GTA Online | Ist das Spiel wirklich unsterblich?

(Special)

von Michael Sonntag (28. September 2019)

GTA 5 ist ein unvergleichbares Phänomen. Seit sechs Jahren hält sich das Großstadt-Abenteuer dauerhaft in den Spielecharts auf, trotzt jeder Konkurrenz und Flaute, begeistert immer noch, online sowie offline. Doch wird der Hype ewig weiter anhalten? Oder ist der Zenit bald erreicht? Wir haben unsere Community auf Social Media dazu befragt und ein komplexes Bild erhalten, wie es sich heute im virtuellen Los Santos lebt - und wohin die Reise einmal gehen wird.

Im neuesten Update könnt ihr eure Millionen im Casino vervielfachen - oder alles auf einen Schlag verlieren:

Ein schönes Leben - mit harten Kompromissen

Von großen technischen Startschwierigkeiten begleitet, entwickelte sich GTA Online im Laufe der Jahre mit dutzenden DLCs zu einer umfangreichen Multiplayer-Großstadt, in der Spieler vielfältige Gangsterkarrieren anstreben können: Rennen fahren, große Coups starten, Deathmatches, ins Drogengeschäft einsteigen, Firmen hochziehen, Hightech-Waffen erwerben und neuerdings auch Millionen im Casino verbrennen. Aber macht GTA Online heute noch so viel Spaß wie 2013, wenn sich am grundlegenden Spielprinzip eigentlich nichts geändert hat? Das fragten wir unsere Community.

An sich macht GTA weiterhin Bock. Es kommen immer wieder neue Updates hinzu, die das Spiel vielfältig machen (auch wenn es verdammt teuer ist). Das einzig Nervige an GTA Online ist, dass die Spieler immer wieder Sachen kriegen, womit sie anderen Spielern auf den (Keks) gehen können (...) Du kannst kaum noch in einer öffentlichen Lobby sein, ohne dass jemand versucht, dich andauernd zu töten“, erklärt Instagram-User 100cio_official.

GTA Online: Eine Stadt voller Krimineller. Und jeder will etwas vom Kuchen abhaben.GTA Online: Eine Stadt voller Krimineller. Und jeder will etwas vom Kuchen abhaben.

Ihm ist - wie vielen anderen Spielern - eine gewisse Reife und Erfahrung mit dem Spiel anzumerken, in dem Leute dutzende Stunden zugebracht, gelacht wie geflucht, viele Entwicklungen mitverfolgt und Freunde kennengelernt haben. „Ich habe meine Jugend zum größten Teil in Los Santos verbracht. Damals 2013, in der 8. oder 9. Klasse schön krankschreiben lassen am 1. Oktober, als es online startete. Wir haben soviel erlebt und es gibt so viele schöne Erinnerungen mit meinen Jungs damals“, schreibt Facebook-User Tetzlaff Dschiziz hierzu.

Nichtsdestotrotz sind die nostalgischen Lobeshymnen von vielen "Aber", "Allerdings" und "Abgesehen von ..." durchsetzt. Es steht fest: Mit dem Spiel und seinen Gepflogenheiten muss man sich arrangieren, was die Nüchternheit erfahrener Spieler erklärt und auch das Aufbrausen derjenigen, die es nach kurzer Zeit schon abgebrochen haben - FB-User Semih Port: „Einmal online gegangen, nach dem Intro 3 Meter gelaufen, dann ist ein anderer Spieler mit einem Auto hergefahren, Granate aus dem Auto geworfen und weggefahren - Danach habe ich das Spiel ausgemacht und zurückgegeben“.

Wer mitspielen möchte, muss dabei bleiben. Und offenbar gibt es immer wieder Gründe, das Spiel abzubrechen. Aber warum bleibt man trotz allem dabei?

Der Traum ist zu schön, um sich zu entziehen: Waffen, Autos, Villen, Hubschrauber, ein exklusives Leben, um das andere einen beneiden.Der Traum ist zu schön, um sich zu entziehen: Waffen, Autos, Villen, Hubschrauber, ein exklusives Leben, um das andere einen beneiden.

Eine einfache Formel: Spiel ist Geld

Geld regiert die Welt - das gilt vor allem für Los Santos, in der sich hyperreiche Kriminelle mit ihrem Luxus gegenseitig übertrumpfen wollen, was die grundlegende Spielmotivation ausmacht. Wenn ihr etwas haben wollt, müsst ihr es euch verdienen. Entweder aufsteigen oder getreten werden. So beginnt jeder Spieler in einem kleinen Kämmerlein und träumt vom Luxusapartment im Wolkenkratzer.

FB-User Dominic Schiffling:Ich spiele es seit dem Release damals auf der PS3. Mein erstes Apartment habe ich mir mit Kiosk-Überfällen ergaunert. Jetzt hab ich X Immobilien, unzählige Fahrzeuge, Boote, Flugzeuge und Millionen auf dem Konto.“

Instagram-User crazyboyxxd_yt_:(Ich) finde GTA Online zu teuer und man kann sich dadurch zu wenig leisten und in Missionen gibt es zu wenig Geld, um überhaupt vorwärts zu kommen, um reich zu werden.

Der Vorteil: Für alles, was ihr macht, verdient ihr Geld. Für manches natürlich mehr. Das Leben ist teuer - und die Gewinnspannbreiten enorm. Dieses Rad kann mit doppelten Gewinn-Wochenenden und neuen Modi, die Rockstar regelmäßig veranstaltet, wieder von Neuem angekurbelt werden, was den Dauerbewohner in Los Santos genauso freut wie den Gelegenheitsurlauber, der vorbeikommt und vielleicht sogar seine alte Wohnung entstaubt, um länger zu bleiben.

Ist GTA Online unsterblich? Offenbar nur solange, wie die Updates motivieren und die Inflation nicht Überhand nimmt.

Auch die Spielverderber sind mit den Jahren gewachsen - und dank neuer Waffen gefährlicher geworden.Auch die Spielverderber sind mit den Jahren gewachsen - und dank neuer Waffen gefährlicher geworden.

Draußen warten die Griefer

Viel zu oft erlebe ich leider, dass junge Kids mir das Ohr vollheulen, wenn sie einen Konflikt beginnen, ihn dann aber verlieren. Dieses Spiel lebt von der Gewalt und den Kämpfen unter den Spielern. Das ist eines der nervigsten Probleme im Spiel. Aber sich all dem zu stellen und gegen Leute zu kämpfen, die einen angreifen, ist meine Motivation und mein Spaß, dieses Spiel auch noch heute zu spielen. Meine Jungs und ich spielen nach der Devise, angreifen lassen und dann mit voller Kraft zurückzuschlagen.“, schreibt uns Pascal Kiefer.

Die offenen Lobbys sind bereits seit den Anfangstagen ein gefährliches Terrain. Immerzu streifen schießwütige Spielverderber umher, um anderen Usern aus Spaß das Leben schwer zu machen. Ist es dann im Zweifelsfall sogar ein Modder, der die Gesetze des Spiels manipulieren kann, unsterblich ist, Explosionen regnen lassen kann, ist Flucht die einzige Möglichkeit.

Seitdem Rockstar mit dem Doomsday-DLC Objekte wie ein Raketenmotorrad hinzugefügt hat, muss man sich im normalen Straßenverkehr auf apokalyptische Auseinandersetzungen einstellen. Es herrscht in den Kommentaren ein allgemeiner Konsens: Ertragen, ignorieren oder selber mitmischen. Es wird zähneknirschend akzeptiert, weil es zum Gangsterleben dazugehört. Das Leben auf der Straße ist hart.

Ist GTA Online unsterblich? Ja, solange die Leute die Griefer ertragen können und Entwickler Rockstar ihr Treiben mehr eindämmt als mit neuen Waffen unterstützt.

GTA Online im Roleplay: Eine gute Prise Sims dazu. Es kann zur Abwechslung auch mal Spaß machen, ein Polizist zu sein.GTA Online im Roleplay: Eine gute Prise Sims dazu. Es kann zur Abwechslung auch mal Spaß machen, ein Polizist zu sein.

Sein eigenes Ding machen

Aber klar. So langsam nach vielen hundert Stunden ist auch GTA 5 bald ausgelutscht. Man kennt jeden Winkel, jeden Bug, jede Mission und auch wenn man unbegrenzte Möglichkeiten hat, sind die Updates, die kurze Zeit Freude bringen, auch relativ schnell ausgelutscht, weil die Verbindung fehlt. Es sind super Updates an und für sich, die sich aber im Großteil nicht an die erste Version des Spiels anfügen,“ schreibt FB-User Paul Jaczek.

Nein, es ist kein anderes Spiel nach sechs Jahren - aber das Spielprinzip macht immer noch Spaß, weil es immer weitergeführt werden kann. GTA Online holt die Hardcore-Fans genauso wie die Gelegenheitsspieler und Frischlinge ab. Sei es, weil es ein großer Name ist, die soziale Magnetkraft gleich stark bleibt und die vielen Möglichkeiten nicht an Reiz verlieren.

Wem es nicht gefällt, der kann ja gehen - oder zieht es vor, nur in privaten Lobbys zu bleiben oder macht es wie der Spieler Xsis Michél, der sich aus dem offiziellen GTA Online zurückgezogen hat, um einen eigenen Roleplay-Server aufzumachen, wo sich die Teilnehmer in einem mehr realistischen Spiel einfinden, Berufen nachgehen, Geschichten erleben - und immer noch GTA spielen, aber eben ihr eigenes.

Wir haben Polizisten, Mediziner, Tuner/Adac und diverse Gangs von Bikern bis hin zu den klassischen Gangs. Drehbücher haben wir keine, in der Regel entstehen die Storys frei aus dem Kopf und werden komplett improvisiert. Es gibt keine Grenzen wie man etwas ausspielt (...) Leute verdienen Geld mit diversen Nebenjobs (Müllman, Wildern, Schneider, Holzfäller etc) und wir Administratoren versuchen das mit Events aufzulockern, die Spieler bei Laune zu halten“, schreibt Xsis.

Ist GTA Online unsterblich? Faszinierenderweise begeistert es die Spieler so sehr, dass, selbst wenn der größte Teil ihnen nicht mehr gefallen sollte, sie immer noch Mittel und Wege suchen, es immer noch auf ihre Art spielen zu können. GTA Online scheint solange zu leben, wie seine Community seine Hassliebe mit dem Spiel pflegt und verteidigt.

Meinung von Michael Sonntag

Ich bin überrascht und kann es gleichzeitig irgendwo nachvollziehen, dass GTA Online immer noch Spaß macht. Es hat einen Nerv direkt ins Schwarze getroffen. Ich kann mir immer wieder selbst vorführen, dass es total simpel und veraltet ist und verfalle ihm trotzdem. Ich weiß, was alles schiefläuft, rege mich auf und trotzdem spiele ich weiter. Das Autofahren, die Verbrechen, das Pläneschmieden: Das "Bad Boy"-Leben bleibt verführerisch. Nach dem Motto: "Ich werde es immer lieben, obwohl es oft scheiße ist."

Allerdings stelle ich fest, dass die Luft raus ist - der Gangster ist nach sechs Jahren gemütlich und sesshaft geworden, kommt vorbei, kauft die neuen Objekte ein und spielt dann noch ein paar Stündchen oder geht sofort offline. Es fehlt die Herausforderung auf der Spitze. Oben angekommen, gibt es nichts mehr zu tun. Jetzt kann man höchstens anderen hochhelfen oder nach unten treten. Rockstar muss es nicht tun, ist seinen Fans aber eine große - und wenn vielleicht letzte - Herausforderung schuldig. Oder eine neue, die GTA 6 heißt.

GTA Online weist dieselben Kritikpunkte wie sein Bruder Red Dead Online auf - und trotzdem hat der Western-Multiplayer kurz nach Start den größten Teil der Spielerschaft verschmäht. Weil vermutlich GTA Online zu gut ist - oder süchtiger macht. Gerade in diesem Jahr, in dem kein großes Meisterwerk die Aufmerksamkeit an sich gerissen hat, kommt GTA Online gerade recht. Um die Leute abzuholen, muss es keine Bäume ausreißen, nur das tun, was es immer schon gut gemacht hat.

Ist GTA Online unsterblich? Nein, es kämpft sogar pausenlos um sein Überleben, aber welches Spiel reicht an es heran? Sobald das der Fall ist, muss es sich Sorgen machen. Und wenn es GTA 6 ist, das der Herrschaft ein Ende setzt - oder die Thronfolge einfach nur fortführt.

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