Vorschau Project Resistance | Multiplayer-"Resident Evil" - Der nächste Anlauf

von Thomas Nickel (21. September 2019)

Vier ungleiche Kameraden versuchen aus einer unterirdischen Einrichtung der berüchtigten Umbrella Corporation zu fliehen, und ein fieser Kerl macht ihnen dabei das Leben schwer. Mit dem jüngsten Ableger der "Resident Evil"-Reihe geht Capcom neue Wege.

Als erste Gerüchte über die Ankündigung eines neuen Resident Evil auf der Tokyo Game Show die Runde machten, überschlug sich die Hype-Maschinerie - und entsprechend groß war die Enttäuschung bei manch einem Serien-Fan, als sich Resident Evil: Project Resistance dann als ein Ableger mit klarem Mehrspielerfokus entuppte.

Denn Resident Evil, das ist für die meisten Spieler eben trotz mancher Multiplayer-Ausflüge in erster Linie eine atmosphärische, spannende Erfahrung für Solisten - gerade nach den beiden letzten exzellenten Veröffentlichungen Resident Evil 7 - Biohazard und Resident Evil 2.

In diesen schummrigen Räumen beginnt Valeries Fluchtversuch.In diesen schummrigen Räumen beginnt Valeries Fluchtversuch.

Trotzdem - Objektivität ist angesagt, und warum vorschnell abkanzeln, wenn man sich auch erst einmal selbst einen Eindruck verschaffen kann? Direkt auf der Tokyo Game Show hatten wir eine der wertvollen Gelegenheiten, Project Resistance selbst anzuspielen und tatsächlich: Was der taiwanesische Entwickler Neobards Entertainment (unter anderem verantwortlich für die HD-Neuauflage von Onimusha Warlords) da gemeinsam mit Capcom auf der technischen Basis von Resident Evil 2 ausköchelt, das macht nach kurzer Einspielzeit einen ziemlich interessanten Eindruck!

Vier Gewinnt?

Vier ganz unterschiedliche Menschen erwachen irgendwo in einem Labor tief unter Raccoon City. Tyrone, Valerie, Samuel und January kommen mit ganz unterschiedlichen Talenten daher - eine Figur kann mit Waffen gut umgehen, eine andere ist ein talentierter Hacker, eine heilt und unterstützt - im Grunde seid ihr mit einer klassischen Helden-Party unterwegs.

Euer Ziel ist es, dem unterirdischen Komplex zu entkommen, bevor die Zeit ausläuft. Permanent tickt die Uhr und werdet ihr von einem Zombie gebissen, dann verliert die Gruppe weiter wertvolle Sekunden. Ebenso gewinnt ihr aber auch Zeit dazu, wenn ihr einen Untoten unschädlich macht.

Teaser-Trailer | Erste bewegte Bilder von Project Resistance:

Das fühlt sich auch alles ziemlich nach Resident Evil an - nur dass eben die Uhr tickt und vier Spieler unterwegs sind. Zombies liegen auf dem Boden, manchmal springt ein untoter Hund herum, grüne Kräuter werden gesammelt und mit Schlüsselkarten löst ihr Mechanismen aus.

Der Tod ist hier weniger schlimm als in regulären Episoden, eure Kameraden holen euch zurück ins Leben, Spielfigur Valerie hat sogar eine mächtige Aktion, mit der sie die ganze Truppe heilt. Und doch ... Project Resistance fühlt sich sehr anders an. Denn euer Gegner ist menschlich!

Mächtiges Mastermind

Der fünfte Spieler im Bunde ist der Gegenspieler der Truppe, und sein Part spielt sich komplett anders als der der anderen vier. Das Geschehen betrachtet das Mastermind über eine Karte und diverse Sicherheitskameras. Außerdem habt ihr als Mastermind stets euer Aktionspotenzial und ein Deck von Aktionskarten im Blick. Jede Karte kostet unterschiedlich viele Aktionspunkte und ist verschieden stark. Es kostet nicht viel, einen herumliegenden Zombie zu platzieren, aber der tut dann halt auch nicht viel. Da ist es schon ausgefeilter, Fallen zu stellen, Türen zu verriegeln oder das Licht zu löschen.

Zombies mit roten Augen sind gefährlich, sie werden direkt vom Mastermind kontrolliert.Zombies mit roten Augen sind gefährlich, sie werden direkt vom Mastermind kontrolliert.

Wollt ihr die anderen Spieler aber so richtig ärgern, dann konfrontiert ihr sie mit Lickern oder dem mächtigen Tyrant - und wer gerne die volle Kontrolle hat, der schlüpft direkt in deren Rolle. Das kostet eine Menge Energie, aber es wirkt. Vom Mastermind gesteuerte Gegner erkennt ihr an ihren roten Augen, und sie sind viel gefährlicher als normale Gegner. Doch die Spieler können sich auch wehren: Eine erfolgreiche Hack-Aktion kann beispielsweise Kameras zeitweise außer Gefecht setzen. Und so beharken sich die beiden ungleichen Parteien bis der Gruppe entweder die Flucht geglückt ist, die Zeit ausläuft oder alle vier Helden zu Boden gehen.

Interessant und ungewohnt

Beim Probespiel zeichnet es sich ab: Es macht Spaß, gemeinsam mit drei anderen Spielern die Flucht zu wagen, Verwantwortung zu übernehmen, Kameraden zu beschützen und Zombies umzunieten. Doch den meisten Spaß hat sicherlich der Mastermind-Spieler. Der beobachtet die Truppe, sucht nach Schwachstellen und plant herrlich gemeine Hinterhalte.

Türen verschließen, einen Zombie platzieren und dann eine Falle genau in den einzig verbleibenden Fluchtweg setzen? Das ist ziemlich gemein und ziemlich spaßig, ein erfahrener Mastermind-Spieler hat einiges an spielerischen Möglichkeiten, gelegentlich erinnert Project Resistance in dieser Hinsicht durchaus an Koei Tecmos Deception-Reihe!

Bei ausgeschaltetem Licht sehen die Spieler wenig, das Mastermind hat dafür eine Nachtsichtkamera.Bei ausgeschaltetem Licht sehen die Spieler wenig, das Mastermind hat dafür eine Nachtsichtkamera.

Es bleibt dann nur noch abzuwarten, wie sich der Rest des Spiels so verhält. Die Entwickler versprechen Inhalte für Solisten, auch eine gewisse Permanenz lässt sich bereits erahnen: Bei der Figurenauswahl erblicken wir bereits Felder für Perks und Talente; wenn die gut implementiert werden, dann sollte das der Langzeitmotivation sehr zugute kommen.

Generell gibt sich Capcom mit Project Resistance sehr flexibel: Für Oktober ist eine offene Betaversion angekündigt, in der sich die Spieler erstmals selbst das ungewohnt asymmetrische Survival-Horror-Prinzip anschauen können - und Capcom wird derweil genau schauen, was die Spieler denn so von Project Resistance halten.

Meinung von Thomas Nickel

Skepsis ist sicher nicht verkehrt, trotz diverser Experimente konnte Capcom bisher noch keine komplett überzeugende Mehrspieler-Inkarnation von Resident Evil an den Start bringen, gerade die Spiele mit explizitem Multiplayer-Fokus fielen in der Vergangenheit eher grätig aus. Tatsächlich aber hat Project Resistance nun das Zeug, frühere Schmach wettzumachen. Die Survival-Horror-Atmosphäre stimmt, dank der Technik aus Resident Evil 2 sieht das Mehrspieler-Abenteuer bereits jetzt richtig gut aus.

Klares Highlight der in Tokyo spielbaren Version ist aber die Rolle des Masterminds. Klar, die benötigt etwas Erfahrung und Einarbeitungszeit, aber schon nach wenigen Minuten Spielzeit wird klar, dess es riesigen Spaß macht, die anderen Spieler mit clever platzierten Zombies zu piesacken oder mal selbst für eine Weile als übermächtiger Tyrant die Gegend unsicher zu machen. Wenn Capcom jetzt noch Umfang und Progression überzeugend hinbekommt, dann könnte Project Resistance nächstes Jahr eine ziemlich spannende Veröffentlichung werden!

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