Test World of Warcraft: Classic | Ist der Hype gerechtfertigt?

von Ove Frank (08. September 2019)

Mit World of Warcraft: Classic ist gerade eine Neuauflage eines 15 Jahre alten MMORPGs an den Start gegangen, und der Hype ist gigantisch. Doch nun, einige Tage nach der Anfangseuphorie, stellt sich die Frage: Wie schlägt sich das Spiel denn nun wirklich?

Blizzard dreht sprichwörtlich die Zeit zurück und entführt euch mit WoW: Classic ins Nostalgieland.

Was wir bereits wussten

Im Zuge der Blizzcon 2017 wurde angekündigt, dass das ursprüngliche World of Warcraft, welches in den USA im Jahr 2004 veröffentlicht wurde, 15 Jahre später eine Neuauflage erhalten würde. Die Community stand angesichts dieser Meldung Kopf.

Viele Spieler hatten sich eine Neuauflage der Vanilla-Version schon lange gewünscht. Ihnen war das aktuelle Spiel "zu leicht" und der einstige Geist des erfolgreichen MMORPGs, das Miteinander und Gegeneinander, also der soziale Aspekt, sei über die Zeit hinweg immer mehr verloren gegangen.

Als Ausgleich spielten daher viele Menschen frührere WoW-Versionen auf Privat-Servern. Dies ging Blizzard freilich gehörig gegen den Strich und angesichts dessen, dass die eigene Abonnenten-Zahl immer mehr dahinschwand, erschien es als logischer Schritt, World of Warcraft: Classic anzukündigen.

Schnell begangen die Spekulationen, wie das Spiel aussehen würde. Ist es eins zu eins dasselbe Spiel wie früher, oder lediglich dieselben Mechaniken jedoch mit moderner Grafik? Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen.

Die Vorfreude auf die "guten alten Bosse", war gewaltig.Die Vorfreude auf die "guten alten Bosse", war gewaltig.

Was ist gleich geblieben?

"Der Hype ist real", wie man so (un)schön sagt. Das bekommt ihr auch sehr schnell im Spiel selbst mit. Die Stimmung ist ausgelassen und die Leute sind sehr freundlich. Etwas, was in den anonymen Weiten des Internets auch nicht alltäglich ist.

Die einstige Stärke von WoW, der soziale Aspekt, scheint wieder durch und schnell befindet ihr euch in einem gutgelaunten Gruppenchat wieder. Ihr führt vor Quests oder Instanzen wohlüberlegte Taktikbesprechungen durch, gebt euch gegenseitig Ratschläge oder labert in spannenden Diskussionen über Gott und die Welt. Veteranen kommen diesbezüglich voll auf ihre Kosten.

Neben dem klassischen MMO-Anteil ist World of Warcraft: Classic immer noch ein tolles Online-Rollenspiel. Es gibt eine reiche Lore, spannende Figuren und eine auch heute noch riesige Spielwelt mit abwechslungsreichen Landschaften und Orten.

Ihr seid dazu angehalten, durchaus Zeit zu investieren und mit anderen Leuten zusammenzuspielen, um Erfolg zu haben. Insgesamt mag WoW: Classic nicht ganz so "schnell" sein, wie es Neueinsteiger von heutigen Online-Spielen gewohnt sein mögen, jedoch schafft es das Spiel erstaunlich gut, dass einem nie langweilig wird.

Es gibt immer etwas zu tun: Klassiches Leveln, spannende Quest-Reihen, PvP, Gold farmen, oder Berufen nachgehen. Und dadurch, dass ihr nicht schon nach 60 Stunden mit allem durch seid (bei weitem nicht), ist auch eine große Langzeitmotivation gegeben. Man hat das Spiel nie durchgespielt, es kann immer noch weiter gehen!

Eine der schönsten Erfahrungen, war gleich zu Anfang, als sich die Spieler selbst organisierten, um allen Leuten eine Quest zu ermöglichen.Eine der schönsten Erfahrungen, war gleich zu Anfang, als sich die Spieler selbst organisierten, um allen Leuten eine Quest zu ermöglichen.

Was hat sich geändert?

Vom Spielkonzept ist das meiste grundsätzlich gleich geblieben. Es gibt die gleichen Klassen, Skills, Instanzen und Quests. Das Stärkeverhältnis zwischen den Klassen bleibt genau so wie früher, allerdings kommt WoW: Classic seinen Spielern an vielen Stellen sehr entgegen.

Es ist nicht eins zu eins WoW-Vanilla. Grafisch wurde einiges ein wenig aufgehübscht, wenngleich auch nicht grundlegend verändert. So sieht das Wasser realistischer aus, die Formen wirken weniger kantig und das Spiel erscheint in seiner Framerate deutlich flüssiger als noch Mitte der 2000er Jahre.

Auch wurde die Spawnrate der Mobs erheblich angehoben, sodass jeder Spieler auch die Gelegenheit hat, seine Quests innerhalb einer zumutbaren Zeit zu erfüllen.

Neben diesem Umstand wurde auch das sogenannte "Layering" eingefügt. Das bedeutet, dass es in den meisten Gebieten verschiedene Ebenen gibt, die übereinandergelegt werden, sodass ihr nicht allen Spielern begegnet, die zu diesem Zeitpunkt im selben Gebiet unterwegs sind.

Damit wollen die Entwickler verhindern, dass die Gebiete überrannt wirken und, dass trotz der angehobenen Spawnrate die Quests unerfüllbar sind.

Diese Maßnahmen haben einen ganz einfachen Grund: Der entstandene Hype und die damit zusammenhängende hohe Spieleranzahl. Zwar hat Blizzard noch keine offiziellen Angaben bezüglich der Menge an neuen Abonnenten gemacht, jedoch wird von Millionen ausgegangen. Ob diese Maßnahmen irgendwann aufgehoben werden, sobald der erste Ansturm vorrübergezogen ist, bleibt abzuwarten.

Der Börsenkurs der Activision-Blizzard-Aktie | Quelle: Finanzen.netDer Börsenkurs der Activision-Blizzard-Aktie | Quelle: Finanzen.net

Tatsächlich scheint WoW: Classic Activision Blizzard auch an der Börse gerade aus der Krise zu führen. So gibt es seit Juni wieder einen stetigen Kursanstieg, der besonders seit Ende August (Launch von WoW: Classic) steil nach oben geht.

Generell versucht Blizzard vielen Spielern stark entgegen zu kommen. Neben den angesprochenen erhöhten Spawnraten wurde auch die Maximalkapazität an Gruppenmitgliedern in den meisten klassischen Instanzen von fünf auf zehn Teilnehmer angehoben.

Diese Änderungen im aktuellen Stadium, in welchem sich das Spiel derzeit befindet, richtig einzuordnen, ist gar nicht so einfach. Einige altgediente Spieler beschweren sich darüber, dass das Spiel dadurch viel zu leicht gemacht wird, obwohl die Vanilla-Nostalgie in großen Punkten darin bestand, dass es deutlich fordernder war als spätere Erweiterungen.

Dieses "Entgegenkommen" seitens Blizzards muss aber auch im Kontext des großen Ansturms an Spielern gesehen werden. Würde es die erhöhte Spawnrate nicht geben, wären alle Gruppen eher klein, dann würde vielen Spielern die Möglichkeit genommen werden voranzukommen, was in Frust enden würde, wodruch sie nicht weiterspielen und folglich nicht weiter zahlen würden.

Es wird interessant zu beobachten sein, ob diese Änderungen auch bis zum Ende Bestand haben werden, oder ob diese nur für die Anfangswelle vorgenommen wurde, um mit dieser umzugehen.

WoW: Classic ermöglicht in Instanzen nun bis zu zehn Mann/Frau starke Gruppen.WoW: Classic ermöglicht in Instanzen nun bis zu zehn Mann/Frau starke Gruppen.

Wie schneidet WoW: Classic im Vergleich zur Konkurrenz ab?

World of Warcraft: Classic ist trotz des mittlerweile schon 15 Jahre alten Kernmaterials ein großartiges MMORPG. Es macht sehr viel Spaß, lebt vom Miteinander mit den anderen Spielern und ist nach wie vor fordernd. Wenngleich es bezüglich des letzten Punktes nicht mehr ganz mit dem Ursprungsspiel mithalten kann, was der erste Ragnaros-Kill nach gerade einmal fünf Tagen bestätigt.

Nichtsdestotrotz bleibt ein Spiel, welches euch sehr schnell packt und lange nicht mehr loslässt. Die Magie von früher flackert auf und auch Neueinsteiger mögen erahnen, wie World of Warcraft dereinst zu einem solchen Phänomen werden konnte.

Wo viel Licht ist, ist aber auch Schatten. Auch wenn die positiven Aspekte deutlich zu überwiegen scheinen, so ist das Spiel bei weitem nicht perfekt! Es gibt einige Aspekte, an denen die Entwickler noch arbeiten müssen und wo erst die Zukunft zeigen wird, wie das Spiel schlussendlich wirklich aussehen wird.

Die Grafik wurde zwar ein wenig aufgehübscht, kann aber bei weitem nicht mit anderen Genrevertretern, wie Guild Wars 2 oder Final Fantasy 14 mithalten. Der Comic-Look hat zwar durchaus seinen Charme, aber heutzutage ist man nunmal etwas anderes gewohnt. Einigen mag dies negativ aufstoßen, während es vielen Spielern jedoch recht egal sein dürfte.

Ein weiteres Problem stellt das Ungleichgewicht der Klassen dar. Zwar kann jede Klasse prinzipiell sehr stark und nützlich sein, jedoch haben einige gegenüber anderen oft einen direkten Vor- beziehungsweise Nachteil. Dieses Ungleichgewicht wurde seinerzeit erst mit dem ersten Addon, The Burning Crusade, ausbalanciert, bleibt in WoW: Classic jedoch bestehen.

Ein finales Problem, welches in den letzten Tagen für viele graue Haare gesorgt haben dürfte, sind die Warteschlangen: Blizzard scheint den Hype und den daraus resultierenden Ansturm der Spieler massiv unterschätzt zu haben.

So waren die Server rasch überfüllt und zehntausende Spieler haben oft stundenlang in Warteschlangen festgesessen, ehe sie sich in Azeroth ans Werk machen durften. Das hat zu viel Unmut geführt, was zur Folge hatte, dass weitere Server bereitgestellt werden mussten.

WoW ist nicht nur ein Spiel für euch, es ist eure zweite Realität und ihr wisst nahezu alles darüber? Dann beweist es! Diese sieben Fragen wurden in unseren dunkelsten Quiz-Öfen erschaffen, um die wackersten Fans herauszufordern. Viel Erfolg!

Es pendelt sich zwar langsam alles ein und die Warteschlangen treten nicht mehr so häufig auf, jedoch ist dieses Problem noch nicht zur Gänze behoben, was vielen Spielern logischerweise nicht sehr schmeckt. Es gilt abzuwarten, wie sich das in Zukunft verhalten wird.

Meinung von Ove Frank

Mit World of Warcraft: Classic ist Blizzard seinen Kunden und Fans einen großen Schritt entgegengekommen. Viele Spieler haben sich nach einer ruhigeren und einfacherern Zeit gesehnt, in der die Schnelllebigkeit von heute noch nicht so allgegenwärtig war.

Dasselbe Spiel, welches schon vor 15 Jahren unsere Herzen im Sturm erobert hat ist WoW: Classic nicht geworden, dafür hat es aber seine Gründe. Das Spiel versucht möglichst viele Nutzer von sich zu überzeugen, weshalb es euch an vielen Punkten entgegenkommt, und meiner Meinung nach sollte man Blizzard dafür nicht veruteilen.

Ein unverändertes WoW-Vanilla mit einem solchen Ansturm wäre eine absolute Katastrophe geworden und viele Spieler hätten nach kurzer Zeit das Handtuch geworfen, was ich auch verstehen kann.

Viele Änderungen sind Maßnahmen, um der hohen Spielerzahl gerecht zu werden. World of Warcraft ist damals auch nicht über Nacht zu diesem riesigen Erfolg geworden. Dieser ist homogen gewachsen, weshalb Vanilla damals nicht vor derselben Situation stand wie Classic heute.

Darüber hinaus möchte WoW: Classic ein Spiel sein, welches auch Neueinsteiger abholt und das schafft es in meinen Augen bravourös. Ein Spiel mit einer solchen Leidenschaft und Anteilnahme seitens der Spieler, die sich in großen Teilen wirklich als Gemeinschaft verstehen, dürfte für viele jüngere Nutzer eine ungewohnte und schöne Erfahrung sein.

Neben dem ganzen Trubel um die Neuauflage eines 15 Jahre alten Spiels ist die entscheidende Frage am Ende immer noch jene, ob das Spiel Spaß macht und, ob ich es bedenkenlos weiterempfehlen würde. Auf beide Punkte lautet die Antwort: "Ja!"

Das Spiel bringt in meinen Augen immer noch genau so viel Spaß, wie Vanilla seinerzeit. Zwar ist der Zauber um das Spiel herum ein anderer, er ist aber immer noch überall spürbar.

Ich kann das Spiel auch wirklich jedem empfehlen, der Lust auf ein wunderbares MMORPG und einzigartiges Spielerlebnis hat. Trotz, oder besser gesagt, gerade wegen der kleinen Änderungen.

spieletipps meint: WoW: Classic ist ein umfangreicher MMO-Spaß, der den Zauber von früher wunderbar einfängt und in eine neue Zeit überträgt.

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