Die Sims | Ich lebe meine dunkle Seite aus

(Kolumne)

von Mandy Strebe (30. September 2019)

Jeder kennt's: Der Sim wird nichtsahnend in den Pool geführt, in dem Glauben, er darf einen Nachmittag im kühlen Nass verbringen und zack, wird die Poolleiter im Baumenü entfernt. Der Sim zieht über Stunden seine Bahnen, bis er schlussendlich kümmerlich verendet. Die Frage ist, warum tun wir so etwas?

Im neuesten Teil von Die Sims 4 könnt ihr statt eure Sims zu ertränken, sie lieber mit Magie hantieren lassen:

Ja genau, warum?

Weil wir es können. Weil Videospiele uns eine Welt ohne Grenzen bieten, in der wir keinerlei Konsequenzen fürchten müssen. Und so geschieht es ganz natürlich, dass - wenn uns die Möglichkeiten gegeben werden - wir die dunkelsten Sehnsüchte unserer Psyche freilassen.

Es ist der Klassiker: Eine Figur in Die Sims auf eine grausame Art und Weise sterben lassen. Ob im Pool jämmerlich ersaufen, in einem Zimmer ohne Tür kläglich verhungern oder elendig verbrennen lassen.

Meine beste Freundin und ich ließen Sims-Kinder sterben

So habe ich schon in jüngsten und unschuldigen Teenager-Tagen freudig mit meiner besten Freundin Sims sterben lassen. Tatort ist das Spiel Die Sims: Brechen aus auf der PlayStation 2. Wir entschlossen uns dazu mit unserer damaligen Sims-Familie Kinder zu adoptieren, welche wir über eine Telefonhotline bestellten (merkwürdig genug ...).

Voller Spannung erwarteten wir die Neuankömmlinge und hofften, eine große, glückliche Familie zu werden. Was wir stattdessen bekamen, war eine herbe Enttäuschung.

Die Kinder die wir erhielten, welche wir Apple und Clementine tauften, entsprachen nun so gar nicht unseren Erwartungen. Es waren zwei Mädchen, die nicht die Schönheit unseres Genpools widerspiegelten und uns ständig auf die Nerven gingen. Nennt uns oberflächlich (was wir damals wohl auch waren), aber wir konnten mit der Schmach dieser hässlichen Kinder nicht leben, wir hatten was anderes bestellt!

Und so hatten wir uns nach langem Abwägen und schweren Herzens (ja wirklich!) dazu entschlossen unsere Kinder sterben zu lassen. Wir wählten einen grausamen aber effektiven Weg, um unser Vorhaben umzusetzen.

Wir legten ein Zimmer voller Teppiche aus und platzierten einen Kamin in dem Raum. Ahnungslos führten wir Apple und Clementine zum Ort der Grausamkeit und entfernten anschließend die einzige Fluchtmöglichkeit, die Tür.

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Schlussendlich ließen wir auch noch eines der beiden Mädchen den zündenden Auslöser für den Tod beider Schwestern sein, indem sie unschuldig den Kamin entfachte. Keine Sekunde später war der erste Teppich in Brand gesetzt und kurz darauf stand das komplette Zimmer lichterloh in Flammen. Unter qualvollen Hilfeschreien mussten unsere Kinder das Zeitliche segnen.

Ich hatte (fast) fünf Kinder von drei verschiedenen Vätern

In den etlichen Jahren meiner Sims-Vergangenheit kam dieses Ausleben dunkler und abgedrehter Seiten immer wieder zum Vorschein. Dies weitete sich sogar auf ganze Lebensweisen aus, die komplett konträr zu meinem eigentlichen Wesen verliefen.

Meine große Liebe galt Die Sims 2 auf dem PC. Ich erinnere mich an eine sehr freizügige und umtriebige Sims-Dame, die es liebte, sich allen möglichen Männern an den Hals zu werfen und dabei das Risiko einzugehen, wahllos Kinder mit diesen zu zeugen.

Sie hatte ein Kind von einem treulosen Choleriker, der sich kein bisschen um sein Kind scherte, zog weiter zu einem attraktiven Beachboy, der, wie sich dann herausstellte, keinerlei Verantwortung besaß und daher auch keinen zuverlässigen Familienvater für die mittlerweile drei Kinder abgab.

Dieser ganze Stress verwirrte die Arme so sehr, dass sie in der Erziehung ihrer Kinder so manches Mal eine fürchterliche Mutter war. In ihrer Überforderung legte sie ihre schreienden Babys auf dem Boden ab und vergaß sie dort. Oder ich hatte einfach Spaß daran. Erschreckend, ich weiß.

Plärrende Babys auf dem Boden förderten das Schlimmste in mir zu Tage.Plärrende Babys auf dem Boden förderten das Schlimmste in mir zu Tage.

Doch es gab Hoffnung für die verzweifelte Dame. Sie fand schließlich einen Mann, der sich fürsorglich um die armen Kinder und ihr verwirrtes Gemüt kümmerte. Diesen Mann beschloss sie dann endlich zu ehelichen und sesshaft zu werden.

Ich entsinne mich, dass das Glück fast perfekt schien, als die beiden die Geburt von Zwillingen erwarteten. Doch die Ironie des Schicksals führte dazu, dass diese vom Leben gebeutelte Sims-Frau eines unglücklichen Morgens aus ihrem Bett stieg, aufschrie und hochschwanger davor zusammensackte. Sie war verhungert. Und diesmal war ich nicht schuld! Es stimmte mich traurig, so kurz vor dem Happy End diese Tragik mit anzublicken.

Dies war wohl die Strafe oder ausgleichende Gerechtigkeit für meine dunklen Machenschaften, die ich in meiner Sims-Karriere auslebte.

Rückblickend kann man sagen, dass die dunklen Abgründe meiner Sims-Erlebnisse ziemlich erschreckend sind, allerdings auch ziemlich lustig. Am Ende des Tages ist es nur ein Spiel und ich in der Realität ein Menschenfreund und kein Axtmörder. Oder?

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