Trophäen und Achievements | Wir haben Entwickler gefragt, ob das nervt

(Special)

von Matthias Kreienbrink (18. August 2019)

Viele von euch sammeln sie sehr fließig: Die Trophäen und Achievements, die euch etwa auf der PlayStation 4 oder auf Steam angezeigt werden, wenn ihr bestimmte Aufgaben erfüllt habt. Doch nervt es eigentlich, diese kleinen Belohnungen in die Spiele einzubauen? Wir haben mit Entwicklern darüber gesprochen.

Online-Gaming: Abzocke oder ein faires Modell?

Insgesamt haben wir mit sieben Entwicklern und Entwicklerinnen gesprochen und ihnen die Frage gestellt, wie sie eigentlich zu den Trophäen und Achievements stehen. Von CD Projekt Red über Indie-Studios bis zu Ubisoft reicht die Bandbreite.

Eines ist Fakt: Möchte ein Studio ein Spiel auf Steam verkaufen, es auf der PlayStation 4 oder Xbox One feilbieten, müssen diese Belohnungen für die Spieler enthalten sein. Es ist also unumgänglich, dass die Entwickler sich mit dem Thema auseinandersetzen, damit ihr dann die Spiele nach den Trophäen absuchen könnt.

In den Gesprächen ist uns aufgefallen, dass kaum jemand eine eindeutig positive oder negative Meinung zu den Achievements hat. Vielmehr nannten uns alle sowohl Vor- als auch Nachteile. Dinge, die Spaß machen und sogar Kreativität fördern - und dann die Gegenseite, die nervtötenden Mechanismen.

Darum teilen wir diesen Artikel in zwei Bereiche auf. Zuerst wollen wir darüber berichten, was den Entwicklern und Entwicklerinnen Spaß macht an dem Erdenken von Achievements. Danach wird es um die Aspekte gehen, die ihnen auf die Nerven gehen.

Das gefällt den Entwicklern an Trophäen und Achievements

Jörg Friedrich hat bis 2012 an Spec Ops: The Line mitgearbeitet. Er sagt, dass die Arbeit an Achievements ihm damals Spaß gemacht habe: "So konnte ich das Spiel aus einer ganz neuen Perspektive sehen", sagt er. Denn um gute Aufgaben zu finden, habe er das Spiel anders spielen müssen. Es ging dann nicht mehr um die Geschichte, sondern um spielerische Herausforderungen. Aber: "Wir haben uns Mühe gegeben, damit es dennoch ein ernsthaftes Spiel bleibt."

"Es kann eine große Lust sein", sagt Benedikt Grindel, der Managing Director bei Bluebyte ist, welches zu Ubisoft gehört. Zuletzt hat er an Anno 1800 gearbeitet. "Wir wissen, dass viele unsere Spieler Completionists sind. Für die sind diese Achievements die Kirsche auf dem Kuchen." Es sei jedoch wichtig, von Anfang an zu überlegen, an welchen Stellen diese Belohnungen freigeschaltet werden können. Nur dann arte das Ganze nicht in Stress aus.

Carolin Wendt ist Community Managerin bei CD Projekt Red, die gerade an Cyberpunk 2077 arbeiten. Wie die Trophäen in diesem Spiel aussehen werden, kann sie uns leider noch nicht sagen, aber an ihnen werde schon mit viel Freude gearbeitet: "Wir sehen es als kreative Herausforderung und haben bei Brainstormings zu diesem Thema in der Regel sehr viel Spaß."

Marcus Bäumer hat zuletzt Unforeseen Incidents entwickelt. Auch er hat größtenteils Spaß am Erfinden von Herausforderungen: "Aus Game Design-Sicht ist es interessant, wie man die Spieler dadurch nochmal auf einer ganz anderen Ebene erreichen und motivieren kann, indem man weitere Geheimnisse und Errungenschaften ins Spiel einbaut. Man kann aus Achievements mit den richtigen Beschreibungen im Store nochmal für sich eigene, kleine Rätsel hinzufügen."

Das nervt die Entwickler an Trophäen und Achievements

Momentan arbeitet Jörg Friedrich an Through the Darkest of Times, ein Spiel, das sich mit dem deutschen Widerstand während der NS-Zeit auseinandersetzt. Zwar sagt er, dass das Erstellen von Trophäen und Co. ihm auch hier schlussendlich Spaß machen werde, doch: "Bei Through the Darkest of Times könnte es vielleicht etwas komplizierter werden." Denn das Spiel habe einen sehr ernste Thematik. Und gerade in Zwischensequenzen sollen da keine Achievements aufploppen. Denn diese können schlussendlich auch eine große Ablenkung sein.

Fabian Fischer ist Game Designer bei Travian Games. Zwar weiß er, dass viele Spiele großes Interesse an Achievements haben, er jedoch ist kein großer Fan davon. "Also mich nervt es. Ich bin ein Verfechter einer sehr auf die Kernmechanik fokussierten Design-Philosophie. Das Spiel soll in sich geschlossen Spaß machen und die interessanteste Spielweise anreizen." Belohnungen für teils absurde Spielweisen sieht er daher skeptisch.

Weiter spricht Fabian Fischer einen Punkt an, den einige Entwickler mit ihm teilen: "Konkret habe ich bei Travian Kingdoms das Achievement-System als Ganzes designt. Die Zeit hätte ich lieber in eine Verbesserung des bestehenden Gameplays gesteckt."

Ähnliches hat uns auch Benedikt Grindel erzählt, der sagte, dass diese Achievements gerade am Ende der Entwicklung ordentlich Zeit kosten können - Zeit, die man aber gerade dann nicht hat, wenn das Produkt noch ordentlich poliert werden müsse.

Und ein weiterer Punkt geht einigen Entwicklern auf die Nerven. Riad Djemili bringt es auf den Punkt. Er arbeitet gerade am zweiten Teil von Curious Expedition. "Alle Plattformen haben verschiedene Backends und Formulare, die ausgefüllt werden müssen", sagt er. Ein Achievement-Icon auf der Xbox One müsse etwa anders aussehen als auf der PlayStation 4.

Auch Jana Reinhardt bestätigt die eher mühsame Kleinstarbeit beim Erstellen der Achievements. Sie arbeitet als Art Designerin bei Rat King Entertainment. "Nervig bei Steam ist, dass man die Achievements nicht automatisiert hochladen kann - dann musst du schon mal 100 Achievements einzeln einstellen".

Ihr seht, für eure Achievements und Trophäen wird teilweise hart gearbeitet. Und auch wenn es vielen der Entwickler Spaß macht, sich lustige und herausfordernde Aufgaben auszudenken und diese entsprechend kreativ zu belohnen - schlussendlich ist es doch oft Zeit, die auch noch für das Optimieren des Spiels genutzt werden kann.

Doch wie steht ihr eigentlich selbst zu Achievements? Jagt ihr diese, sammelt sie bis aufs Letzte, oder sind sie euch ziemlich egal? Schreibt uns eure Meinung und eure Spiel-Gewohnheiten doch in die Kommentare!

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