Souls-like | Wie steigt ihr überhaupt in "From Software"-Spiele ein?

(Special)

von Stefan Wirth (29. September 2019)

Vor zehn Jahren hätte wohl niemand für möglich gehalten, am allerwenigsten wohl die Entwickler selbst, dass das Genre Souls-like einmal im Fokus der Mainstream-Spiele stehen würde. Das damals in Form von Demon's Souls gerade erst entstandene Genre wurde nämlich unter keinem guten Stern geboren.

Glück im Unglück

Damals war Entwickler From Software von Sony beauftragt, ein Rollenspiel im "Dark Fantasy"-Szenario, angelehnt an die "King's Field"-Reihe, zu entwickeln. Doch niemand wusste so richtig wohin mit dem Projekt, sodass es zwischenzeitlich kurz vor dem Scheitern stand. Ganz nach dem Motto: "Schlimmer kann es eh nicht mehr werden!", übernahm Hidetaka Miyazaki, ein Programmierer, der keine Ahnung von der kreativen Leitung eines Videospiels hatte, die Rolle des Creative Director.

Da das Projekt sowieso zu scheitern drohte, bekam Miyazaki Narrenfreiheit und Demon’s Souls entstand. Was dann folgte, ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Das zunächst für Japan exklusive Spiel wurde ein Riesenerfolg und schwappte schließlich auch in die westliche Welt. Der spirituelle Nachfolger Dark Souls entpuppte sich als noch größerer Hit und der Weg war geebnet. Weitere "Souls-like"-Spiele von From Software erschienen und auch andere Studios versuchten sich an dem Genre.

Zwar gibt der erste Trailer zu Elden Ring nur wenig preis, macht aber Lust auf mehr:

Was dann nicht nur Soulsborne-Fans aufhorchen ließ, war die Ankündigung von Elden Ring. Diese bestätigte nämlich endgültig die Zusammenarbeit von From Software mit George R.R. Martin, dem Autor des Buchzyklus Das Lied von Eis und Feuer, auf dem die Erfolgsserie Game of Thrones basiert. Damit ist zweifellos die Grundlage für einen Verkaufserfolg geschaffen, wäre da nicht ein Problem: Viele Leute haben Berührungsängste mit dem Genre Souls-like.

Eine Schwierigkeit abseits der Schwierigkeit

Ein Grund dafür liegt auf der Hand. Die Spiele sind wegen ihres Schwierigkeitsgrades geradezu berüchtigt. Nicht umsonst wurde die Floskel "Spiel X ist das Dark Souls des Genres Y" zu einem geflügelten Wort aller Gaming-Redakteure, die sich nie wirklich mit Dark Souls beschäftigt haben und zuletzt ein etwas anspruchsvolleres Spiel testen mussten. Dieser unsägliche Vergleich, der sich jedes Mal nur auf die Schwierigkeit bezieht, lässt den zweiten Aspekt, welcher die Soulsborne-Spiele so besonders, aber auch so abschreckend macht, komplett außer Acht. Es ist die Art, wie diese ihre Geschichten erzählen.

Der Tod - ständiger Begleiter in allen Spielen von From Software.Der Tod - ständiger Begleiter in allen Spielen von From Software.

Wahrscheinlich wäre es für viele Souls-Neulinge einfacher, sich durch die knackigen Anfangs-Level zu beißen, wenn auf Anhieb erkenntlich wäre, welches erzählerische Dynamit darin versteckt ist. Das ist bei Dark Souls, Bloodborne, Sekiro und Co. jedoch mitnichten der Fall. Das erzählerische Element, das hier im Mittelpunkt steht, ist die Lore, oder zu Deutsch: Überlieferung.

Ihr könnt euch also nicht wie bei anderen Spielen entspannt zurücklehnen und hoffen, dass ihr das Wichtigste schon in Filmsequenzen erklärt bekommt. Solltet ihr es auf diese Weise wider Erwarten schaffen Dark Souls oder Bloodborne überhaupt durchzuspielen, hättet ihr wahrscheinlich ziemlich genau gar keine Ahnung, was überhaupt die Geschichte der Spiele ist. Vielmehr müsst ihr mit der akribischen Einstellung eines Historikers an die Spiele herangehen. Die Geschichten der Souls-likes erschließen sich nämlich erst durch das Zusammenspiel von Dialogfetzen, Item-Beschreibungen, den Fundorten von Gegenständen und natürlich dem Gegner- und Level-Design.

Die Faszination Lore

Um zu verstehen, warum ihr euch so etwas überhaupt antun solltet, wenn es doch auch Spiele gibt, die ihre Geschichte geradeheraus schildern, ist es wichtig zu wissen, warum die Soulsborne-Spiele so erzählt werden und welche Folgen das für die Spielerfahrung hat. Hinter der Frage nach dem Warum verbirgt sich eine recht obskure Antwort.

Der Grund dafür führt zurück in die Kindheit des Creativ Director Hidetaka Miyazaki. Dieser war in jungen Jahren großer Fan westlicher Fantasy-Literatur. Das Problem dabei war, dass es diese Bücher aber meistens nur auf Englisch gab und Miyazakis Kenntnisse der Sprache damals noch sehr begrenzt waren. Doch die Neugier obsiegte über die Sprachbarriere und der spätere Souls-Erfinder puzzelte sich die Geschichte aus den Fetzen die er verstand einfach selbst zusammen. Ob seine Interpretationen tatsächlich dem Inhalt der Bücher entsprachen, steht auf einem ganz anderen Blatt, doch in gewisser Art und Weise war das die Geburtsstunde der Souls-Idee.

In Bloodborne und Co. verraten euch die Item-Beschreibungen mehr über die Geschichte, als die meisten Filmsequenzen.In Bloodborne und Co. verraten euch die Item-Beschreibungen mehr über die Geschichte, als die meisten Filmsequenzen.

Damit erklärt sich aber nicht nur das Warum, sondern auch, wie die Spiele wirken sollen. Die Aufgabe des Spielers ist es die Handlungsfragmente, die in der ganzen Welt verteilt sind in einen Sinnzusammenhang zu bringen. Erst dadurch erklären sich die Bedeutungen und Geschichten hinter den einzelnen Handlungen, Figuren, Orten und vor allem den Enden der Spiele. Dem ist auch der hohe Schwierigkeitsgrad zuträglich, dieser ist nämlich nicht dazu da, die Spiele künstlich unfair zu gestalten, wie gerne behauptet wird.

Entschleunigung durch Schwierigkeit

Aus dem hohen spielerischen Anspruch ergeben sich nämlich drei wichtige Wirkungen. Erstens entwickelt sich in einem Spiel, in dem Fallen hinter jeder Ecke lauern und häufig nicht der Gegner selbst, sondern seine Positionierung die Gefahr darstellt, ein genauerer Blick auf die Welt. Zweitens zwingen die zunächst unüberwindbar scheinenden Hindernisse euch dazu, eure Taktik und die genutzten Items zu überdenken. Drittens wird durch die hohe Schwierigkeit euer Vorankommen verlangsamt und so das gesamte Spiel entschleunigt.

Ließen sich die Soulsborne-Spiele einfach so bezwingen, ohne dass ihr genau auf eure Umgebung, Ausrüstung und Strategie achten müsstet, würde diese Erzählweise auch nicht funktionieren. So zwingen euch die Spiele gewissermaßen dazu, auf die Erzählfragmente zu achten. Deswegen ist der wohl wichtigste Ratschlag, solltet ihr ein Souls-Einsteiger sein, es langsam angehen zu lassen, aufzupassen und mitzudenken. Dadurch erspart ihr euch in den meisten Fällen schon die gröbsten Schwierigkeiten. So könnt ihr Fallen häufig zu eurem Vorteil nutzen und selbst die schwersten Bosse gehen problemlos in die Knie, wenn ihr deren Schwächen kennt.

So groß der Eisengolem auch sein mag, mit ein paar gezielten Hieben bringt ihr ihn ganz schnell zu Fall.So groß der Eisengolem auch sein mag, mit ein paar gezielten Hieben bringt ihr ihn ganz schnell zu Fall.

Doch um an dieser Stelle ganz ehrlich zu sein: Ein Souls-like im ersten Durchgang komplett zu verstehen und alle Geheimnisse zu lüften ist unmöglich. So gibt es für die Quests der meisten Figuren verschiedene Enden und einige Items oder gar ganze Gebiete sind so kompliziert freizuspielen, dass man sich ernsthaft fragen muss, wie diese überhaupt entdeckt wurden. Aber damit wären wir genau an dem Aspekt, der euch wohl am stärksten hilft euren Weg durch die Souls-Spiele zu finden – die Community.

Das Phänomen Lore

Um die Soulsborne-Spiele hat sich mit der Zeit eine lebhafte Community gebildet, deren Ziel es ist, den Spielen auch noch die letzten Geheimnisse zu entlocken. Genau diese ist wohl der wichtigste Anhaltspunkt für Neueinsteiger, um sich mit der Serie vertraut zu machen. In unzähligen Foren- und Wiki-Einträgen, die mittlerweile ganze Enzyklopädien füllen könnten, sowie YouTube-Videos wurden Informationen selbst über die kleinsten Details aus den Souls-likes zusammengetragen und interpretiert. Hier wollen wir euch einen kleinen Überblick für Neueinsteiger bieten, der natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Bei diesem steht ihr aber zunächst vor demselben Problem, wie Miyazaki bei der Suche nach westlichen Fantasy-Büchern - der Großteil davon ist auf Englisch. Aber nicht verzagen, wenn ihr mit der Sprache nicht so viel anfangen könnt! So gibt es verschiedene deutsche Beispiele, die sich mit der Souls-Lore beschäftigen.

Egal ob Bittsteller oder Erzfeind, wenn die Charaktere in Dark Souls den Mund aufmachen, sprechen sie Englisch.Egal ob Bittsteller oder Erzfeind, wenn die Charaktere in Dark Souls den Mund aufmachen, sprechen sie Englisch.

Beginnen wir mit den umfassendsten Quellen, den Wikis. Hier seien zunächst die Dark Souls- und Bloodborne-Wikis der Seite Fandom genannt. Diese punkten vor allem durch ihre Übersichtlichkeit, dass sie auf Deutsch verfügbar sind und dass alle "Dark Souls"-Teile in einem Wiki zusammengefasst werden.

Mit dem größten Umfang, besonders in Bezug auf Bloodborne, kann jedoch die Seite Fextralife auffahren. Allerdings müsst ihr dafür in Kauf nehmen, dass die Seite nur in der englischen Version vollständig funktioniert und die Wikis zu Dark Souls, Dark Souls 2 und Dark Souls 3 ziemlich stark getrennt sind.

Das optische Design und besonders der Lore-Aspekt sind hier jedoch am besten gestaltet. Zur Vollständigkeit sei noch die Seite Wikidot genannt, die jedoch allein optisch so überholt ist, dass wir euch raten, euch lieber in den Fandom- und Fextralife-Wikis umzuschauen.

Soulsborne auf YouTube

Zahlreiche YouTuber beschäftigen sich mit den Spielen von Entwickler From Software, sodass es ziemlich schnell passieren kann, dass ihr den Überblick verliert. Zwischen den tausenden Let’s Plays, PvP-Ratgebern, Boss-Rankings und Speedruns ist es gar nicht so einfach, die Lore-Videos zu entdecken.

Doch gibt es einen unangefochtenen König dieses Genres namens VaatiVidya. Sowohl was die Qualität des Inhalts, als auch die der Videos angeht, ist er die unangefochtene Nummer Eins der Souls-YouTuber, da er in seiner Aufbereitung alle möglichen Elemente einbringt und nicht nur durch die Level rennt. Das Tolle ist, dass einige seiner Videos von der Community mit deutschen Untertiteln versehen wurden. Leute, die sich mit Englisch schwertun, kommen also auch auf ihre Kosten.

Solltet ihr über gute Englischkenntnisse verfügen und schon etwas in der Handlung der Soul-likes vertieft sein, können wir auch den Kanal The Ashen Hollow empfehlen, solltet ihr richtig viel Zeit haben, dann auch Aegon of Astora, dessen Videos gerne eine Laufzeit von über einer Stunde haben.

Wirklich viele deutsche Lore-YouTuber gibt es nicht, aber es lohnt sich, einen Blick auf den Kanal von SrockJohnny zu werfen. Qualitativ unterliegt er zwar der englischsprachigen Konkurrenz, das Wichtigste über Dark Souls und Bloodborne erfahrt ihr aber auch hier. Für totale Souls-Neulinge empfehlen wir die Video-Trilogie von Landsquid Birdrider, die die Handlung des ersten Dark Souls zusammenfasst:

Einen besonderen YouTuber, den wir an dieser Stelle noch erwähnen möchten, ist Lance McDonald. Dieser beschäftigt sich nicht mit der eigentlichen Lore der Spiele, aber mit geschnittenen Inhalten. Daraus ergeben sich häufig interessante Erkenntnisse über frühere Entwürfe zu Handlung und Charakteren. Auch hier lässt sich die Sprachbarriere umgehen, da sich die heimischen Gaming-Seiten sehr häufig mit Lances Funden auseinandersetzen.

Wohin, wenn man schon alles weiß?

Die letzte Anlaufstelle in Bezug auf die Soulsborne-Spiele stellen die diversen Foren dar. Gerade für Anfänger wirken diese häufig verwirrend, was wenig verwundert, sind diese doch vor allem für Spieler gedacht, die sich mit den Souls-likes sehr gut auskennen. Hier geht es vor allem darum sich über Theorien auszutauschen, Tipps für die Perfektionierung der eigenen Ausrüstung zu sammeln oder Mitspieler zu rekrutieren.

Wenn ihr Neueinsteiger seid, ist es also überhaupt kein Problem, wenn ihr Foren erst einmal meidet. Habt ihr jedoch ein paar der Spiele durchgespielt und seid im Soulsborne-Fieber, werden die Foren wohl zu den interessantesten Community-Plattformen. Gerade deshalb ist es so schwer eine Empfehlung auszusprechen, da die Forenwahl sehr von eurem subjektiven Spielstil abhängig ist. Als Anlaufstellen wollen wir hier die Subreddits zu Dark Soul, Bloodborne und Co. nennen, sowie die Forensektionen der einzelnen Wikis und die Chat-App Discord.

Aber warum denn eigentlich?

Falls ihr euch jetzt fragt: Wozu denn eigentlich das Ganze und wieso solltet ihr die Spiele nicht einfach auf eigene Faust erkunden? Das könnt ihr natürlich gerne tun, allerdings gibt es ganz subjektive Gründe, warum manche Spieler eben doch gerne auf die diversen Handlungshilfen beim Durchspielen zurückgreifen.

Ob ihr diese Angebote nutzt, ist natürlich ganz und gar euch überlasen. Auch die bewährte Taktik - einmal blind durchspielen und danach nochmal, um alles zu erleben und zu verstehen, ist denkbar. Danach solltet ihr aber auf jeden Fall einen Blick in die Foren und Wikis werfen, denn der Austausch mit anderen über die besten Builds und Theorien zur Handlung macht (eigentlich viel mehr als) die Hälfte des Spaßes aus.

Solltet ihr also schon länger mit der Soulsborne-Reihe liebäugeln, euch aber nie herangetraut haben, solltet ihr nach der Ankündigung von Elden Ring endlich in die Reihe einsteigen wollen oder solltet ihr auch gar keine Lust auf ein Souls-like haben, sondern seid nur an der Lore interessiert, dann hoffen wir, wir konnten euch den Weg für einen guten Einstieg aufzeigen. Zum Abschluss möchten wir euch noch auf das Subreddit r/fashionsouls hinweisen, in dem es nur darum geht, die Charaktere möglichst cool zu kleiden.

Haben die Souls-Neulinge unter euch das Gefühl nun besser zu wissen, wie sie in die Reihe einsteigen können? Und welche Ratschläge haben die Veteranen unter euch für die Neueinsteiger? Haben wir eine wichtige Anlaufstelle vergessen? Verratet uns in den Kommentaren, was ihr denkt!

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Tags: Singleplayer  

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