Vorschau Doom: Eternal | Bockschwer und überraschend anders

von René Wiesenthal (23. August 2019)

Wer sich ein Doom-Spiel kauft, wird gewiss eine sehr genaue Vorstellung davon haben, was ihn erwartet. Dieses Konzept solltet ihr euch aber im Falle von Doom: Eternal nicht zwingend vor Augen halten.

Doom: Eternal | Der Mehrspieler-Modus im Video

In gewisser Weise bricht Doom: Eternal mit euren Erwartungen. Es lockt euch zuerst in die Komfortzone bestehend aus zerfetzten Dämonenkörpern, gebrochenen Knochen und Eingeweiden und ködert euch dann mit vielversprechenden Ergänzungen der bekannten Formel in neues Terrain. So viel sei gesagt: Dort ist es alles andere als gemütlich.

Das macht Eternal zu keinem grundlegend anderen Spiel als Doom von 2016. Geschwindigkeit, gute Aufmerksamkeit und ein Gespür für richtig getimete Spezialmanöver sind noch immer der Schlüssel zum Sieg im Kampf. Begleitet von einem bombastischen Soundtrack aus dröhnenden Electro-Bässen und bedrohlichen Metal-Riffs. Wer Bock auf genau das hat, wird mit Doom: Eternal sicher erst einmal warm werden.

Warm reicht aber nicht, denn sobald sich Gegner um euch herum häufen, unter denen sich auch wieder schwere Brocken befinden, wird es heiß. Anders gesagt: Euch wird die Hölle heiß gemacht, wenn ihr dann nicht die Neuerungen im Gameplay verinnerlicht habt: Zum Wiederherstellen von Gesundheit über Glory Kills und Munition durch Kettensägenattacken kommt der Einsatz des Flammenwerfers als Nahkampfangriff dazu. Mit dem fackelt ihr Gegner ab, um euch verlorene Rüstungsenergie zurückzuholen. Man sagte uns beim Anspielen, dass es von allen drei Pick-Ups weniger in den Leveln geben wird als im 2016er Doom, wodurch der Spieler im Kampf in einen Loop gezwungen wird.

Die Herausforderung wächst mit den Möglichkeiten

Das kann etwas überfordern, speziell wenn es hektisch auf dem Bildschirm zugeht. Wir sind an einem späteren Kampf in der Demo immer und immer wieder gescheitert, weil wir einen der drei Parameter nicht genau im Blick hatten. Hier braucht Doom: Eternal deutlich mehr Eingewöhnungszeit als das Reboot von 2016. Dadurch, dass Waffen noch vielseitiger sind und beispielsweise eine Shotgun mit Greifhaken zur Verfügung steht, ihr zudem mit einem Dash kurzzeitig in eine eingeschlagene Bewegungsrichtung schnellen oder im Lauf über den Boden sliden könnt, gewinnt die räumliche Fortbewegung ebenso an Tiefe.

Wird langsam heiß hier drin. Der Anspruch an euer Können wächst in Doom: Eternal.Wird langsam heiß hier drin. Der Anspruch an euer Können wächst in Doom: Eternal.

Diese flutscht, wenn ihr achtsam seid, und wird euch zum Verhängnis, wenn ihr unaufmerksam werdet, euch umzingeln lasst, in einer Ecke der Arena verkeilt oder über einen Vorsprung in die unendliche Tiefe stürzt. Dass die Plattformpassagen außerhalb der Kämpfe nun dank frischer Kletter- und Schwingfähigkeiten auch etwas mehr Pepp haben, ist da fast schon eine Fußnote.

Kurzum: Doom: Eternal macht beim Gameplay überraschend viel anders für ein Sequel zu einem Shooter, der durch eine simple, aber perfekt austarierte Kampfmechanik beliebt geworden ist. Wobei "anders" vielleicht ein irreführendes Wort ist, denn trotz der Neuerungen im Gameplay fühlt sich das Spiel wieder sehr vertraut an, sobald ihr euren Spielfluss gefunden habt. Bis das passiert ist, fordert Doom: Eternal schlichtweg mehr von euch als der Vorgänger.

Pluspunkt: Das Spiel nimmt sich kein Stück weit ernst

Die Erzählweise hat einen ähnlichen Schritt nach vorn gemacht. Auch hier bekommt ihr im Grunde, was ihr erwartet, aber in einem – soweit wir das einschätzen können – angenehmen Maß weiterentwickelt. Denn allem Anschein nach ist sich Eternal seiner eigenen Identität noch viel stärker bewusst als der bereits ziemlich überspitzte Vorgänger.

Brachiale Action, aber das Spiel nimmt sich niemals selbst zu ernst.Brachiale Action, aber das Spiel nimmt sich niemals selbst zu ernst.

Zu keiner Zeit hat irgendetwas an den Spielabschnitten, die wir zocken konnten, den Eindruck erweckt, als wolle oder solle es ansatzweise ernst genommen werden. Das fing schon mit dem Tutorial an, in dem wir zu entspannter Fahrstuhlmusik Zombies den Kopf in ihren Torso geboxt haben, aus dem sie dann bedröppelt rausglotzten. Ja, wir geben es zu, wir mussten darüber laut lachen.

Die Komik zog sich durch fast jede Sequenz: Zum Einstieg in die Demo stolziert der Doom-Guy durch eine futuristische Weltraumanlage, in der Arbeiter, Wissenschaftler und Soldaten umherlaufen. Sobald der Protagonist ins Sichtfeld einer Person kommt, unterbricht diese einen eben angefangenen, schnippischen Satz und blickt ihn ehrfürchtig, fast paralysiert an. Kommentare wie „Er ist es wirklich“, als sei der Doom Guy der Bauarbeiter in einer alten "Coca Cola"-Werbung, runden den Unsinn ab. Auch in weiteren Zwischensequenzen haben die Autoren schön auf die Kacke gehauen, um der ausufernden Gewalt des Spiels den passenden Rahmen zu geben: Selbstironischen Irrwitz. Hoffentlich zieht sich das durch das gesamte Spiel.

Was wir ebenso in der fertigen Handelsversion sehen wollen ist die flüssige Spielwiedergabe der Demo und die im Vergleich zum Vorgänger viel bessere Optik. Das noch etwas erweiterte Feld an gegnerischen Monstrositäten wirkt so eklig wie nie zuvor, die detailreichen Schadensmodelle der Dämonenbrut machen es zu einem Vergnügen, sie Stück für Stück auseinanderzunehmen. Wir haben Doom: Eternal auf einem Gaming-PC gespielt, hoffentlich hält sich der Eindruck auf Konsolen. Klappt das alles, und die Demo spiegelt wieder, was das gesamte Spiel kann, wird es ein Fest für Action-Fans.

Tags: gamescom  

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