Pokémon |"Ich wusste es besser und habe es trotzdem falsch gespielt" (Kolumne)

von Mandy Strebe (22. September 2019)

Ein Grundprinzip der Pokémon-Spiele ist es durch taktisches Vorgehen und Wahl der passenden Pokémon-Typen seinen Kontrahenten in Kämpfen überlegen zu sein. Klingt logisch, doch ich führe dieses Prinzip ad absurdum. Der Grund dafür führte zu fassungslosem Kopfschütteln, doch mir war es egal.

Wenn ich nur damals auch SO mit meinen Pokémon hätte interagieren können:

Im Jahre 1999 waren wir alle einem Hype verfallen: Pokémon. Die possierlichen Taschenmonster eroberten die Herzen begeisterter Kinder im Sturm und jeder wollte der Allerbeste sein.

Ich selbst konnte mich glückliche Besitzerin einer Blauen Edition nennen. Während meiner Pokémon-Trainerlaufbahn entwickelte ich eine ungewöhnliche und im Endeffekt auch starrköpfige Leidenschaft, welche mir im späteren Verlauf des Spiels den letzten Nerv rauben sollte.

Das Starter-Pokémon: Natürlich gab es für mich nur eine richtige Wahl

Seinen Anfang nahm diese eigensinnige Leidenschaft mit der Wahl des Starter-Pokémon. Da stand ich nun vor Professor Eich, während er mich und meinen Erzrivalen vor eine wirklich essentielle Wahl stellte: Welches Pokémon wählst du? Dies sagt nämlich auch einiges darüber aus, was für ein Mensch ihr seid! (Nein, wahrscheinlich nicht, aber ich habe schon hitzige Diskussionen über die einzig richtige Wahl des Starter-Pokémon führen dürfen.)

Meine Wahl fiel auf das süßeste Etwas, das meine jungen Augen bis dato erblickt haben. Ein Wesen, das seine eigene, herzerwärmende Flamme immer mit sich trug: Glumanda.

Vielleicht rührte meine Zuneigung zu Glumanda auch von der Anime-Serie her. Dort wurde es in einer sehr emotionalen Situation eingeführt, was mich wohl sehr für es begeistern ließ.

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Ein Muster zeichnete sich ab und ich traf auf erste Hürden

Das Sammeln von Pokémon und damit die Komplettierung des Pokédex, um als allerbester Trainer zu gelten, ist erklärtes Ziel des Spiels. Doch ich hatte kein Interesse daran alle zu haben, ich wollte nur die für mich Bedeutendsten.

Wie sich im Verlauf des Spiels immer mehr herauskristallisierte, entschied ich mich fast ausschließlich für Feuer-Pokémon. Nicht etwa, weil es taktisch klug gewesen wäre oder ich mir gar absichtlich eine Herausforderung auferlegte, sondern schlicht und ergreifend, weil ich sie hübsch oder süß fand. Ich hatte einfach eine starke emotionale Bindung zu meinen geliebten Taschenmonstern. Das mag aus Sicht des Spielprinzips alles andere als zielführend sein, doch mein naives und kindliches Ich wollte es so.

Das erste Mal bekam ich die Schwierigkeit dieser Vorliebe zu spüren, als ich in Azuria City auf die Arenaleiterin Misty traf. Bekannterweise bestand ihr Pool an Pokémon nur aus welchen vom Typ Wasser, die größte Schwäche eines Feuer-Pokémon.

Ich hatte also erhebliche Probleme, mich gegen diese Arenaleiterin zu behaupten und musste alle Register ziehen, um über sie zu triumphieren. Doch es gelang mir.

Die Top Vier brachte mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit

So entwickelte ich über die Zeit meiner Trainer-Karriere einen ziemlich einseitigen Pool an Feuer-Pokémon und anderer Monster, welche ich anhand ihrer Niedlichkeit auswählte. Es gesellten sich ein Vulpix, ein Ponita, ein Sandan und weitere niedliche, aber nicht nach Logik oder Effizienz erwählte Pokémon hinzu.

Nachdem ich in der Pokémon-Welt mit dieser Auswahl zwar so einige Probleme erleben musste, aber niemals wirklich aufgehalten wurde, setzte sich dieses Muster fort, bis ich schlussendlich vor den Toren der Top Vier stand.

Diese gehörten zu den stärksten Trainern der Pokémon-Welt und stellten auch mit effizient gewählten Pokémon eine echte Herausforderung dar. Dann kam ich, mit meinen nach ihrer Niedlichkeit ausgewählten Pokémon und wollte die erste Trainerin Lorelei besiegen.

Wie hat sich dieses Unterfangen wohl gestaltet? Ja genau: katastrophal.

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Wie oft ich es auch versuchte, wie sehr ich mich auch anstrengte und wie sehr ich mich konzentrierte alles richtig zu machen - ich scheiterte jedes verdammte Mal.

Ich war am Boden zerstört und verstand die Welt nicht mehr. Während alle anderen in meinem Freundeskreis oder Mitschüler es bereits gemeistert hatten, war es mir noch nicht gelungen, die Allerbeste zu sein.

Natürlich bekam ich Ratschläge und Tipps, natürlich sollte ich meine Pokémon wechseln, natürlich waren meine süßen Pokémon im Nachteil. Aber natürlich wollte ich mich nicht beirren lassen und behielt die gleiche Aufstellung.

Warum? Weil ich nicht aufgeben wollte, nur weil etwas schwer war oder die Ausgangssituation nicht die beste war.

Nach unzähligen Versuchen, nach einem langwierigen Zeitraum der verstrich, nach fassungslosem Kopfschütteln Involvierter, schaffte ich das Unmögliche: Ich besiegte Lorelei. Mit meinen niedlichen Pokémon. Mit meinem Team. Mit meinem Sturkopf.

Und am Ende hatte es sich gelohnt. Für das unglaubliche Gefühl, wenn man etwas schaffte, was alle für unmöglich oder aussichtslos erachteten. Vielleicht war es künstlich selbst auferlegt, aber es war nur ein Spiel und in diesem entschied ich meine eigenen Spielregeln. Und im besten Fall war so ein Spiel noch viel mehr als ein Spiel und ich konnte eine Lektion für das Leben daraus ziehen und eine Kolumne darüber schreiben.

Warum ich eine Fliege bin

Für meinen sturen Weg gibt es einen passenden Vergleich: Sperrt man eine Biene und eine Fliege jeweils in eine Flasche, bei der der fehlende Verschluss die einzige Fluchtmöglichkeit offen lässt, so entkommt die Biene dadurch, dass sie stets systematisch nach oben Richtung Licht fliegt. Die Fliege hat kein Konzept und fliegt ziellos umher, dabei entkommt sie wohl auch irgendwann, aber vermutlich erheblich später als die Biene.

Hält man die Flasche allerdings über Kopf, so wird die Biene wohl niemals entkommen, die Fliege aber wird irgendwann ihren Weg finden. Im Chaos kann demnach auch die Lösung liegen.

Also kann gesagt werden, dass mein Konzept Pokémon Blau zu bestreiten wohl nicht das Klügste oder Effizienteste war (und vor allem nicht das Schnellste), aber es hat meine Eigenschaften Durchhaltevermögen und Ehrgeiz gestärkt. Und meine Sturheit ...

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