf, wie wir vor Ort in zahlreichen Test-Partien festgestellt haben.

So gibt es nun zahlreiche neue Animationen zu begutachten, die den Spielverlauf noch flüssiger machen. Zum Beispiel neue Techniken für den Zeitpunkt der Ballannahme. So verlangsamt ein Paulo Dyballa den Ball mal eben so, indem er seine Sohle kurz darauf stellt und ihn danach sofort kontrollieren kann. Zusätzlich konnten wir mithilfe des rechten Sticks sehr feine Dribblings ausführen und einige Verteidiger aussteigen lassen. Der Ausgeglichenheit halber haben die Entwickler aber auch die Defensive verstärkt.

„Es gibt nun deutlich mehr Animationen in der Verteidigung. Spieler nehmen zum Beispiel in bestimmten Situationen die Hände hinter den Rücken, machen sich aber gleichzeitig extrem groß, um gegnerische Schüsse zu blocken“, verrät Lennart Bobzien, Brand-Manager von Konami. Das konnten wir in den Testpartien direkt bestätigt sehen.

Spielerisch weiß die Fußball-Simulation bereits zwei Monate vor Veröffentlichung zu überzeugen. Die Spielermodelle sehen optisch ihren Vorbildern zum Verwechseln ähnlich.Spielerisch weiß die Fußball-Simulation bereits zwei Monate vor Veröffentlichung zu überzeugen. Die Spielermodelle sehen optisch ihren Vorbildern zum Verwechseln ähnlich.

Die Gameplay-Neuerung, die die größten Wellen geschlagen hat, ist das taktische Foul-Spiel. Was uns Lennart Bobzien sofort vor Ort erklärt hat, ist, dass es sich dabei keinesfalls um ein absichtliches Foul-Spiel auf Knopfdruck handele, sondern vielmehr um die Möglichkeit, dass ein taktisches Foul zum Beispiel in Form von Trikotzupfern auf Höhe der Mittellinie möglich sei, um nicht in die Gefahr eines Konters zu laufen. Aber das auch nur, wenn sich ein Trikotziehen anbietet und euer Spieler nicht zu weit vom Gegner entfernt ist.

Lizenzen-Verhackstückelung

„Es ist nicht so, dass wir mit der Deutschen Fußball Liga wegen der Bundesliga-Lizenz nie in Kontakt stehen würden. Aber letztendlich ist es eine Sache des Geldes und der daraus resultierenden Exklusivität für die Konkurrenz“, erklärt Bobzien.

Der FC Bayern München ist samt Stadion, Trikots und Logos offiziel lizenziert im Spiel enthalten.Der FC Bayern München ist samt Stadion, Trikots und Logos offiziel lizenziert im Spiel enthalten.

Letztendlich bedeutet das für eFootball - PES 2020 in Sachen Lizenzen, dass die Bundesliga, die englische Premier League und die spanische LaLiga nicht lizenziert enthalten sind. Mit einigen Mannschaften aus diesen Ligen konnte Konami aber individuelle Club-Partnerschaften abschließen und/oder verlängern.

Zwar nicht exklusiv wie mit Juventus Turin, aber immerhin. Aus der Bundesliga konnte man den FC Bayern München gewinnen inklusive der Allianz Arena (diese exklusiv), dazu gesellen sich Schalke 04 und ein drittes, unangekündigtes Team. Aus der englischen Premier League sind Manchester United und Arsenal dabei, aus Spanien auf jeden Fall der FC Barcelona.

Karriere machen und wöchentliche Finals

Auch die Spielmodi überarbeitet Konami für den neuen Teil. Der Offline-Karrieremodus namens Meister-Liga enthält ein umfassendes Update. Das bedeutet unter anderem, dass ihr in interaktiven Dialogsequenzen, beispielsweise bei Pressekonferenzen, in Form von Texten eure Antworten selbst bestimmen könnt.

Dazu gesellt sich auch ein gänzlich neuer Modus, nämlich Matchday. Hier stellt Konami pro Woche eine andere Spielpaarung in den Mittelpunkt. Zum Beispiel Bayern gegen Schalke. Jeder Spieler entscheidet sich in diesem Modus, ob er eine Woche lang für Bayern oder Schalke auf Punktejagd gehen möchte. So könnt ihr in Online-Partien für Grätschen, Tore und andere Aktionen Punkte sammeln. Die zwei Spieler, die am Ende der Woche für ihre gewählte Mannschaft die meisten Punkte gesammelt haben, treffen im Finale aufeinander.

Links oder rechts? Das Original ist vom Stadion aus dem Spiel kaum noch zu unterscheiden.Links oder rechts? Das Original ist vom Stadion aus dem Spiel kaum noch zu unterscheiden.

Zusätzlich konnten wir vor Ort auch schon angedeutet sehen, dass die Menüs optisch moderner wirken, da in eine lila-pinkfarbene Farblandschaft getaucht. Das ist deshalb ein wichtiger Schritt, weil die Menüs der Vorgänger lediglich mit japanischer Schlichtheit – auch bei den Farben – glänzten. Also gar nicht.

Übrigens: am 30. Juli erscheint die Demo für PC, PS4 und Xbox One mit unterschiedlichen Mannschaften, darunter Manchester United, der FC Bayern und Juventus Turin.

Meinung von Jens-Magnus Krause

Das neue eFootball - PES 2020 hat auf mich zwei Monate vor Veröffentlichung einen schon recht ordentlichen und runden Eindruck gemacht. Mehr noch: die Verbesserungen in nahezu allen Bereichen sehe, höre und spüre ich in den Menüs und vor allen Dingen auf dem Platz.

Und das Wichtigste bei einem Sportspiel ist für mich: Wenn ich nachvollziehen kann, warum ich den Ball verloren habe, das Tor nicht getroffen habe oder nach einem Spiel als Verlierer vom Platz gehe, ist das alles halb so schlimm. Denn solange das gegeben ist, fühlt es sich für mich fair an und motiviert mich, noch besser werden zu wollen.

Zusammenfassend kann ich sagen: die Vorschau-Version hat mich begeistert, jedoch möchte ich das Gesehene fair einordnen. Auf Dauer muss sich zeigen, wie gut die neue Menü-Präsentation, die verbesserten Spielmodi und der Langzeitspielspaß ausfallen. Heftige KI-Fehler fallen einem meistens erst nach deutlich mehr Partien auf als ich in Turin austragen konnte. Und eines geht mir seit Jahren wirklich auf die Nerven: Warum steht die Deutsche Fußball Liga nicht für Gleichberechtigung auch bei der Vergabe von Videospiel-Lizenzen ein?

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