Gaming im Kriegsgebiet | Ein Soldat berichtet von Shootern zum Stressabbau

von Tom Lubowski (08. August 2019)

Die Attentate der vergangenen Tage in den USA führten erneut zur Verurteilung von Games durch hochranginge amerikanische Politiker - darunter Präsident Donald Trump. Auf Reddit meldet sich nun ein ehemaliger Soldat zu den Vorwürfen zu Wort. Er berichtet von positiven Auswirkungen von Shooter-Games auf seine Psyche während Kriegseinsätzen.

spieletalks #16 Gewalt und Sex in Videospielen - ist eines schlimmer als das andere?

Der Thread auf Reddit trägt den Namen "Gaming used as a decompression from real war", also "Games als Mittel zum Abbau von Druck aus dem echten Krieg". Darin legt ein User, der angibt, ehemaliger Soldat einer Spezialeinheit des US-Militärs zu sein, seine persönlichen Erfahrungen mit Shootern dar. Dabei erzählt er die Geschichte eines Auslandseinsatzes, an dem er teilnahm. Innerhalb der ersten 24 Stunden geriet seine Truppe bereits unter feindlichen Beschuss - nichts Ungewöhnliches, wie er bekräftigt.

Überraschend erscheint dagegen die Art und Weise der Truppe, mit dem überstandenen Angriff umzugehen. Nach dem Gefecht stürzten sie sich, wie der User mit dem Namen MrMortySmith sagt, auf ihre Xbox-Controller und zockten gemeinsam LAN-Turniere. "Dies war unser Stressabbau", erklärt er.

Halo, Call of Duty, Rainbow Six und Battlefield waren die Favoriten unter den Soldaten, sagt er. "Ich erinnere mich noch an unseren 30-jährigen Sergeant, der nie ein Spieler gewesen war und bei seinem zehnten Einsatz zum ersten Mal Rainbow Six Vegas 2 gespielt hat […]. Für einige Stunden war all das Gewicht von seinen Schultern genommen.“

"Videospiele machen Leute nicht gewalttätig. Einige der besten Militäreinheiten der Welt nutzen Videospiele, um den Stress des wirklichen Krieges zu kompensieren und abzubauen.“, sagt er. Und meint, dass Games Menschen weder aggressiv noch gewalttätig machen.

Darüber ist sich die Forschung allerdings nicht einig. Viele wissenschaftliche Befunde lassen den Schluss zu, dass Spiele unter Umständen verschiedene Formen von Aggression fördern können, nicht nur gewalthaltige.

Inwiefern diese Effekte langfristig anhalten und in gewalttätigem Verhalten münden, ist umstritten und Teil angehender wissenschaftlicher Untersuchungen. Dem gegenüber stehen Befunde, die auch positive Effekte von Spielen auf das Sozialverhalten beschreiben. Es ist also nicht möglich, Videospielen eindeutig eine positive oder negative Wirkung zu- oder abzusprechen. Jedoch ist es interessant, die persönlichen Eindrücke von jemandem zu lesen, der zeitweise täglich reeller Gewalt ausgesetzt war. Was sagt ihr dazu? Schreibt es uns in die Kommentare!

Tags: Politik  

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