Vorschau Fairy Tail |Der Erfolgs-Manga wird zum JRPG

von Thomas Nickel (24. September 2019)

Bunte Anime-Umsetzungen in denen sich laut schreiende Protagonisten gegenseitig verprügeln gibt es inzwischen reichlich - da ist es schön, dass Gust und Koei Tecmo bei der Adaption des auch hierzulande beliebten Manga Fairy Tail andere Wege gehen.

Massive 63 Bände umfasst Hiro Mashimas Manga-Serie Fairy Tail. Die Reihe gehört zum Bereich der Shonen Manga - also Manga, die sich (zumindest in Japan) primär an junge, männliche Leser richten. Die prominentesten Vertreter der Gattung sind Dragon Ball, Naruto und One Piece.

Im Mittelpunkt von Fairy Tail steht eine Gilde von Zauberern rund um Hauptfigur Natsu Dragneel, Hintergrund des Spiels sind die Grand Magic Games - ein bekannter Handlungsbogen aus der Vorlage. Aber anstatt wie so viele andere Anime-Umsetzung das gezeichnete Geschehen als simpel-buntes Kampfspiel zu interpretieren, geht Fairy Tail andere Wege.

Die Stadt Magnolia ist ziemlich prächtig und detailliert geraten.Die Stadt Magnolia ist ziemlich prächtig und detailliert geraten.

Keisuke Kikuchi von Entwicklungsstudio Gust erklärt uns im Gespräch:

"Wir haben das intern lange besprochen – aus der Vorlage hätte man recht einfach ein Spiel im Warriors-Stil machen können. Aber es gibt zwei Gründe, warum es ein Rollenspiel geworden ist. Zum einen bin ich selbst Produzent beim Entwickler Gust, und Rollenspiele sind unsere Stärke. Aber da ist auch das Konzept der Gilde, die sich entwickeln muss. Bei Fairy Tail geht es weniger um einzelne Figuren als um Teamwork. Jeder trägt etwas bei und die Gilde profitiert von der Magie ihrer Mitglieder. Und das lässt sich im Rollenspiel am besten darstellen."

Magisch und bunt?

Zu Beginn des Spiels geht es Natsus Gilde nicht besonders gut. Das große Ziel ist es, die Gilde wieder aufzubauen. Dabei verspricht Entwickler Gust zehn spielbare Figuren und etliche weitere Charaktere, die sich der Gilde als Unterstützer anschließen. Bisher bestätigt sind neben Held Natsu noch Wendy, Lucy, Grey und Erza, sie alle konnten wir beim Termin auf der Tokyo Game Show bereits in Aktion erleben. Gezeigt werden Storyszenen, die Erforschung der Welt und natürlich das Kampfsystem: Das läuft rundenbasiert ab, aber etwas Geschicklichkeit ist beim Auslösen mächtiger Kettenangriffe durchaus hilfreich.

Heldin Erza ist meistens hochgerüstet, doch nach einer Verwandlung ändert sich ihr Outfit.Heldin Erza ist meistens hochgerüstet, doch nach einer Verwandlung ändert sich ihr Outfit.

Wuchtige Magieeffekte, tolle Partikel, leuchtende Farben und auch manch eine spektakuläre Verwandlung bestimmmen das Bild im Kampf. Trotzdem wirkt das gezeigte im Vergleich zur bunten Vorlage etwas realistischer und gedämpfter - direkt wird bei Produzent Kikuchi nachgefragt. Der erläutert:

"Wenn man eine gezeichnete Vorlage in die dritte Dimension verfrachtet, mit all dem Shading und den Lichteffekten, dann wird sich das immer eher etwas realistischer anfühlen, das liegt in der Natur der Sache. Aber wir haben auch nur den Anfang des Spiels gezeigt, da ist alles noch etwas düster und runtergekommen. Wenn die Gilde erst einmal mehr Figuren umfasst und die Welt sich öffnet, dann wird das Spiel auch bunter."

Erste bewegte Bilder von Fairy Tail:

Atelier Natsu

In der gezeigten Version weckt Fairy Tail schnell Erinnerungen an die Atelier-Serie - Spiele wie Atelier Rorona - Alchemist of Arland, Atelier Shallie - Alchemists of the Dusk Sea oder Atelier Firis - Mysterious Journey sind die Vorzeigespiele von Entwickler Gust, und viel Atelier-Erbgut findet sich auch in Fairy Tail. Es wird eben nicht nur gekämpft, gerade der Aspekt Aufbau nimmt eine zentrale Rolle ein und dabei wird auch auf das Sammeln von Ressourcen und Crafting gesetzt - zwei zentrale Elemente der Atelier-Reihe.

Die Stadt Magnolia stellt dabei das Zentrum des Abenteuers dar, hier nehmen Natsu und Co. ihre Aufträge an. Über die Weltkarte wählt ihr dann euer nächstes Ziel und erforscht dort die Gegend, kämpft gegen Monster und - Atelier lässt wieder grüßen - ihr sammelt Rohstoffe ein, die ihr dann in einem Crafting-System weiter verarbeitet. Doch im Gegensatz zu Atelier, wo das Erschaffen von Gegenständen die zentralste Spielmechanik darstellt, da ist das Crafting hier nur eines von vielen Elementen und weit weniger komplex als in Shallie, Rorona und Co.

Nur für Manga-Kenner?

Heldin Wendy sieht harmlos aus, ihre Magie hat es aber in sich.Heldin Wendy sieht harmlos aus, ihre Magie hat es aber in sich.

Eine Schwäche haben viele Umsetzungen von Mangas und Animes auf die Konsole: Sie setzen stabile Kenntnis der Materie voraus, wer die Geschichte nur aus dem Spiel heraus erleben will, der versteht durch die vielen Verkürzungen und Andeutungen oft nur Bahnhof. Auch an diesem Punkt soll Fairy Tail aus der Masse herausstechen, wie Produzent Keisuke Kikuchi erläutert:

"Bei der Entwicklung des Spiels achten wir einerseits auf Fans, die sich mit Fairy Tail gut auskennen aber vielleicht keine große Rollenspiel-Erfahrung haben. Und im Gegensatz dazu gibt es andererseits die Spieler, die Rollenspiele mögen, aber sich eben nicht mit Fairy Tail auskennen. Sollte sich ein neuer Spieler im Verlauf des Spiels für bestimmte Figuren interessieren, dann lässt sich da viel über ihren Charakter und ihre Vergangenheit in Erfahrung bringen. Und es gibt im Spiel auch einen Ort, an dem man die ganze Vorgeschichte erfahren kann."

Die feinen Charaktermodelle, die Zugänglichkeit für Serienneulinge und die interessante Mischung aus Quests, Crafting und rundenbasierten Kämpfen machen Fairy Tail zu einer weitaus interessanteren Mangakonvertierung als viele Konkurrenzspiele - ihr dürft gespannt sein, wie sich das Anime-Abenteuer dann in der Praxis schlägt. Und in einer Sache bleibt dann auch Fairy Tail wieder den gängigen Klischees treu: Mädels, die sich im Pool tummeln. Tja, schade. Es hätte auch ohne Fan-Service gehen können.

Meinung von Thomas Nickel

Wie erfrischend - endlich mal eine Anime-Umsetzung die nicht als austauschbarer Arena-Prügler in 3D daherkommt. Es ist eine gute Entscheidung, die Rollenspiel-Spezialisten bei Gust mit der Entwicklung von Fairy Tail zu betrauen und man darf gespannt sein, wieviel Atelier-DNS denn dann im fertigen Spiel stecken wird. Das Kampfsystem wirkt kompetent und es ist immer schön, wieder einmal rundenbasierte Kämpfe austragen zu können, das reduzierte Crafting-Element und die Möglichkeit, neue Leute in die eigene Gilde zu rekrutieren sollte für die nötige spielerische Würze sorgen.

Ich hoffe nur, dass auch ich als Nicht-Kenner der Vorlage abgeholt werde, immerhin setzt die Geschichte mitten im Verlauf der Handlung der Vorlage ein. Ob da Nachschlagemöglichkeiten reichen? Trotz dieses Fragezeichens freue ich mich auf das fertige Spiel: Die wilde Energie des Vorbilds kommt auch auf PS4 und Switch gut rüber. Schade allerdings, dass die Entwickler sich in Sachen Fanservice wieder einmal auf das männliche Publikum einschießen, gerade ein Spiel wie Fairy Tail sollte eigentlich Damen wie Herren gleichermaßen ansprechen!

Tags: Anime  

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