Test NBA 2K20 | Spielerisch hui, mikrotransaktionisch pfui

von Jens-Magnus Krause (11. September 2019)

Hersteller 2K setzt den im Vorgänger selbst kreierten Trend fort: NBA 2K20 überzeugt immer dann, sobald es ums Basketballspielen geht. Drumherum gibt es häufig präsente Mikrotransaktions-Verführungen und ... sogar ein Glücksrad.

NBA 2K20 reiht sich nahtlos in die Serie der erfolgreichen Basketball-Simulationen ein. Die 21. Ausgabe überzeugt mit vielschichtigem Gameplay und authentischer Präsentation, aber versaut es sich gleichzeitig mit stellenweise schon sehr aufdringlicher Mikrotransaktionswerbung.

Mit dieser Vorgehensweise trotzt Entwickler Visual Concepts der Kritik am Vorgänger, wiederholt seinen Fehler beim Nachfolger und bekommt direkt die Quittung: Fans kritisierten bereits vor Veröffentlichung das Spiel auf Steam, auch auf Twitter machen sie sich lautstark Luft – und das völlig zu Recht.

Beispiel gefällig? Im Mein-Team-Modus stellt ihr euch mit Hilfe virtueller Spieler-Sammelkarten eine immer bessere Mannschaft zusammen. Dafür erspielt ihr euch durch Erfolge regelmäßig neue Kartenpackungen, deren Inhalt reine Glückssache ist.

Hier setzt 2K noch einen drauf: Über manche Belohnungen entscheiden jetzt einfach virtuelle Spielautomaten oder ein Glücksrad. Das fühlt sich jedes Mal unfair an und hat mit einer Basketball-Simulation nichts mehr zu tun. Was ihr aber wissen müsst: Es ist nie zwingend notwendig im Spiel echtes Geld auszugeben.

Gameplay und Präsentation: Die Highlights des Spiels

NBA 2K20 macht eine Sache besser, als jedes andere Sportspiel: die Präsentation. Dazu gehören die authentischen Pre-Game-TV-Einblendungen, die einzigartigen Field-Reporter im Sportspiel-Sektor, die realistischen Lichteffekte in den Original-Arenen und nicht zuletzt der Hallensprecher samt wabernden Hip-Hop-Beats. Wer schon mal ein NBA-Spiel besucht oder im TV gesehen hat, weiß wie es sich anfühlt: genauso wie bei NBA 2K20.

Spielerisch überzeugt NBA 2K20 auf jeder Ebene und in jeder Situation.Spielerisch überzeugt NBA 2K20 auf jeder Ebene und in jeder Situation.

Auch spielerisch überzeugt die Produktion in allen Bereichen. Dribblings, Pässe, Rebounds und Dunkings fühlen sich stets nachvollziehbar an. Wenn ich mal den Korb nicht treffe, kann ich aufgrund der Wurfanzeige nachvollziehen, was am Timing nicht stimmte.

Spielanfänger erlernen im interaktiven Tutorial alle Grundkenntnisse, Serien-Profis fällt auf dem Feld die abgeänderte Sprint-Funktion auf: Beim Sprinten verbraucht ihr im Vergleich zum Vorgänger deutlich schneller eure Ausdauer. Die Konsequenz sind gezielte und taktisch kluge Einsätze von Sprints, weil euch sonst stets die Puste ausgeht. Das bereichert den Spielablauf und steigert die Dramatik.

NBA 2K20 | Der Trailer zeigt euch die Damen-Teams:

Für größeren Erfolg in der Verteidigung sorgt ein kleiner Pfeil. Unter dem gegnerischen Angreifer zeigt er entweder nach links oder rechts. Damit gibt er die Richtung vor, in der der Angreifer an euch vorbeiziehen will. Stellt ihr diesen Weg zu, könnt ihr ihn davon sehr gut abhalten. Das ist mal ein Feature, von dem ich zwar nicht wusste, dass ich es wollte – aber jetzt will ich es nicht mehr hergeben.

Das Gute am Karriere-Modus ist ...

Wie sich das Leben eines aufstrebenden NBA-Stars anfühlt, spielt ihr im Mein-Karriere-Modus nach. Dieser beinhaltet eine Hintergrundgeschichte samt Zwischensequenzen und Entscheidungsmöglichkeiten für euren selbst erstellten Basketballspieler.

Was den Modus auszeichnet ist seine Vielfältigkeit. Natürlich geht es auch hier um das Thema Basketball, aber das nahezu in jeder erdenklichen Form. Zu Beginn spielt ihr noch in einem College-Team, also so gesehen eine Liga unter der NBA.

Große Namen in NBA 2K20 - Idris Elba und LeBron James im Trailer zum Mein-Karriere-Modus

Danach nehmt ihr an einem Scouting-Event für talentierte College-Spieler teil und müsst auf einmal in Mini-Spielchen überzeugen. Gewichtheben, Hochsprung und Sprints stehen hier auf dem Programm. Das ist tatsächlich eine gelungene Abwechslung zum reinen Basketballspielen und steuert sich old-school-mäßig wie ein Track-and-Field mit Button Mashing oder Balanceakten an den Controller-Sticks.

Auf dem Karriereweg verbessert ihr immer wieder das Können eures Spielers und trefft berühmte Persönlichkeiten, wie Sneaker-Designer Jerry Lorenzo oder den US-Basketballspieler LeBron James.

Das Schlechte am Karriere-Modus ist ...

Direkt vorweg: In eurer Karriere gibt es nichts, was ihr nicht schon in anderen Sportspielen gesehen habt. Na klar könnt ihr euch für einen hochrangigen Sponsor entscheiden und tragt fortan dessen Klamotten. Oder ihr wählt nach Entscheidungsfragen eures Beraters zwischen Antwortmöglichkeiten aus. Diese beeinflussen euren Karriereweg jedoch nie entscheidend. Was die Frage aufwirft: Wofür gibt es sie dann?

Den Mein-Karriere-Modus erlebt ihr mit eurem selbst erstellten Spieler.Den Mein-Karriere-Modus erlebt ihr mit eurem selbst erstellten Spieler.

Dazu addiert sich eine zu sehr konstruiert wirkende Handlung, die euch nie fesselt. Hier ist der Humor schlichtweg nicht lustig und zu „hau drauf“, dort ist das Drama zu klischeehaft. Der Abspann läuft nach ungefähr sechs Stunden und dann startet ihr in eure erste NBA-Saison.

Wer möchte, kann sich auch wieder im Mein-GM-Modus als General Manager um ein NBA-Franchise kümmern. Grundlegende Neuerung: Aktionspunkte. Von denen habt ihr pro virtuellem Tag nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung. Ihr müsst also entscheiden, ob es gerade wichtiger ist, mit einem Spieler zu verhandeln oder das anstehende Match selber zu spielen.

Meinung von Jens-Magnus Krause

Ich bin begeistert und gleichzeitig enttäuscht. Damit fühle ich mich so wie nach einem intensiven, aber knapp verlorenen NBA-Spiel meines Lieblingsteams. Nach Niederlage fühlt sich NBA 2K20 zwar nicht an, aber die auf die Spitze getriebene Mikrotransaktions-Politik und der nur bedingt gute Karriere-Modus lassen das Fundament bröckeln. Wirklich meisterlich sind dagegen Gameplay, Atmosphäre, Grafik und Umfang.

Ich wünschte mir, Entwickler und Publisher - der letzten Endes sicher ein gewichtiges Wörtchen beim Einsatz der Monetarisierungs-Mechaniken hat - hätten sich mehr auf das konzentriert, was sie können und was die Spieler wollen und brauchen. So bleibt unterm Strich ein wirklich gutes Basketballspiel, das über seine übertriebenen Glücksspielmechaniken stolpert.

80

spieletipps meint: Spielerisch erneut eine hervorragende Basketball-Simulation mit schwachem Story-Modus und leider omnipräsenten Mikrotransaktionen.

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