Test Oninaki | Modernes Action-RPG nach nostalgisch alter Schule

von Thomas Nickel (21. August 2019)

Nach I am Setsuna und Lost Sphear ist mit Oninaki das dritte Rollenspiel von Tokyo RPG Factory am Start. Ob das nun endlich mal an das Niveau der Klassiker aus den 90er Jahren anknüpfen kann?

Im Trailer seht ihr, was euch in Oninaki erwartet:

In der Welt von Oninaki dreht sich alles um den Tod und die anschließende Wiedergeburt. Aber damit die gelingt, dürfen die Hinterbliebenen nicht um die Verstorbenen trauern, sonst steckt deren Seele in einer gruseligen Zwischenwelt fest und kann zu einem blutrünstigen Monster werden. In solchen Situationen greifen dann die Wächter ein. Die können zwischen der realen Welt und der Zwischenwelt hin und her springen und erlegen nicht nur die genannten Monster, sie versuchen vor allem, verlorenen Seelen zu helfen, damit es gar nicht erst zu einer ungewollten Verwandlung kommt.

Ob nun ein verstorbener kleiner Junge ein letztes Mal seine Eltern sehen will, ein Toter noch einmal eine bestimmte Waffe in der Hand halten möchte oder die Gründe für die Ruhelosigkeit einer Seele tiefer liegen, in der Rolle des mürrisch-barschen Kagachi versucht ihr, den Seelen gemeinsam mit eurer Partnerin Mayura zu helfen. Und Kagachi kennt die Situation, verlor er seine eigenen Eltern doch auch bereits in jungen Jahren.

RPG aus dem Goldenen Zeitalter oder nur nostalgischer Versuch?

Groß waren die Erwartungen an die ersten beiden Spiele der Tokyo RPG Factory, eines kleinen, weitgehend autonomen Studios im Dienste des Rollenspiel-Riesen Square Enix. Die Abenteuer der RPG-Fabrik sollten an die Qualitäten der Spiele aus dem goldenen Zeitalter der Rollenspiele in den 90er Jahren anknüpfen - als Square und Enix - damals noch Konkurrenten - mit Spielen wie Chrono Trigger, Dragon Quest 5, Parasite Eve oder Final Fantasy 6 ein paar der besten und originellsten Rollenspiel-Abenteuer aller Zeiten erschufen.

Der Kampf: Simple Mechanik in fulminanter Optik.Der Kampf: Simple Mechanik in fulminanter Optik.

So ganz hat das bisher nicht geklappt. Gleichwohl man sowohl I am Setsuna, als auch Lost Sphear deutlich ihre Inspiration ansehen konnte, erreichte keines der beiden Spiele das Niveau der großen Vorbiler. Ob das nun an der oft etwas mageren Grafik, zu vielen spielerischen Optionen (im Falle von Lost Sphear) oder einfach fehlendem Feinschliff liegt sei dahingestellt. Nachdem sich Lost Sphear aber gerade in Japan doch ziemlich mäßig verkaufte, änderte man den Plan: Oninaki verzichtet nun auf die rundenbasierten Kämpfe im Stil von Chrono Trigger oder Final Fantasy, Protagonist Kagachi drischt hier nun drauf wie in einem Actionspiel.

Der Schritt zum Action-RPG ist vollzogen

Menüs sind bei Oninaki passé. Mithilfe nur eines Knopfes haut ihr mit eurer aktuellen Waffe zu, die anderen Buttons lösen Spezialmanöver aus. Die kosten keine Magiepunkte oder ähnliches, stattdessen wird ihr Einsatz über eine Cooldown-Mechanik begrenzt. Interessant ist aber, wie ihr an diese Specials kommt: Denn Kagachi ist nicht alleine unterwegs, er hat stets vier Dämonen dabei, von denen einer jeweils aktiv ist. Dämonen, das klingt nach gehörnter Höllenbrut, tatsächlich sind aber auch die Dämonen verlorene Seelen, die ihre Erinnerung verloren haben und euch nun hilfreich zur Seite stehen.

Oft greifen Gegner in grossen Massen an. Da ist es gut, dass viele Angriffe oft gleich mehrere Feinde auf einmal treffen.Oft greifen Gegner in grossen Massen an. Da ist es gut, dass viele Angriffe oft gleich mehrere Feinde auf einmal treffen.

Jeder Dämon hat seinen eigenen Talentbaum auf dem ihr neue Spezialmanöver ausrüstet, aber auch Status-Verbesserungen und verlorene Erinnerungen kauft, so erfahrt ihr dann doch mehr über eure Helfer. Eine Prozentanzeige zeigt, wie gut ihr und euer Helfer oder eure Helferin kooperieren. Übersteigt sie eine gewisse Schwelle, entfesselt ihr eure wahre Macht und haut für eine kurze Zeit härter zu und werdet von gegnerischen Angriffen nicht zurückgeschleudert. Passt aber auf, dass ihr es nicht übertreibt - verletzt werden könnt ihr auch in diesem Modus nach wie vor.

Wandler zwischen den Welten

Die zweite zentrale Mechanik ist der Weltenwechsel. Mit der Schultertaste wechselt ihr in die Welt der Geister - dort redet ihr mit verlorenen Seelen, findet auch manch eine Schatzkiste und könnt Orte aufsuchen, die in der realen Welt nicht zugänglich sind - viele der kleinen Rätsel nutzen die Unterschiede zwischen den Welten gezielt aus. Doch in der Zwischenwelt ändern sich nicht nur Licht und Farbpalette, auch die Kämpfe fühlen sich anders an, die Regeln werden geändert. Mal ist jeder Schlag ein kritischer Treffer, mal wirft ein erfolgreicher Angriff den Getroffenen mehrere Meter zurück.

Ihr könnt auch nicht vollkommen frei wechseln, in manchen Gegenden müsst ihr in der realen Welt erst ein besonders dickes Monster erlegen, bevor ihr euch in der anderen Welt bewegen könnt, vorher seht ihr so gut wie nichts und jeder gegnerische Angriff ist tatsächlich tödlich. Aber auch so setzen euch die Gegner einiges entagegen: Nur wer ordentlich Erfahrungspunkte sammelt, seine Dämonen stärker macht und auch Ausschau nach wertvollen Medizinflaschen hält, der kann all den verlorenen Seelen wirklich helfen.

Meinung von Thomas Nickel

Oninaki ist eindeutig ein Stück hübscher als I am Setsuna und Lost Sphear. Natürlich zündet Tokyo RPG Factory kein Grafikfeuerwerk wie die meisten Abenteuer des Mutterkonzerns Square Enix, aber ansehnlich ist das Action-Rollenspiel allemal. Vor allem in Sachen Stimmung macht Oninaki sehr viel richtig. Die deutschen Texte mögen sich manchmal etwas staksig lesen, dafür interessieren die Welt und die Schicksale der Figuren. Gerade die Zwischenwelt ist ein sehr atmosphärischer, unheimlicher Ort.

Da ist es schade, dass Oninaki spielerisch nicht ganz mit dem Szenario und der Thematik mithalten kann. Die meiste Zeit verprügelt ihr Gegner. Viele halten eine ganze Menge Treffer aus, und ist einer besiegt, wächst nicht selten gleich ein weiterer nach - hacken, hacken, hacken ... dank der Dämonen wächst euer Aktionspotenzial beständig an, aber unterm Strich wird eben doch die meiste Zeit fröhlich Monster-Frikassee angerichtet - und dafür fühlt sich die Steuerung dann doch nicht dynamisch genug an - zum Glück halten euch Welt, Figuren und Handlung trotzdem bei der Stange.

83

spieletipps meint: Melancholisches Action-Rollenspiel. Spielt sich etwas steif, überzeugt dafür aber inhaltlich.

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