Warsaw

Vorschau Warsaw: Den 2. Weltkrieg durch packende Rundentaktik erleben

von Michael Sonntag (Mittwoch, 24.07.2019 - 15:00 Uhr)

Warsaw wagt ein mutiges Unterfangen: Das Taktikspiel möchte zum einen ein historisches Ereignis akkurat und lehrreich präsentieren und zum anderen im selben Zug packende Unterhaltung liefern. Besser noch: Geschichte und Unterhaltung sollen Eins werden. Wir hatten Publisher Gaming Company zu Gast und konnten einen ersten Eindruck von dieser interessanten Fusion bekommen.

Warsaw - This War of Mine trifft auf Final Fantasy:

Es wurde noch nicht alles erzählt

Kaum ein historisches Szenario wurde in der Videospiellandschaft häufiger behandelt als der Zweite Weltkrieg. Sobald der Begriff auch nur fällt, lassen die simulierten Flashbacks nicht lange auf sich warten, wie man schon in etlichen Spielen die Normandie gestürmt, sich brachiale Panzergefechte geliefert und am Ende tapfer Berlin eingenommen hat.

So sehr sich dieser Stoff auch dazu anbietet, tausendmal heroisch inszeniert zu werden, kann er irgendwann nichts mehr Neues zeigen und erweckt auch nicht mehr das Interesse jedes Spielers.

Dabei wurden beiweitem noch nicht alle Geschichten dieser Zeit im Videospielsektor behandelt, vor allem die dunkelsten und weniger schmeichelnden. Entwickler Pixelated Milk möchte in seinem Indiespiel Warsaw eine dieser Geschichten erzählen - mit einer subtilen Methode.

Schön anzuschauen, aber nicht ohne eine gewisse Mulmigkeit: Warsaw vermittelt durch Design und Sound eine sehr einnehmende Atmosphäre.
Schön anzuschauen, aber nicht ohne eine gewisse Mulmigkeit: Warsaw vermittelt durch Design und Sound eine sehr einnehmende Atmosphäre.

Wofür kämpfe ich hier eigentlich?

Sobald ihr Warsaw das erste Mal spielt, werdet ihr es nicht direkt mit dem Zweiten Weltkrieg in Verbindung bringen. Stattdessen findet ihr euch in einem animierten Comic wieder, in dem ihr klassische Rundenkämpfe austragt. Sprich, zwischen den Charaktern wechselt, alle Möglichkeiten vergleicht und dann Zug für Zug Treffer austeilt und einsteckt.

Die Grafiken sind detailiert und schön anzuschauen, aber sie behandeln zugleich etwas Unheilvolles. Der Spieler ist neugierig, aber gleichzeitig irgendwie betroffen. Dieser Zweck sei beabsichtigt, meint Projektleiter Krzysztof Papliński. Dabei sei es nicht einmal wichtig, die genauen Hintergründe des Spiels zu kennen, spüren würde man sie trotzdem.

Eines fällt aber sofort auf: Es sind keine Soldaten, die ihr befehligt. Es sind Zivilisten, die erst Kämpfen beim Kämpfen lernen müssen. Es ist kein Schlachtfeld, es sind gewöhnliche Stadtstraßen. Was befindet sich hinter all dem?

Fähigkeiten einsetzen, Positionen wechseln, Treffer austeilen und kassieren - Das Prinzip ist bekannt, fühlt sich aber anders an.
Fähigkeiten einsetzen, Positionen wechseln, Treffer austeilen und kassieren - Das Prinzip ist bekannt, fühlt sich aber anders an.

Entscheidet, wie ihr verlieren wollt

In Warsaw spielt ihr die Bevölkerung von Warschau, die sich 1944 gegen den Ansturm der deutschen Besatzungstruppen zur Wehr setzte. Das Spiel dauert insgesamt 63 Ingame-Tage. Was danach kommt? Danach habt ihr verloren, so oder so, so wie es sich auch in der Realität zugetragen hat. Das Ende könnt ihr nicht ändern, ihr könnt aber den Weg bestimmen und so viele verschiedene Geschichten erleben.

Warsaw verfügt über drei Gameplay-Phasen: Hauptquartier, Karte und Kämpfe. Im Hauptquartier (1) stellt ihr euer Team zusammen, das ihr dann auf eine Mission schicken könnt. Es gibt allerdings keine klassischen Rollenbeschreibungen, es sind nun mal keine Soldaten. Nutzt das, was ihr habt, auf die beste Weise.

Ein kleiner Junge, ein Schmuggler, eine Frau - die schiere Anzahl an Figuren und unterschiedlichen Effekten führt dazu, dass ihr beim ersten Mal rein zufällig Leute auswählt. Ob eine Fähigkeit wichtig ist, zeigt sich spätestens dann, wenn ihr sie im Kampf gebraucht hättet.

Loot, Fortschritt oder Information - Wofür wollt ihr heute euer Leben aufs Spiel setzen?
Loot, Fortschritt oder Information - Wofür wollt ihr heute euer Leben aufs Spiel setzen?

Danach befindet ihr euch auf der Karte (2) und steuert euer Team durch die Straßen Warschaus. Einen streng vorgebenen Weg gibt es nicht, abseits könnt ihr die Bevölkerung unterstützen, Loot einsammeln und mit euren Entscheidungen das aktuelle Geschehen beeinflussen. Wer wissen möchte, wie die Lage aussieht, kann sich anhand der auftauchenden Info-Bildchen schlau machen.

Im Kampf (3) wiederum kommt es drauf an, sich eine Taktik zurechtzulegen, im richtigen Moment die Position zu wechseln, verwundete Teammitglieder zu verarzten und abzuschätzen, was der Gegner als nächstes tun wird. Zieht mit Bedacht! Denn es gibt keine Speicherpunkte, um einen Zug zurückzunehmen. Und wenn ein Charakter stirbt, hat er für immer das Zeitliche gesegnet!

Umso belohnender ist es, wenn der letzte Widersacher nach dutzenden Schlagabtauschen besiegt ist und ihr immer noch jedes Team-Mitglied bei euch habt. Es gibt zwar keinen Schwierigkeitsgrad, aber die bittere Gewissheit, dass der Feind anfänglich nicht mit solch einer Gegenwehr gerechnet hat und vergleichsweise schlecht aufgestellt ist, bis er im späteren Spielverlauf umso brutaler und waffenstärker zurückschlagen wird.

Warsaw erscheint voraussichtlich am 4. September 2019 für PC. Der Entwickler hat aber schon jetzt in Aussicht gestellt, dass nach Release auch andere Plattformen eigene Versionen bekommen sollen.

Bewertung von Michael Sonntag

Wie viel Geschichte hinter Warsaw wirklich steckt, habe in meiner Vorschau mit Bedacht ausgelassen. Immer wieder musste ich das Spiel pausieren, um mit dem Projektleiter über einzelne Details zu sprechen. Was den zeitlichen Ablauf angeht, die Stadtkarte, die Personen, selbst die Kleidungen und Angewohnheiten - Es wird spürbar, dass kein Aspekt zufällig gewählt worden ist und hier sehr viele Experten zu Rate gezogen worden sind. Aber das Wichtige: Diese Informationen drängen sich dem Spieler nicht auf, sie liegen bereit, aber fürs Spielen sind sie nicht notwendig.

Ob ein Geschichtsstudent oder ein "Final Fantasy"-Liebhaber Warsaw spielt, die Erfahrung wird höchstwahrscheinlich dieselbe sein, am Ende werden beide Warschau verteidigen und dabei scheitern. Unabhängig von seinem Gehalt, ist es gameplaytechnisch ein harter Brocken. Es gibt sehr viel zu beachten. Selbst das Tutorial merkt irgendwann, dass es langsamer hätte einsteigen sollen. Das meiste werdet ihr ohnehin erst beim Spielen und Scheitern lernen.

Ich bin gespannt, wie sich die vollen 63 Spieltage anfühlen werden und ob das Spiel über diesen Zeitraum seine Balance zwischen Unterhaltung und Geschichte halten kann. Eins vorab: Es ist sehr textlastig. Ich frage mich, ob an der einen oder anderen Stelle eine stumme Sequenz eine Erfahrung nicht besser vermittelt hätte.

Unabhängig, ob das Unterfangen glückt, fühle ich mich herausgefordert und möchte erfahren, wie ich mich gegen härtere Gegner schlage. Auch wenn diese Kampfhunde auch schon echt fies gewesen sind.

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