Switch Lite | Die neue Version behebt nicht das größte Manko der Hardware (Kolumne)

von Till Wäscher (Donnerstag, 26.09.2019 - 16:37 Uhr)

Mein letzter Sommerurlaub in Portugal hätte perfekt werden können. Traumhaftes Wetter, Freizeit ohne Ende und mit der Nintendo Switch im Gepäck die Möglichkeit, entspannt am Pool zu zocken. Doch dann kam ich einem Geheimnis auf die Spur, das in Industrie- und Medienkreisen gerne verschwiegen wird: Das Display von Nintendos Handheld-Konsolen-Hybrid ist bei sonnigem Wetter nicht outdoor-tauglich.

Anstatt Drachen in The Elder Scrolls 5 - Skyrim, Sternen in Super Mario Odyssey und Erdbeeren in Celeste sah ich auf dem Bildschirm nur eines: mein eigenes Gesicht. Das mag für Narzissten befriedigend sein, erschütterte jedoch meinen Glauben in das Play-Anywhere-Mantra, das Nintendos Marketingabteilung gebetsmühlenartig wiederholt (ebenso wie der Fakt, dass ich mich im Hotel nur über Umwege in das browserbasierte WLAN-Netzwerk einloggen konnte).

Im Werbespot für das neue Modell Switch Lite holen Kids im Skaterpark bei strahlendem Sonnenschein ihre Switches hervor, um spontan eine Runde Multiplayer zu spielen. Doch wie ein spätsommerlicher Test auf meinem Balkon zeigte, ist der Bildschirm der in vielerlei Hinsicht verbesserten Switch Lite auch dafür eher ungeeignet.

Insbesondere, wenn ihr in dunkle Dungeons absteigt, seht ihr bei Sonnenschein auf der Switch fast gar nichts.Insbesondere, wenn ihr in dunkle Dungeons absteigt, seht ihr bei Sonnenschein auf der Switch fast gar nichts.

Im Zuge einer kurzen Reddit-Recherche zum Thema habe ich gelernt, dass das Switch-Display (vermutlich aus Kostengründen) nicht laminiert ist. Das heißt, Display und (Plastik-)Glas sind im Gegensatz zu fast jedem Oberklasse-Smartphone nicht miteinander verklebt und einfallende Lichtstrahlen reflektieren in dem Hohlraum hin und her und sorgen so für einen Blendeffekt.

In Kombination mit einer vergleichsweise geringen Leuchtdichte von etwa 300 Nits (Smartphones haben in der Regel zwischen 500 und 1000 Nits) ist der Screen damit de facto untauglich, im direkten Sonnenlicht eingesetzt zu werden.

Längst teilen in Internet-Foren Switch-Besitzer diverse "Do it yourself"-Lösungen, um doch draußen spielen zu können – von aus Karton gebastelten Schutzblenden bis hin zu nicht ernst gemeinten Vorschlägen, wie der Zweckentfremdung des ursprünglich für Laptops konzipierten, guten alten "Privacy Sweaters".

Die Base-Switch und vor allem die in vielen Aspekten verbesserte Switch Lite sind fantastische Handhelds. Was die Nintendo-Ingenieure auf so kleinem Raum verbaut haben ist atemberaubend. Dass ich bald The Witcher 3 in der U-Bahn oder im Flugzeug spielen kann, ist nicht weniger als ein Wunderwerk der Technik. Für meinen nächsten Strandurlaub packe ich aber lieber ein Buch ein.

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