Online-Gaming: Die Erfahrungen queerer Spieler

(Special)

von Matthias Kreienbrink (04. August 2019)

Haben oft mit Problemen in Online-Games zu kämpfen: Queere Menschen.Haben oft mit Problemen in Online-Games zu kämpfen: Queere Menschen.

Der Pride-Monat mag rum sein, doch das Thema queerer Games und Gamer ist uns auch danach noch wichtig. Mehr als nur unsere Logos in Regenbogenfarben zu färben möchten wir wissen, welche Erfahrungen queere Spieler und Spielerinnen in Online-Games machen. Darum haben wir mit einigen gesprochen.

Queer - was ist das eigentlich? Queer ist ein Sammelbegriff für Identitäten, die sich selbst abseits der heterosexuellen oder auch zweigeschlechtlichen Norm sehen. Das können also Menschen sein, die auf das gleiche Geschlecht stehen. Das sind trans Menschen genauso wie Menschen, die sich keinem Geschlecht zurechnen möchten. Queer wird auch oft synonym mit LSBTI genutzt, welches für lesbisch, schwul, bi, trans und intersexuell steht.

Kurz dachte Peter, er könnte Mordhau so wie alle spielen. Doch als die ersten "Faggots" durch den Raum flogen, war ihm klar: Das tut er sich nicht an. Sicherlich, diese Schimpfwörter waren nicht immer direkt an ihn gerichtet. Aber sie trafen ihn, erzählt er. Nahmen ihm den Spaß am Spiel. "Irgendwann war Mordhau nur noch ein Spiel, in dem toxische Männlichkeit gefeiert wurde", sagt er uns. Er habe keine Lust, in dem Hobby, das ihm eigentlich Freude und Entspannung geben soll, andauernd von dem Schimpfwort getroffen zu werden, das für alles steht, was ihn verletzbar macht in unserer Gesellschaft. Er ist ein schwuler Mann.

So gehen wir selbst mit Hasskommentaren um:

So wie Peter geht es nicht wenigen queeren Spielern und Spielerinnen. Sie werden - ob wissend oder unwissentlich - in Online-Spielen beleidigt, ausgegrenzt. Die Vorstellung, dass da ein schwuler Mann, eine lesbische Frau, eine trans Person gegen sie im Online-Game antritt - und vielleicht sogar gewinnt - scheint einige Gamer dazu zu bringen, ausfällig zu werden. "Ihr Spiel" soll bitte nur von Menschen wie ihnen gespielt werden.

In unseren Recherchen zu diesem Thema haben wir mit einigen Spielerinnen und Spielern gesprochen. Der Konsens unter den meisten von ihnen: Online-Spiele lieber ohne Voicechat. Und gerade unter Spielerinnen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie wegen ihres Geschlechts angequatscht werden. "Bist du wirklich eine Frau? Kannst du denn echt zocken?" Das sind so diese Klischees, die viele Frauen erleben. Sollten diese dann noch sagen, dass sie nicht auf Männer stehen - darauf hat keine Frau Lust, mit der wir gesprochen haben. Das Nachspiel wäre wohl zu unangenehm.

Frauen haben es in Online-Spielen nicht immer leicht. Queere Frauen sicherlich nicht einfacher.Frauen haben es in Online-Spielen nicht immer leicht. Queere Frauen sicherlich nicht einfacher.

Eine Zahl: Die Anti-Defamation League hat jüngst eine Studie über Belästigung in Online-Spielen veröffentlicht. Dieser ist zu entnehmen, dass in den USA 35 Prozent der LGBTQI-Gamer Belästigungen, teilweise schlimmster Art, aufgrund ihrer Identität erfahren haben. Während sicherlich schon viele von euch mal in einem Online-Spiel beleidigt wurden, weil ihr vielleicht euer Team im Stich gelassen oder einen Schuss versemmelt habt, werden diese Menschen explizit dafür beleidigt, was sie sind. Es geht nicht um ihre Art zu spielen, es geht um ihre Person. Und genau darum gehen diese Belästigungen tiefer - sie verletzen nachhaltig.

Doch lassen sich diese Vorfälle in den Spielen selbst teilweise ausblenden - indem der Ton runtergedreht wird oder man mit Menschen zusammen spielt von denen man weiß, dass sie nicht homophob sind. Schwieriger wird es jedoch bei dem Getöse, das immer wieder um Videospiele herum laut wird. Dann etwa, wenn ein queerer Charakter in einem Spiel angekündigt wird. Sei es in einem Overwatch oder einem The Last of Us 2. Dann, wenn Videospiel-Charaktere eine sexuelle Identät bekommen, die nicht heterosexuell ist, scheint das einige zu stören. Dann sind Videospiele plötzlich "politisch" und die Spiele hätten eine "Agenda". Oft kommt es dabei zu beleidigenden und hetzerischen Kommentaren, die viele queere Gamer abschrecken können, die sich doch eigentlich nur darüber freuen möchten, in einem Videospiel mal sich selbst repräsentiert zu sehen. Genau über dieses Thema haben wir vor einiger Zeit eine Kolumne geschrieben: Queer Gaming: Die häufigsten Vorurteile - und warum sie Quatsch sind.

Hat nicht nur für Freude gesorgt: Der Kuss Ellies in The Last of Us 2.Hat nicht nur für Freude gesorgt: Der Kuss Ellies in The Last of Us 2.

In unseren Gesprächen mit queeren Gamern haben wir jedoch auch von einigen positiven Erlebnissen gehört. Allen voran wurde die Möglichkeit genannt, sich in Videospielen ein Aussehen und damit eine Identität zu geben, die man im normalen Leben nicht hat. "Mit 15 Jahren habe ich mir die Haare bunt gefärbt", erzählt uns etwa Nikolas. "Als Junge durfte ich mir regelmäßig anhören, dass ich schwul sei". Im Internet aber habe dieses Problem nicht bestanden. Da konnte er Charaktere mit bunten Haaren kreieren und niemanden habe es gestört.

Das ist durchaus eine Stärke von Videospielen und damit auch Online-Spielen, die einen umfangreichen Charakter-Editor haben. Sie ermöglichen es Gamern, verschiedene Identäten anzuspielen und mit diesen mit anderen Spielern zu interagieren.

Auch gaben queere Spieler und Spielerinnen im Gespräch an, dass es Communitys gäbe, die weniger toxisch sind als andere. Da wo Peter große Probleme mit Mordhau hat, gaben andere an, dass sie etwa in Final Fantasy 14 gute Erfahrungen gemacht haben. Dass die Akzeptanz da recht hoch sei.

Wahrscheinlich ist es von Person zu Person unterschiedlich, welche Erfahrungen sie mit Homophobie in Online-Spielen und der Videospiel-Branche gemacht hat. Es hängt sicherlich auch damit zusammen, wie offen die Menschen mit ihrer Identität umgehen. Je mehr sie sich verstecken, desto weniger Probleme haben sie. Doch das sollte nicht der Weg sein. Jeder Mensch sollte in Videospielen offen sein dürfen, ohne belästigt und beleidigt zu werden. Es liegt nicht in der Verantwortung der sogenannten Minderheiten, ihre Identitäten zu verstecken und im Zweifelsfall mit den Beleidigungen zu leben. Es sollte stattdessen unserer aller Verantwortung sein, für offene und freundliche Räume zu sorgen, in denen sich Menschen wohl fühlen. In denen Hass und Intoleranz keinen Platz haben.

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