Test The Surge 2 | Ein Test Zwischen Edelstahl und Altmetall

von Manuel Karner (25. September 2019)

Der Entwickler Deck 13 will mit The Surge 2 alles besser machen. Mit einer größeren Spielwelt, gnadenlosen Kämpfen und einer Vielzahl an Waffen und Rüstungen geht das Science-Fiction-Rollenspiel in die zweite Runde. Wir haben uns die PS4-Version des Spiels angeschaut und verraten euch, ob Jericho City einen Besuch wert ist.

The Surge 2 | Brutale Kämpfe mit stimmungsvoller Musikuntermalung im Trailer:

Absolutes Chaos in der Spielwelt

Die Story von The Surge 2 setzt nach den Ereignissen des Vorgängers an. Statt wie zuvor Warren spielt ihr jedoch diesmal einen namenlosen Charakter, der sich nach einem Flugzeugabsturz in der Klinik eines Gefängnisses wiederfindet. Zwar bleibt der Protagonist über das gesamte Spiel blass und trotz verschiedener Dialogoptionen stumm, dafür könnt ihn frei nach euren Wünschen erstellen.

Neben der Wahl des Geschlechts und diversen Gesichtsanpassungen, dürft ihr sogar das Alter und das Outfit eurer Spielfigur bestimmen. Auswirkungen auf den Spielverlauf nehmen diese Einstellungen zwar nicht, immerhin verleihen sie eurem Charakter aber mehr Einzigartigkeit.

In The Surge 2 könnt ihr euren eigenen Charakter erstellen.In The Surge 2 könnt ihr euren eigenen Charakter erstellen.

Seid ihr mit der Optik des Protagonisten zufrieden, geht es auch schon los und ihr lernt, bewaffnet mit zwei Defibrillatoren, das Grundgerüst des Kampfsystems kennen. Bewegung, Zielerfassung, Anvisieren einzelner Körperteile - Das Tutorial ist aufgrund der anfangs noch begrenzten Möglichkeiten prima umgesetzt worden und erleichtert Anfängern den Einstieg spürbar.

Bei einem Rundgang durch das Gefängnis wird anhand von Monitoraufnahmen jedenfalls schnell klar, was sich draußen vor der Tür abspielt. Die Stadt wurde abgeriegelt, das Kriegsrecht ausgerufen und den Bürgern geraten, ihr Haus nicht zu verlassen. Roboter laufen Amok und zu allem Übel braut sich auf noch ein mächtig großer Nano-Sturm über der Stadt zusammen. Willkommen in Jericho City!

Verbesserungen durch zerstückelte Feinde

Bereits nach wenigen Spielminuten schlüpft ihr in den Exo-Anzug und euch eröffnen sich neue taktische Möglichkeiten. Ihr führt leichte und schwere Angriffe aus, könnt Schläge aufladen und verstärken, oder - je nach Waffe - sogar ganze Kombos entfesseln.

Werdet ihr in die Defensive gezwungen, habt ihr ebenfalls mehrere Möglichkeiten: Entweder ihr entgeht der Attacke mit einem Ausweichmanöver oder ihr blockt den Angriff, was jedoch einen großen Ausdauerverlust nach sich zieht. Etwas riskanter, dafür umso effektiver ist die Parade. Haltet ihr die Block-Taste gedrückt und bewegt den rechten Analog-Stick kurz vor dem Einschlag in die Richtung des Angriffs, verlieren eure Gegner das Gleichgewicht und ihr könnt schnell ein paar kritische Treffer landen. Verpatzt ihr das Ganze, bekommt ihr stattdessen den gesamten Angriffsschaden ab.

Wie bei Soulslike-Spielen üblich, werdet ihr euch gerade anfangs an gewissen Gegnern die Zähne ausbeißen. Erst wenn ihr die verschiedenen Bosse und Gegnertypen studiert habt und ihre Angriffsmuster auswendig lernt, könnt ihr euch in den Kämpfen behaupten. Dies stellt die Motivationsgrundlage in The Surge 2 dar, die selten aber auch von tückisch platzierten Widersachern in der Spielwelt getrübt wird.

Der Boss Little Johnny stellt sich euch mit einem Krabben-Roboter in den Weg.Der Boss Little Johnny stellt sich euch mit einem Krabben-Roboter in den Weg.

Ebenso motivierend wie die Lernkurve in den Kämpfen ist auch das damit verbundene Loot-System. Trägt einer eurer Feinde eine Waffe oder ein Rüstungsteil an seinem Körper, das euch gefällt? Visiert die entsprechende Körperpartie einfach an und drescht darauf ein, als gäbe es kein Morgen! Hat die Ausrüstung genug Schaden genommen, könnt ihr sie samt dem Körperteil abschlagen. Als Belohnung kann das eben gewonnene Schema in der sogenannten „Medibay“-Station hergestellt werden. Das ist brutal und zufriedenstellend zugleich, zumal bereits im Besitz befindliche Teile als Material für Upgrades herhalten.

Bei unzähligen verschiedenen Waffen, die in neun unterschiedliche, teils einfallsreiche Typen unterteilt sind, ist für jeden etwas dabei. Zweihänder, die zu zwei Einhandwaffen auseinandergenommen werden können, Stangenwaffen, die euch Reichweitenvorteile sichern, Dualklingen, die euch flinke Angriffsketten ermöglichen und viele mehr.

Die Kernleistung - der wichtigste Faktor im Build

Apropos Medibay: Die Spielwelt besteht aus mehreren, recht offenen Arealen, es handelt sich jedoch nicht um eine klassische "Open World". In jedem dieser Areale lässt sich eine "Medibay"-Station finden. Diese könnt ihr nutzen, um eurer gesammeltes Altmetall (im Spiel Tech-Scrap genannt) zu lagern, neue Ausrüstung zu craften und zu verbessern oder um eure Kernleistung zu erhöhen, was einem Level-Aufstieg gleichkommt.

Jeder Stufenaufstieg ermöglicht es euch Punkte in Gesundheit, Ausdauer oder Energie zu investieren. Während die Funktionen von Gesundheit und Ausdauer selbsterklärend sein dürften, stellt Energie ein besonderes Element in The Surge 2 dar. So benötigt ihr Energie für das Abschlagen von Körperteilen oder für die Verwendung von Implantaten, die euch Heilung oder Buffs gewähren. Ist euer Energiespeicher leer, ladet ihr ihn durch erfolgreiche Angriffe wieder auf.

Dieser Gegner ist gleich einen Kopf kürzer.Dieser Gegner ist gleich einen Kopf kürzer.

Die Steigerung der Kernleistung lässt euch aber nicht nur Punkte verteilen, sondern ist auch ausschlaggebend für die Ausrüstung und die Implantate, die ihr anlegen könnt. Generell gilt: Umso stärker der auszurüstende Gegenstand, desto mehr Kernleistung verschlingt ebendieser. Dadurch werdet ihr oft zu Kompromissen gezwungen, was für zusätzlichen Antrieb sorgt, das zu eurem Spielstil passende Set zusammenzustellen.

Wollt ihr wie ein dick gepanzerter Tank durch die Stadt ziehen und verzichtet im Gegenzug auf Angriffsgeschwindigkeit und Ausdauer? Oder meuchelt ihr euch stattdessen lieber flink wie ein Assassine von einem Gegner zum nächsten und setzt auf Überraschungsangriffe? Natürlich solltet ihr auch ein Auge auf verschiedene Resistenzen (wie Gift, Elektro oder Feuer) werfen, die euch die Rüstungsteile gewähren. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Ihr selbst entscheidet, was ihr daraus macht.

Raus aus der Fabrik, rein in die Stadt - eine neue Spielwelt

Wart ihr im Vorgänger The Surge noch in einer Fabrik unterwegs, die weniger Gelegenheiten für visuelle Abwechslung bot, steht euch in The Surge 2 eine ganze Stadt zur Verfügung. Neben grünen Parks laden futuristische Wohnsiedlungen, baufällige Gebäude, düstere Untergründe und klaustrophobisch enge Korridore zur Erkundung ein.

Und erkunden solltet ihr wirklich jeden Winkel. Nicht nur, dass ihr durch aufmerksames Erkunden allerhand versteckte Kisten mit nützlichem Loot aufstöbern könnt, ihr schaltet so mit etwas Glück auch eine Abkürzung zur „Medibay“-Station frei. Generell gibt es in The Surge 2 so viele Abkürzungen zu entdecken, dass wir oft gar nicht mehr genau wussten, wohin eigentlich welcher Weg führt.

Da ihr all das gesammelte Altmetall bei einem Bildschirmtod zurücklasst, kann die Suche danach schonmal zur Marter werden. Eine Karte, die anzeigt wo ihr euch gerade befindet, tragt ihr nämlich nicht mit euch herum. Stattdessen findet ihr an manchen Stellen eine Übersichtskarte vor, die euren ungefähren Aufenthaltsort markiert. Mit anderen Worten: Ein guter Orientierungssinn erspart euch viel Ärger.

Als teilweise problematisch erweist sich dadurch auch das Erfüllen bestimmter Missionsziele. In neutralen Gebieten haben NPCs nicht selten Aufgaben für euch, denen ihr nachgehen könnt. Mal geht es darum bestimmte Personen aufzuspüren, die sich irgendwo in einem der Areale herumtreiben, mal habt ihr einfache Sammelaufgaben zu erledigen. Die Suche danach gestaltet sich dabei oft zeitintensiv, was den Spielfluss ins Stocken geraten lässt.

In neutralen Gebieten, wie in dieser Party-Location, erhaltet ihr Aufgaben.In neutralen Gebieten, wie in dieser Party-Location, erhaltet ihr Aufgaben.

Große Hilfe durch kleine Drohne

Diverse Ausrüstungsgegenstände, die euch unter anderem neue Passagen eröffnen können, bringt die Drohne nach den ersten Spielstunden mit sich. Erlangt ihr im Spielverlauf neue Fernkampfwaffen, wird eure Drohne zudem automatisch damit ausgestattet. Ob Kugelsalven, Laserstrahlen oder Elektrostöße, das fliegende Hilfsmittel erweist sich schnell als das Schweizer Taschenmesser unter den Drohnen.

Durch ihren Einsatz können zu Fuß unerreichbare Geschütztürme zerstört, Gegner behindert oder sogar ausgeschaltet werden. Mit dem sogenannten Graffiti-Modul ist es euch außerdem möglich, nützliche (oder weniger nützliche) Hinweise für andere Spieler hinterlassen – Dark Souls lässt grüßen. Einen Koop-Partner könnt ihr aber nicht in eure Sitzung einladen. In The Surge 2 seid ihr von Anfang bis Ende auf euch allein gestellt.

Grafische Baustellen

Zwar strotzt Jericho City im Vergleich zum Vorgänger vor abwechslungsreichen Gebieten, Atmosphäre kommt trotzdem nur selten auf. Das liegt vor allem an den zum Test-Zeitpunkt (getestet wurde die normale PS4-Version) technischen Mängeln. Immer wieder sind wir auf unscharfe, teils matschige Texturen gestoßen, vor denen selbst der eigene Charakter nicht gefeit ist. Zu gelegentlichem Kantenflimmern gesellt sich nicht zuletzt eine oftmals kontrastarme Weitsicht.

Teils verwaschene Texturen trüben das Gesamtbild von The Surge 2.Teils verwaschene Texturen trüben das Gesamtbild von The Surge 2.

Größtenteils positiv hervorzuheben sind dank prominenter Besetzung die deutschen Synchronstimmen und der knallharte Sound, der wuchtige Schläge klangstark untermalt. Zudem lief das Spiel fast ausnahmslos stabil. Von spürbaren Einbrüchen der Framerate bleibt ihr also weitestgehend verschont - ebenso wie vor nennenswerten Bugs.

Meinung von Manuel Karner

Insgesamt ist The Surge 2 ein gelungener Vertreter des Soulslike-Genres geworden. Das Kampfsystem geht nach wenigen Minuten in Fleisch und Blut über. Die zahlreichen Waffen und Rüstungsteile sorgen hinsichtlich der begrenzten Kernleistung dafür, dass ich Spaß dabei hatte, mein Rüstungsset immer weiter zu optimieren und die mir zur Verfügung stehenden Implantate meinem Spielstil anzupassen (oder umgekehrt).

Nicht nur die Anzahl der Waffen und Rüstungen wurde im Vergleich zum Vorgänger angehoben, auch die Gegnervielfalt hat zugenommen und gestaltet sich hinsichtlich der Ausrüstung und dem Kampfverhalten recht abwechslungsreich. Ob riesengroße Maschinen, humanoide Roboter, tierähnliche Nano-Kreaturen oder Menschen mit unterschiedlicher Nah- und Fernkampfbewaffnung – hier lässt The Surge 2 kaum Wünsche offen.

Wer aber eine fesselnde Geschichte erwartet, wird enttäuscht. Die erzählerische Motivation verschwindet schon nach dem Spielstart recht zügig in den Hintergrund und liefert im weiteren Verlauf kaum nennenswerte Höhepunkte.

Gebremst wird das prinzipiell gelungene Spielgefühl außerdem durch die Levelarchitektur. So durchlaufe ich einige Areale immer wieder, während ich nach anderen erst ausgiebig suchen muss. Durch die oftmals hohe Anzahl an Abkürzungen, die einprägsame Erkennungsmerkmale vermissen lassen, wird die Orientierung oft unnötig auf die Probe gestellt. Hinzu kommt, dass The Surge 2 in Sachen Grafik teils schlechter aussieht als sein Vorgänger.

80

spieletipps meint: Trotz Schwächen ist Sachen Grafik und Level-Architektur ein insgesamt gelungener Vertreter des Soulslike-Genres.

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