Test Zelda: Link's Awakening | Dieses Remake macht das Original vergessen

von Sergej Jurtaev (19. September 2019)

Die Zelda-Formel macht gerade zweifelsfrei einen Wandel durch. Am 20. September erscheint mit Zelda: Link's Awakening jedoch wieder ein klassisches Abenteuer. Kein Wunder, denn die Vorlage für das Switch-Remake ist 26 Jahre alt. Die Überschrift verrät bereits, dass die Neuauflage das Original in den Schatten stellt. Das bedeutet aber noch nicht, dass euch auch aus heutiger Sicht ein Ausnahmespiel erwartet.

Streng genommen orientiert sich das Remake an der DX-Version von Zelda: Link's Awakening, die 1998 für den Game Boy Color erschien. Das bedeutet, dass Features dieser Version auch auf Nintendo Switch zu finden sind. An erster Stelle ist da der Bonus-Dungeon zu nennen, der damals für Link's Awakening DX entwickelt wurde.

Link's Awakening ist ein außergewöhnliches Zelda-Spiel, so viel ist sicher. Überspitzt könnte man es als Crossover der Zelda- und Super Mario-Reihe bezeichnen, denn die halbe Gegnerriege aus dem Pilz-Königreich hat sich auf der Insel Cocolint versammelt (zum Beispiel Gumbas, Buu Huus und Stachis). Diese Kuriosität aus dem Zelda-Universum hat ein Remake verdient. Die spannendste Frage dabei ist, wie die Limitationen des Game Boy aufgelöst wurden, damit Link's Awakening auch im Jahr 2019 noch spielbar ist.

Das und noch mehr erwartet euch in Zelda: Link's Awakening!

Das Spielgefühl von damals

Nach einem kurzen Intro bekommt ihr einen Schild in die Hand gedrückt und müsst die Insel Cocolint auf eigene Faust erkunden. Wie erfrischend. Es gibt kein ausschweifendes Gelabber und keine ellenlangen Tutorials und Hilfestellungen, wie ihr es aus Zelda-Spielen vor Breath of the Wild vielleicht kennt. Das ist nicht selbstverständlich, denn Nintendo nimmt den Spieler gerne an die Hand.

Zuletzt wurden beispielsweise in Portierungen wie Donkey Kong Country: Tropical Freeze oder New Super Mario Bros. Deluxe zusätzliche „Easy Modes“ eingebaut. Im „Link’s Awakening“-Remake gibt es stattdessen sogar einen Heldenmodus, den ihr von Anfang an wählen könnt (Gegner verursachen doppelten Schaden; keine Herzen in der Spielwelt).

Wie im Original seid ihr auf euch allein gestellt und das ist auch gut so. Das Erkunden der Spielwelt ist vielleicht der größte Pluspunkt des Spiels. Es gibt unzählige Geheimnisse und versteckte Höhlen zu entdecken, deren lukrative Beute ihr aber nicht immer sofort plündern könnt. Da die Karte im Vergleich zu anderen Zelda-Spielen relativ klein ist, wird es euch aber leichtfallen, euch zu orientieren und an bekannte Orte zurückzukehren.

Wusstet ihr, dass ihr in Link's Awakening den Item-Laden bestehlen konntet? Das ist auch im Remake möglich.Wusstet ihr, dass ihr in Link's Awakening den Item-Laden bestehlen konntet? Das ist auch im Remake möglich.

Der Spielfluss ist angenehm und zügig, da es so gut wie keine Unterbrechungen gibt. Die Handlung lässt sich nämlich in einem Satz zusammenfassen: Ihr müsst acht Dungeons abschließen und die dort versteckten Instrumente einsammeln, um damit den geheimnisvollen Windfisch aus seinem Schlaf zu wecken. Dabei bleibt es auch bis zum Ende des Spiels. Eine spannende Geschichte dürft ihr nicht erwarten und richtige Nebenmissionen gibt es eigentlich auch keine.

Ihr müsst eure Erwartungshaltung etwas zügeln, denn dass die Vorlage ein uraltes „Game Boy“-Spiel ist, merkt ihr nicht nur an den wenigen Textzeilen. Das Level-Design ist simpel und kann mit heutigen Zelda-Standards nicht mehr mithalten. Zu oft müsst ihr in Dungeons einfach nur Gegner in einem Raum besiegen, anstatt kreative Rätsel zu lösen. Dafür gilt aber auch hier: Die Dungeons sind schön übersichtlich und da sie nicht so umfangreich sind, kommt ihr zügig voran.

Welche Unterschiede gibt es konkret?

Selbstredend wurden die Optik und Musik komplett überarbeitet. Der niedliche Look fängt den Charme des Originals sehr gut ein und ist nach dem tristen Breath of the Wild eine schöne Abwechslung.

Darüber hinaus haben die Entwickler einige Komfortfunktionen eingebaut, damit das Spiel auch im Jahr 2019 spielbar ist. Im Original mussten sämtliche Ausrüstungsgegenstände – auch Schwert und Schild – auf die zwei vorhandenen Item-Tasten gelegt werden. Dadurch musste teilweise sekündlich das Menü aufgerufen werden, um Items zu tauschen. Im Remake wurde das Problem gelöst, indem oft benutzt Items auf die zusätzlichen Knöpfe der Switch ausgelagert wurden. So sind Schwert, Schild, Kraftarmband und Pegasusstiefel dauerhaft ausgerüstet – eine sehr wichtige Änderung!

Ein Vergleichsbild: Links ist Link's Awakening DX und rechts das Remake für Nintendo Switch.Ein Vergleichsbild: Links ist Link's Awakening DX und rechts das Remake für Nintendo Switch.

Außerdem gibt es mehr Teleporter in der Spielwelt und ein Lied, das die Schnellreise ermöglicht. Das sorgt dafür, dass ihr im Nu von A nach B gelangt. Das ist auch dringend notwendig, denn Links Laufgeschwindigkeit ist zum Einschlafen und hätte ein paar km/h mehr vertragen können. Schade ist auch, dass Link nur in acht Richtungen laufen kann, wodurch hakelige Bewegungen entstehen. Insgesamt lässt sich Link's Awakening aber dank der Neuerungen viel bequemer auf Nintendo Switch spielen. Es gibt wirklich keinen Grund, das Original nochmal auszugraben.

Der „Dungeon Maker“ enttäuscht

Inhaltlich fällt auf, dass es deutlich mehr Sammelobjekte und somit Geheimnisse gibt. Ihr dürft etwa doppelt so viele Herzteile und Zaubermuscheln sammeln. Gänzlich neu sind Flaschen, mit denen ihr zum Beispiel Feen einfangen könnt.

Die größte Draufgabe ist aber der mit Spannung erwartete „Dungeon Maker“, der in Trailern vermuten ließ, dass ihr in „Super Mario Maker“-Manier eigene Dungeons bauen könnt. Das stimmt natürlich auch irgendwo, aber die Möglichkeiten sind sehr beschränkt.

Ihr bekommt Start- und Endpunkt vorgegeben, die ihr mit zusätzlichen Kamern verbinden müsst. Simpel, aber auch langweilig.Ihr bekommt Start- und Endpunkt vorgegeben, die ihr mit zusätzlichen Kamern verbinden müsst. Simpel, aber auch langweilig.

Ihr erhaltet von Boris dem Totengräber verschiedene Aufgaben, bei denen ihr Kammern in eine Vorlage platzieren müsst. Solche Kammern schaltet ihr frei, wenn ihr Dungeons abschließt oder Kammersteine in der Spielwelt findet. Die Kammern, die ihr benutzt entsprechenden dabei 1:1 jenen Räumen, die ihr bereits in den Dungeons abgeschlossen habt.

Im Grunde reiht ihr also Kammern aneinander, deren Lösung ihr bereits kennt. Zusätzliche Gegner, Truhen, Ausgänge oder andere Kniffe könnt ihr dort nicht installieren. Das wird bereits nach der ersten Mission langweilig. Zumal es keine Online-Funktionen gibt und ihr eure Dungeons nicht hoch- und die Dungeons anderer Spieler nicht herunterladen könnt. Es gibt nur die Möglichkeit, einen Dungeon auf einer kompatiblen Amiibo-Figur zu speichern, die dann ein Freund mitnehmen kann.

Meinung von Sergej Jurtaev

Link's Awakening war vor dem Remake eines meiner liebsten Zelda-Spiele. Nach dem Remake weiß ich, dass eine ordentliche Portion Nostalgie meine Meinung geprägt hat. Die Limitationen des Game Boy sorgen für ein simples Level-Design, das mit der kreativen Tiefe eines Breath of the Wild oder A Link Between Worlds nicht mithalten kann. Das ist aber halb so wild. Es bedeutet lediglich, dass Link's Awakening im Jahr 2019 kein Ausnahmespiel mehr ist, aber dennoch ein sehr gutes Spiel bleibt.

Abgesehen von dem enttäuschenden „Dungeon Maker“ erwartet euch nämlich ein herausragendes Remake, das die Stimmung des Originals einfängt und sich dank der Änderungen prima spielen lässt. Mir hat besonders das Erkunden der Spielwelt großen Spaß bereitet.

Die Insel Cocolint ist zwar nicht allzu groß, aber dafür sehr einprägsam. Ich habe mich nie verloren gefühlt. Mehr noch hat mich die relativ kleine Spielwelt dazu motiviert, alle Geheimnisse zu entdecken, denn im Vergleich zu anderen "Open World"-Spielen ist das hier machbar. Die Spielzeit beträgt dabei circa 15 Stunden.

85 Spieletipps-Award

spieletipps meint: Ein nahezu perfektes Remake, dem einzig das limitierte Level-Design des Originals im Weg steht.

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